Gold bewegte sich am Freitag auf ein ungewöhnlich hohes Wochenplus zu. Im Handelsverlauf notierte der Preis des Edelmetalls erstmals seit Längerem wieder oberhalb von 4300 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Das bedeutete auf Wochensicht ein Plus von gut sechs Prozent oder 260 US-Dollar.An den Finanzmärkten war das ein Gesprächsthema. Was war da los? Der Goldpreis hatte im Januar zeitweise mehr als 5500 Dollar je Unze betragen, war dann aber stark gefallen und hatte sich zuletzt um 4000 Dollar seitwärts bewegt.Goldpreis reagiert auf Entwicklung in Iran„Als direkter Katalysator dürften die positiven geopolitischen Entwicklungen der letzten Tage zu nennen sein, die in Verbindung mit den fallenden Ölpreisen auch das Zinsniveau wieder nach unten getrieben haben“, schreibt das Bankhaus Metzler in seinem täglichen Marktbericht: „Zudem scheinen Zentralbanken nach Daten der Branchenorganisation World Gold Council nach schwachen Käufen im ersten Quartal im zweiten Quartal nun wieder zu den Top-Käufern von Gold gehört zu haben.“Der World Gold Council hatte für das zweite Quartal eine gegenüber dem Vorjahresquartal stagnierende globale Goldnachfrage gemeldet. Die Nettokäufe der Notenbanken stiegen gegenüber dem ersten Quartal dagegen um 411 Prozent – von 56,5 auf 288,9 Tonnen. Neben der polnischen Notenbank kaufte vor allem China Gold in erheblichen Mengen als Reserve hinzu. Auch private Anleger in China investierten stark in Gold.„Gold steuert auf den höchsten Wochengewinn seit gut sechs Monaten zu“, sagte der Goldfachmann der Landesbank Baden-Württemberg, Frank Schallenberger: „Ich glaube, dass hier ein paar Schnäppchenjäger unterwegs waren, die wieder etwas optimistischer für Gold geworden sind, nachdem die Unterstützung bei 4000 Dollar gehalten hat.“ Auch bei den börsengehandelten Indexfonds („Exchange Traded Funds“) und verwandten Anlageprodukten seien wieder Zuflüsse verzeichnet worden. Vor allem in China hätten die Käufe seit Mitte Juli wieder zugenommen, sagte der Analyst: „In aller Welt stiegen die Goldbestände der ETF in den vergangenen beiden Wochen um gut 20 Tonnen.“Stark abhängig von der GeldpolitikGegenwind drohe vor allem durch die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed), sagte Schallenberg. Am Markt werde derzeit eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent für eine Zinserhöhung auf der nächsten Notenbanksitzung Mitte September eingepreist. „Hier scheinen die Gold-Bullen aktuell auf weiter fallende Ölpreise zu setzen.“ Sollte es zu einer Einigung in Bezug auf die Straße von Hormus kommen, dürfte es für die Ölpreise wohl noch weiter nach unten gehen, meint er. Die Fed hätte dann sicherlich im September etwas weniger Kopfschmerzen aufgrund von Inflationssorgen und würde vielleicht doch nicht an der Zinsschraube drehen, sagte Schallenberger: „Das würde bedeuten: Für Gold würde es sogar noch weiter nach oben gehen.“Der Chefanlagestratege von UBS Global Wealth Management, Mark Haefele, ist der Meinung, „dass Anleger das kurzfristige Handelsrisiko vom längerfristigen Anlagepotential trennen sollten“. Tatsächlich könnten Phasen der Schwäche in Richtung 4000 Dollar oder darunter sich letztendlich als Chancen zum Aufbau eines strategischen Engagements erweisen, sagte er: „Für Anleger mit einer Affinität zu Sachwerten halten wir weiterhin eine Goldallokation im mittleren einstelligen Bereich innerhalb eines gut diversifizierten Portfolios für angemessen.“