Als er in der Bestätigungsanhörung im Senat jüngst nach seiner Beziehung zu Donald Trump gefragt wurde, unterlief Todd Blanche ein Lapsus. Ob er ein Freund des Präsidenten sei, wollte der republikanische Senator John Kennedy von ihm wissen. „Ich bin sein Anwalt“, gab Blanche zurück und korrigierte sich dann schnell. „War sein Anwalt. Jetzt bin ich der amtierende Justizminister.“Blanche war im Juni vom Präsidenten für den Posten nominiert worden. In dieser Woche will die republikanische Führung des Senats ihn nach langer Diskussion nun schließlich bestätigen lassen. Doch die Beziehung des 51 Jahre alten Blanche mit Trump reicht weiter zurück.Es war am 3. April 2023, einen Tag vor der Anklageverlesung im Fall der Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels, dass Trump seinem Team einen weiteren Anwalt hinzufügte: den früheren Staatsanwalt mit Erfahrung in Wirtschaftssachen, Todd Blanche.Trump wurde für schuldig befundenDer stieg dafür als Partner bei der New Yorker Kanzlei Cadwalader, Wickersham & Taft aus. In einer Abschieds-E-Mail an Kollegen soll Blanche geschrieben haben, das sei nach reiflicher Überlegung eine Chance, die er sich nicht entgehen lassen sollte. Einige stimmten ihm damals offenbar zu. Andere waren der Meinung, niemand müsse sich bewusst dafür entscheiden, für Trump zu arbeiten.Ein Team: Todd Blanche und Donald Trump sprechen im Mai 2024 nach einer Gerichtssitzung in Manhatten mit Reportern.Picture AllianceDas Verfahren in New York lief anders, als Trump sich das vorgestellt hatte. Er wurde 2024 von den Geschworenen in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und als erster amerikanischer Präsident wegen einer Straftat verurteilt. Die amerikanischen Medien schrieben über Blanche, er sei bisweilen unsicher und unorganisiert gewesen. Doch der Anwalt vertrat Trump zu diesem Zeitpunkt in drei seiner vier Verfahren, auch in der Geheimdokumentenaffäre in Florida und im Wahlbeeinflussungsverfahren in Washington. Blanche blieb in der Gunst des Republikaners. Trump schätzte ihn für sein Auftreten vor der Kamera und für die scharfen Zeugenbefragungen. Heute nennt er ihn einen „Star“.Blanche selbst sieht sich als Außenseiter in der Welt der Juristen; womöglich ein Grund dafür, warum er das Gefühl hatte, Trumps Anfrage nicht ablehnen zu können. Auch wenn er jahrelang als demokratischer Wähler registriert war und nach Aussage seiner Kinder feuchte Augen hatte, als Hillary Clinton die Wahl verlor. Der Anwalt wuchs als Kind eines kanadischen Hockeyspielers und einer Krankenschwester in Denver auf, zog als Teenager aber nach Gainesville, Florida. Grund war der Vater: Er führte als Pastor eine bisweilen als sektiererisch beschriebene Gemeinde mit Gottesdiensten im Haus der Familie, bis er nach einem Rechtsstreit mit den Nachbarn über die Nutzung des Grundstücks belangt wurde.Blanche galt als WunderkindBlanche, nicht religiös, ging später auf ein Militärinternat in New Mexico. Im Studium wechselte er aus Wisconsin an die American University nach Washington, D.C. Auch um seiner heutigen Frau Kristine näher zu sein, die er auf einer Australienreise kennenlernte und mit Anfang 20 heiratete. Eine Bezirksstaatsanwältin und frühere Weggefährtin Blanches sprach im Gespräch mit dem „New York Magazine“ vor einigen Jahren von einem Wunderkind: junger Vater zweier Kinder, Rechtsassistent in der Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York, am Abend Student der Brooklyn Law School. Mit 29 Jahren schloss Blanche sein Jurastudium mit Bestnote ab.Drei Jahre später kehrte er nach mehreren Referendarstellen als Staatsanwalt in den südlichen Bezirk zurück und entschied sich für die Abteilung für Gewaltverbrechen. Hier entdeckte Blanche eigene Stärken, die manchem Harvard-Absolventen abgingen: die Fähigkeit, mit jedem auf Augenhöhe zu reden, zum Beispiel. Nach acht Jahren, später als die meisten, entschied sich der Jurist für den Wechsel in eine private Kanzlei. Bei Cadwalader, Wickersham & Taft soll er nicht weiter aufgefallen sein. