Der Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess wappnet sich für weitere Wochen mit niedrigen Pegelständen. Die gegenwärtige Situation habe sich im Vergleich zur Dürre im Jahr 2018 nochmals verschlimmert, sagte der Lanxess-Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert am Freitag. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich an der Lage etwas ändert“, sagte Zachert. Schiffe seien nur zu 20 bis 30 Prozent befüllt und zahlreiche Lade- und Entladestellen nicht mehr erreichbar.Gegenwärtig liegen die zusätzlichen Logistikkosten im einstelligen Millionenbereich. „Jetzt müssen wir sehen, wie lange die Situation noch fortbesteht. Das Risiko ist ein Produktionsausfall“, sagte Zachert. Für die nächsten Wochen seien alle erforderlichen Volumina aber über alternative Transportwege abgesichert.Im Jahr 2018 hatte der Chemiekonzern BASF wegen erhöhter Logistikkosten und Produktionsstörungen rund 250 Millionen Euro an Ergebnis verloren. Lanxess war auch damals von Ausfällen verschont geblieben und kam daher mit Zusatzkosten von einem einstelligen Millionenbetrag davon.Vor fünf Wochen habe das Unternehmen ein Krisenteam aufgesetzt, das täglich mit dem Einkauf, Lieferanten und Logistikpartnern spreche. „Dadurch konnten wir glücklicherweise viele Transporte auf die Straße und Schiene verlagern“, sagte Zachert. Seit dem letzten Niedrigwasser habe das Unternehmen zudem einen hohen einstelligen Millionenbetrag investiert. „Wir haben viele Betriebe, die rein vom Wasser beliefert werden konnten, umgerüstet. Somit gibt uns das mehr Flexibilität“, sagte Zachert.Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte nach dem Niedrigwassergipfel am Donnerstag in Bonn mitgeteilt, dass der Bund mit den Ländern über Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw für besonders betroffene Güter spreche. Das Gleiche gelte auch für die schnellere Genehmigung von Schwertransporten, die auf die Straße verlagert werden müssen. Die Gütertransportgesellschaft DB Cargo hat laut Bilger zugesichert, die vom Niedrigwasser betroffene Industrie zu unterstützen, mehr Güter auf die Schiene zu bringen.Trotz des Niedrigwassers haben Spezialchemiekonzerne wie Lanxess gerade eine Sonderkonjunktur, die durch den Irankonflikt ausgelöst wurde. Durch die Lieferkettenschwierigkeiten und hohen Kosten in Asien können hiesige Hersteller höhere Preise durchsetzen und mehr Produkte verkaufen. Lanxess hat im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis steigern können. Auch der Essener Konkurrent Evonik hatte ein deutliches Plus vermeldet.
Lanxess wappnet sich vor Niedrigwasser: „Das Risiko sind Produktionsausfälle“
Seit Wochen spielen Unternehmen die Krisenszenarien rund um die sinkenden Pegelstände der Wasserstraßen durch. Nun wird es ernst. Lanxess zeigt sich gewappnet.










