Es ist mehr als eineinhalb Jahre her, dass die Europäische Kommission im Dezember 2024 in Brüssel das EU-Internetsatellitenprojekt Iris² auf den Weg gebracht hat. Damals unterzeichneten EU, die Raumfahrtagentur Esa und das Industriekonsortium Spacerise die Verträge dafür. Nun haben die Partner die Verhandlungen abgeschlossen, die Umsetzungsvereinbarung sieht vor, dass das System aus 348 Satelliten bestehen soll. Dienste von Iris² sollen demnach von 2029 an „schrittweise“ eingeführt werden. Bisher sahen die Pläne knapp 300 Satelliten vor, nun sollen es 330 Geräte im niedrigen Erdorbit und 18 in der mittleren Umlaufbahn werden.Nach eigenen Angaben reagiert die EU damit auf „ein sich veränderndes Sicherheitsumfeld“. So sollen 66 Satelliten im niedrigen Orbit speziell die Verteidigungs-, Sicherheits- und Notfalldienste stärken. „Heute machen wir einen entscheidenden Schritt nach vorn für Europas Sicherheit und digitale Souveränität“, wird Andrius Kubilius in einer Mitteilung der EU zitiert. Der Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt kündigte an, das Netz vorzeitig in Betrieb zu nehmen. Damit sollen die Regierungen in der EU mehr als 60 Prozent mehr Kapazitäten für sichere Konnektivität erhalten. „Diese verstärkte, schnellere Konstellation wird unseren Mitgliedstaaten, Notdiensten und Bürgerinnen und Bürgern die widerstandsfähige, autonome Konnektivität bieten, die sie jetzt und in den Krisen der Zukunft benötigen“, so Kubilius. Hintergrund ist auch die erstrebte weitere Souveränität Europas im All, um Abhängigkeiten beispielsweise von Elon Musks Starlink-Internetsatelliten zu verhindern.„Das ist eine Zeitenwende für Europas Souveränität“Das bereits 2024 beauftragte Konsortium namens Spacerise (Space Consortium for a resilient, interconnected and secure Europe) soll die Satellitenkonstellation im Zusammenspiel mit der Esa aufbauen und betreiben. Es besteht aus den europäischen Satellitenfirmen SES, Eutelsat und Hispasat. Subunternehmer sollen nicht nur große Konzerne wie Airbus, Thales Alenia Space und OHB werden. Die EU will unter anderem auch das Start-up Aerospacelab einbinden. Das belgische Unternehmen, das erst 2018 gegründet wurde, soll nach eigenen Angaben für Iris² Satelliten entwickeln, bauen und betreiben. „Das ist eine Zeitenwende für Europas Souveränität, und wir sind stolz darauf, diesen Weg mitzuebnen“, sagt Gründer Benoît Deper. Aerospacelab will demnächst eine Satellitenfabrik im belgischen Charleroi in Betrieb nehmen. Die Arbeitsanteile der anderen Zulieferer werden gerade ausverhandelt. Der EU zufolge soll das Konsortium die Programmentwicklung beschleunigen. Dazu gehören neben dem Satellitenbau auch eine sichere Bodeninfrastruktur. Nicht zuletzt auch die Startdienste. Die Trägerrakete Ariane 6 wird nicht explizit genannt, sollte aber im Interesse der europäischen Souveränität gesetzt sein. Die Rede war mal von 13 Ariane 64-Raketen, die für 300 Satelliten nötig seien.Nach früheren Angaben soll das Projekt bis 2036 insgesamt 10,6 Milliarden Euro kosten, wobei 6,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln kommen sollen. Der Kommission zufolge würden die Mitgliedstaaten Iris² bereits durch nationale Investitionen stärken, „um besonderen zusätzlichen Bedarf zu decken“. Explizit werden Polen und Ungarn mit knapp 660 Millionen respektive 500 Millionen Euro genannt, Spanien habe 1,6 bis zwei Milliarden Euro angekündigt. Abkommen mit weiteren Mitgliedstaaten würden derzeit fertiggestellt.