Angedeutet hatten die Verantwortlichen bei den Löwen Frankfurt schon vor einer ganzen Weile, dass sich in Zukunft vieles verändern könnte. Als der Klub vor etwas mehr als eineinhalb Jahren zu einem Mediengespräch einlud, bei dem der neue Mitgesellschafter Prange vorgestellt und mit der „Mission 2030“ der Versuch einer Annäherung an die Spitzenteams der Deutschen Eishockey Liga (DEL) angekündigt wurde, sprachen die Klubbosse davon, sich vorstellen zu können, die Gesellschafterstruktur noch weiter zu öffnen. Aber die Nachricht, die am Mittwochabend über die vereinseigenen Kanäle verbreitete wurde, kam dann doch etwas überraschend.Das lag daran, dass es sich nicht um eine Erweiterung des Gesellschafterkreises handelte, die kommuniziert wurde. Andreas Stracke, seit dem Neustart in der Regionalliga im Jahr 2010 dabei und für die Bereiche Sponsoring, Marketing und Kommunikation zuständig, scheidet aus. Es lag aber vor allem auch daran, dass ein neuer Minderheitsgesellschafter einsteigt, den man nicht auf dem Eis, sondern üblicherweise auf der anderen Seite der Stadt auf einem Rasen zu Hause wähnt: die Eintracht Frankfurt Fußball AG.Sie besitzt nun zehn Prozent der Anteile an der Löwen Frankfurt Eishockey Betriebs GmbH und wird darüber hinaus die Verantwortung in den kommerziellen Bereichen Sponsoring und Hospitality übernehmen. Zudem soll die Eintracht den Klub künftig als Lizenznehmer beim Merchandising unterstützen, wie aus der Mittelung hervorgeht.„Eine neue Dimension“„Ich hätte mir für die Löwen Frankfurt keinen besseren Partner vorstellen können als Eintracht Frankfurt. Für den Sport in der Stadt und in der Region ist dieses Zusammenrücken ein Meilenstein“, wird der geschäftsführende Gesellschafter der Löwen, Stefan Krämer, zitiert: „Die Eintracht Frankfurt Fußball AG bringt in der Vermarktung, im Merchandising und in der Digitalisierung eine Schlagkraft mit, die für uns nochmals eine neue Dimension öffnet.“In diesen Bereichen war es den Löwen zuletzt nicht gelungen, große Schritte nach vorn zu machen. Seit der Trennung von der VTB-Bank wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine fehlt dem Klub einer von zwei Hauptsponsoren. Die Trikotbrust ziert ebenfalls kein Werbepartner. Das sind Aufgaben, die vor allem in Strackes Bereich fielen. Für den scheidenden Mann gab es in der Mitteilung ausschließlich lobende Worte. Die Verdienste von seinem langjährigen Mitstreiter seien groß, betont Krämer in der Mitteilung des Klubs. Man könnte aus dem gesamten Vorgang aber auch etwas anderes ableiten: dass die Aufgaben, die in der DEL in Strackes Bereich gefallen sind, zuletzt vielleicht etwas zu groß geworden sind. Doch ganz so einfach ist es nicht.In der Mitteilung des Klubs heißt es, dass sich Stracke auf eigenen Wunsch zurückgezogen habe, laut Krämer, weil er sich „anderweitig orientieren und mal durchatmen möchte“. Diesen Wunsch respektierte der geschäftsführende Gesellschafter, schaute sich nach Alternativen um – und stieß auf die Eintracht. Wenn Krämer nun von einer „neuen Dimension“ spricht, in welche die Löwen vorstoßen wollen, ist das nicht als Kritik an der Arbeit von Stracke zu verstehen. „Zwischen Andreas und mir gibt es nicht ansatzweise einen Gesellschafterstreit, ganz im Gegenteil“, sagt Krämer: „Andreas wird mir immer ein sehr guter Freund sein.“ Der Vergleich zwischen Stracke und der Eintracht wäre ohnehin ungerecht. Natürlich hat der Fußballklub mit seiner Marketingmaschinerie und seinem Netzwerk ganz andere Möglichkeiten als eine Person.Die Löwen werden mit dieser neuen Partnerschaft keinen Sprung an die Spitze der DEL machen. Aber eine Steigerung der Einnahmen dürfte in der Zukunft schon zu erwarten sein. Das Engagement der Eintracht geht über die Akquise von Sponsoren hinaus. Im Bereich der Digitalisierung greift der Fußballklub mit einer Tochterfirma unter die Arme, unter anderem um das Fanerlebnis zu verbessern. Auch mit Blick auf die Multifunktionsarena, die am Stadion der Eintracht entstehen soll und in Zukunft von dieser betrieben werden könnte, scheint die Kooperation sinnvoll.Aus dieser Partnerschaft, das ist kein Geheimnis, sollen beide als Gewinner hervorgehen. Die Löwen erhoffen sich wirtschaftliche Schritte nach vorn. Die Eintracht lässt sich ihre Dienste bezahlen, dürfte vor allem das Potential sehen, Geld zu verdienen. Geht der Plan auf, profitieren alle – auch die Prange Beteiligungen AG, die Ende 2024 bei den Löwen eingestiegen war, weil sie ebenfalls Wachstumspotentiale ausgemacht hat.Prange hat zu den bereits erworbenen 20 Prozent nun auch noch die Anteile von Stracke übernommen (40 Prozent). Zehn Prozent davon gingen wiederum an die Eintracht. Krämer hält weiter 40 Prozent der Anteile und bleibt alleiniger Geschäftsführer. Prange hatte Ende 2024 angekündigt, nicht ins operative Geschäft eingreifen zu wollen, wird in der Mitteilung von Vorstand Albrecht Brodhun als „aktiver Partner im Hintergrund“ bezeichnet. Da er zuvor auch schon kein Mehrheitsgesellschafter war, ändere sich nichts, sagt Krämer, der im Zusammenhang mit der Eintracht-Kooperation auch noch mal betont, dass die Löwen „wirtschaftlich gut aufgestellt“ sind und über „eine solide Finanzstruktur“ verfügen.„Mit dieser Kooperation bündeln wir Kompetenzen im Frankfurter Profisport und schaffen neue Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung der Löwen Frankfurt“, ließ sich der Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt Fußball AG, Axel Hellmann, zitieren. Welche Sprünge mit dieser neuen Partnerschaft möglich sein werden – darüber haben die Beteiligten noch nichts gesagt. Der Austausch zwischen beiden Seiten läuft noch.Fest steht schon seit dem Einstieg von Prange: Die Löwen denken wieder größer, wollen nach oben. Und dafür werden nicht nur auf Management-Ebene Vorkehrungen getroffen. Zuletzt verabschiedete der Klub unter anderen Chris Wilkie und präsentierte namhafte deutsche Neuzugänge wie Björn Krupp und Konrad Abeltshauser, die als sogenannte „Mentalitätsspieler“ bekannt sind. Darin einen Neuanfang zu sehen, wäre definitiv zu viel des Guten. Das gilt auch für die Kooperation mit der Eintracht. Aber ein Aufbruch ist es allemal.