Einst bewahrte er Trump vor dem Gefängnis, nun soll er als Justizminister dessen Gegner ins Visier nehmenTodd Blanche geht als interimistischer Justizminister bereits gegen Widersacher des Präsidenten vor. Im Senat könnte seine Bestätigung deshalb auf Widerstand stossen – auch bei aufmüpfigen Republikanern.10.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDer designierte Justizminister Todd Blanche (links) gilt als Gefolgsmann von Präsident Donald Trump.Jonathan Ernst / ReutersDass er nie ins Gefängnis gekommen sei, habe er ganz Todd Blanche zu verdanken, sagte Donald Trump vor einem Monat im Rosengarten des Weissen Hauses. «Die krummen Demokraten haben mich von links und rechts mit Klagen eingedeckt, aber er hat mich jahrelang vor dem Knast bewahrt.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Tatsächlich hängte der Anwalt im Frühjahr 2023 seinen Job bei einer New Yorker Kanzlei an den Nagel, um sich ganz auf sein Mandat als persönlicher Strafverteidiger Trumps zu konzentrieren. Damals liefen verschiedene Verfahren, die eine erneute Präsidentschaftskandidatur Trumps im Jahr 2024 gefährdeten.Prozesse abgewendetBlanche vertrat den heutigen Präsidenten in einem New Yorker Prozess, in dem Trump vorgeworfen wurde, Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels vertuscht zu haben. Auch in den beiden Bundesverfahren wegen unrechtmässiger Aufbewahrung von Regierungsdokumenten in Florida und wegen versuchter Manipulation bei den Präsidentschaftswahlen 2020 verteidigte Blanche seinen prominenten Mandanten.Und er tat dies mit Erfolg. Zwar konnte Blanche eine Verurteilung im Schweigegeldprozess nicht abwenden. Doch gelang es ihm, die beiden Bundesverfahren zu verzögern, bis sie nach Trumps Wahlsieg im Jahr 2024 hinfällig wurden. Der neugewählte Präsident dankte es dem heute 51-jährigen Blanche mit der Ernennung zum stellvertretenden und schliesslich zum interimistischen Justizminister, nachdem sich Trump Anfang April mit der bisherigen Amtsinhaberin Pam Bondi überworfen hatte. Jetzt hat Trump bestätigt, dass er Blanche als definitiven Nachfolger Bondis installieren will.Blanche hätte wohl selber nicht damit gerechnet, dass er einmal das prestigeträchtige Amt des Justizministers übernehmen könnte. In seinen Auftritten wirkt er eher hemdsärmlig und zeigt nicht die Allüren eines Staranwalts. Allerdings blickt der aus Colorado stammende Vater zweier erwachsener Söhne auf eine durchaus breite Erfahrung zurück.Anklage gegen früheren FBI-ChefBei der New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft im Süden Manhattans, wo er als Student zu arbeiten begann, stieg er bis zum Co-Leiter für die Verfolgung von Gewaltverbrechen auf. Dann wechselte er zu einer privaten Kanzlei und wurde Partner beim traditionsreichen Anwaltsbüro Cadwalader, Wickersham & Taft an der Wall Street. Er betätigte sich als Strafverteidiger für Vertraute von Trump, bevor er am Ende auch den Präsidenten selbst vertrat.Mit der entlassenen Justizministerin Pam Bondi soll Trump unzufrieden gewesen sein, weil sie sich gegenüber den politischen Widersachern des Präsidenten zu wenig aggressiv gezeigt habe. Blanche hingegen ging in seiner kurzen Zeit als interimistischer Justizminister entschieden gegen Gegner Trumps vor. So strengte er ein Strafverfahren gegen die linke Nichtregierungsorganisation Southern Poverty Law Center an und verklagte James Comey zum zweiten Mal. Der Vorwurf gegen den ehemaligen FBI-Chef: Comey soll Trump mit dem Tod gedroht haben.Das Vergehen: Comey hatte auf Instagram ein Bild von Muscheln veröffentlicht, die am Strand zu den Zahlen 86 und 47 arrangiert worden waren. Die Zahlenkombination gilt als Anti-Trump-Botschaft: Trump ist der 47. Präsident der USA. «86» wird in der Gastronomie als Slang benutzt, wenn ein Gericht oder ein Getränk ausverkauft ist oder ein Kunde das Lokal verlassen soll.Skepsis im SenatMit der Klage gegen Comey bewies sich Blanche als loyaler Gefolgsmann von Trump, der die Macht der Exekutive grosszügig auslegt und gewillt ist, sich in den Dienst des Präsidenten zu stellen. Dies ist insofern heikel, als der Justizminister in den USA ein problematisches Doppelmandat ausübt. Einerseits ist er als Politiker Kabinettsmitglied. Andererseits ist er aber auch der oberste Strafverfolger des Landes, der die Bundespolizei FBI und die Bundesstaatsanwälte kontrolliert und in dieser Funktion zur Unparteilichkeit angehalten ist.Die Frage, ob Trumps ehemaliger Fürsprecher genügend unabhängig ist, dürfte im Zentrum der anstehenden Anhörungen im Senat stehen. Die kleine Kammer muss den designierten Justizminister bestätigen, bevor er sein Amt antreten kann. Selbst etliche republikanische Senatoren haben bereits Vorbehalte angemeldet.Die Skepsis befeuerte die jüngste Auseinandersetzung um Trumps Pläne für einen Entschädigungsfonds im Umfang von rund 1,8 Milliarden Dollar. Mit dem von Todd Blanche mitkonzipierten Geldtopf hätten angebliche Justizopfer aus der Regierungszeit der beiden Demokraten Barack Obama und Joe Biden entschädigt werden sollen. In den Genuss von Zahlungen wären auch die Randalierer gekommen, die am 6. Januar 2021 das Capitol in Washington gestürmt hatten.Dies löste unter republikanischen Senatoren eine Meuterei aus, woraufhin die Regierung die Pläne wieder begrub. Auch darum gilt die Bestätigung Blanches als unsicher. Die Mehrheitsverhältnisse sind knapp. John Cornyn, der im Mai in Vorwahlen um den republikanischen Senatssitz in Texas von einem Trumpisten besiegt wurde, gehört zu den abtretenden Senatoren, die nichts mehr zu verlieren haben. Gegenüber «Politico» liess er verlauten, seine Unterstützung für Blanche hänge ganz von dessen Antworten auf die Fragen ab, die er ihm im Justizausschuss zu stellen gedenke.Passend zum Artikel