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass es in Wirtschaftssachen idealerweise selten zu einem Prozess kommt. Trump ging ein Risiko ein, als er Blanche in sein Verteidigerteam berief. Der war während seiner zehn Jahre in Kanzleien nur an einem Strafprozess beteiligt, in untergeordneter Rolle.In Trumps Universum geriet er, als er 2019 Paul Manafort als Mandanten übernahm, Trumps früheren Wahlkampfmanager. Der war in einem anderen Fall auf Bundesebene schon wegen Steuerhinterziehung und anderer Finanzdelikte verurteilt worden und verbüßte eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren. Die Bezirksstaatsanwaltschaft Manhattan wollte Manafort jedoch ihrerseits wegen Hypothekenbetrugs belangen. Das stoppte Blanche erfolgreich. Nach Manafort vertrat Blanche einen Vertrauten des früheren New Yorker Bürgermeisters und Trump-Freundes Rudy Giuliani, Igor Fruman.Trump soll Blanche versprochen haben, ihn berühmt zu machenEin weiterer Mandant war Boris Epshteyn, lange politischer Berater Trumps und eine zentrale Figur im Versuch, das Wahlergebnis 2020 anzufechten. Epshteyn war einer derjenigen, mit denen Trump sich nach dem Sturm auf das Kapitol zu Beratungen nach Mar-a-Lago zurückzog. Der Republikaner beauftragte ihn während der vielen Anklagen, sein Anwaltsteam aufzubauen. Epshteyn wiederum zog Blanche zur Hilfe, der seine eigene Mitarbeit vorgeschlagen haben soll.Das „New York Magazine“ beschrieb einen Besuch des Anwalts in Mar-a-Lago im Frühjahr 2023. Trump selbst hatte Blanche während eines Skiwochenendes mit der Familie angerufen und eingeladen. Es soll das erste von vielen weiteren Treffen gewesen sein. Trump, so heißt es, habe Blanche versprochen, er werde ihn berühmt machen.Zwei Monate später saßen die beiden Männer gemeinsam im Gerichtssaal in Manhattan. Zwei Jahre später war Trump wieder Präsident, und Blanche wurde stellvertretender Justizminister. Es machte Schlagzeilen, dass Trump seinen früheren Strafverteidiger in ein Regierungsamt hob. Die meisten Amerikaner dürften aber erst von Blanche gehört haben, als dieser sich im Juli 2025 mit Ghislaine Maxwell traf, der früheren Gehilfin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.Blanche besuchte Maxwell im GefängnisDer Jurist geriet in einen Sturm, den Trump selbst heraufbeschworen hatte. Im Wahlkampf versprach der Republikaner die Veröffentlichung der Epstein-Ermittlungsakten. Später gab die Regierung die Informationen aber erst nur häppchenweise heraus. Blanches Besuch im Gefängnis bei Maxwell – sie verbüßt wegen Sexhandels mit Minderjährigen eine 20 Jahre lange Freiheitsstrafe – sollte als Zugeständnis verstanden werden: Seht her, wir wollen aufklären.Doch der Versuch ging nach hinten los. Kurz nach dem Interview wurde Maxwell aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Florida in eine Haftanstalt mit minimalen Sicherheitsvorkehrungen in Texas verlegt; das ist höchst ungewöhnlich für jemanden, der im Zusammenhang mit Sexualstraftaten verurteilt wurde. Es entstand der Eindruck, die Regierung wolle Maxwell entgegenkommen. Die sprach Trump im später veröffentlichten Interview von jeglichem Fehlverhalten frei. Er habe sich in ihrem Beisein immer „in jeder Hinsicht“ wie ein Gentleman verhalten.Blanches Besuch in Florida war im Juli wieder Thema, als Trump ihn nach dem Abgang der Justizministerin Pam Bondi nicht nur zum geschäftsführenden Minister machte, sondern als offiziellen Nachfolger vorschlug. Der demokratische Senator Cory Booker wollte in der Bestätigungsanhörung wissen, ob Blanche mit Maxwell über eine Begnadigung oder eine Strafmilderung gesprochen habe. Er verneinte beides. Doch die Demokraten könnten seine Ernennung allein ohnehin nicht verhindern.Zum Problem wurde Blanche ein anderes Thema: der milliardenschwere „Wiedergutmachungsfonds“ für angebliche Opfer einer politisierten Justiz unter früheren Regierungen. Er hatte das Projekt Trumps nach heftiger Kritik auch vonseiten der Republikaner für gescheitert erklärt, sich aber lange geweigert, das schriftlich festzuhalten.Zwei republikanische Senatoren blockierten seine Ernennung deswegen federführend. Sie verwiesen aber auch darauf, es gehe nicht um Blanches Eignung, nur um den Fonds. Am Sonntag teilte der amtierende Justizminister schließlich schriftlich mit, es werde „ohne jeden Zweifel“ keinen solchen Fonds geben. Kritiker stellen infrage, ob das rechtlich bindend ist. Der Präsident selbst hob später hervor, er habe eine solche Anordnung nicht unterzeichnet.Die Geste reichte trotzdem, damit die Senatoren ihren Widerstand aufgaben, sodass der Senat nun noch in dieser Woche über die Ernennung abstimmen will. Was immer kommt, Blanche dürfte sich dankbar zeigen. Nach Bondis Rücktritt danach gefragt, ob er sich den Posten des Justizministers vorstellen könne, sagte er: Wenn Trump ihn nominiere, sei das eine Ehre. Wenn er amtierender Justizminister bleibe, sei das eine Ehre. Selbst wenn Trump von ihm verlange, den Posten zu wechseln, werde er sagen: „Vielen Dank, und ich liebe Sie, Sir.“