Schlabbrig gekleidetes Personal, Getränke aus der Plastikflasche, und dafür dann ein kleines Vermögen bezahlen? Red Flags in der Gastronomie, die uns ein Restaurant meiden lassen. Die Redaktion hat sie gesammelt.Mysteriös aufgefüllte Soeder-SeifenspenderTricksereien sind Teil der Gastronomie, und manchmal sind sie geradezu magisch. Aber bei der Seife in Restauranttoiletten, finde ich, wäre Transparenz gefragt. Viel zu oft drückt man auf den Spender der dunkelbraunen Soeder-Glasflasche und erhält stattdessen ein buntes Prix-Garantie-Häppchen in die Handfläche. Es muss ja nicht überall Aesop sein. Aber eine bezahlbare, angenehm riechende, okay aussehende Alternative sollte auffindbar sein.Text: Jana SchibliWenn selbstgemacht, dann mit AmbitionenHausgemachtes Brot, Olio piccante mit Chilis aus dem Restaurantgarten – ist ja alles schön und gut, doch nur weil etwas selbstgemacht ist, muss es noch lange nicht gut sein. Da braucht es schon die Ambition, etwas perfektionieren zu wollen. Wer die nicht besitzt und wem die Geduld oder die Zeit für Trial und Error fehlt, der kauft ganz ohne falschen Stolz lieber sensationelle Produkte von Menschen ein, die über diese Eigenschaften verfügen.Text: Tania VilligerKeine Getränke aus der Plastikflasche, bitteWenn ich einen Gastrobetrieb besuche, dann erwarte ich, dass mir mein Getränk in einem Glas oder in einer Glasflasche serviert wird – sei es das Mineralwasser, der Eistee oder das Coca-Cola. Leider erlebe ich aber noch viel zu oft das Gegenteil, und man bekommt eine 0,5-Liter-PET-Flasche vor die Nase gesetzt, die man sich dann selber einschenken darf. Sei es in der Landbeiz, in gut besuchten Restaurants mit Aussenplätzen oder in Lokalen, die neu mehr sein wollen als ein Kiosk und es damit doch nicht über dies hinaus geschafft haben. Die PET-Flasche wird nämlich auch nicht schöner, nur weil man sein cool designtes Logo draufklebt. Sie steht für Massenware, Lieblosigkeit und Zeitmangel.Text: Kerstin Netsch Bitte nicht so: Getränke bitte in Glasflaschen servieren. Immer. Getty Images Es muss nicht die grösste seinWenn Pfeffer auf dem Tisch steht, dann in einer Mühle.Text: Tania VilligerBitte nicht lässig seinIch lass mich gern von Freunden verführen, wenn sie jenes neue Lokal oder diesen einen Imbiss enthusiastisch empfehlen. Und in der Tat: Was gibt es nicht für coole, bubblige Gastro-Orte? Leider ist mir die Haltung des Personals oft zu cool. Herzlichkeit findet sich hier allzu oft ersetzt durch schwer verständlichen Gastrosprech und ein übersteigertes Selbstbewusstsein, das mich als Gast irgendwie dumm oder überflüssig fühlen lässt. Oft wird dieses lässige Verhalten noch durch Portionen getoppt, die mich denken lassen, ich sei ein Vielfrass. Es ist mir zu wenig – die Portionen, die Gastfreundschaft und ja, das ist mir auch wichtig, die Vielfalt der Gäste. Und in all diesem zu wenig ist mir das Ganze finanziell zu viel. Arg zu viel.Text: Ulrike HugKratzen und AugenreibenEs sind zwar ganz kleine, unbewusste Gesten, die total menschlich sind. Dennoch finde ich es nicht ideal, wenn die Bedienung während des Beratens und Bestellung-Aufnehmens am Tisch sich die Augen reibt oder sonst mit den Fingern an den Kopf fasst und sich kratzt. Das vermittelt nun einmal einen leicht unmotivierten, gar unhygienischen Eindruck.Text: Kim Dang Gepflegte Erscheinung und freundliche Präsenz – das wünschen sich Gäste vom Servicepersonal. Getty Images Die Kaffee-AttrappeEine schöne Kolbenmaschine nehme ich gerne als Indiz für guten bis ausgezeichneten Kaffee. Diese will dann bitte auch benutzt werden. Mir ist schon mehrmals passiert, dass die Bedienung nach dem Aufnehmen der Bestellung den Kaffee plötzlich aus dem Nebenräumchen brachte oder den Vollautomaten neben der Siebträgermaschine nutzen wollte. Macht das Leben als Barista leichter; ist viel los und sind die Gäste genervt, kann ich den Impuls noch verstehen. Doch als Konsumentin fühle ich mich hintergangen, wenn der Kaffee nicht aus der glänzenden Maschine kommt, die auf dem Tresen steht.Text: Tania VilligerUngepflegte GarderobeIn manchen Lokalen legt man offensichtlich keinen Wert auf eine einheitliche Garderobe: Das mag der persönlichen Entfaltung des Servicepersonals vielleicht zugutekommen, ist mir als Gast aber zu verwirrend. Eine Uniform oder ein einheitlicher Dresscode hilft mir in einem grösseren Raum jedenfalls, bei Fragen das Personal rascher zu erblicken. Doch mittlerweile hat man sich fast schon daran gewöhnt, dass in gewissen Zirkeln der persönliche Auftritt der Bedienung zur authentischen Atmosphäre beiträgt.Wenn dann aber der laut schlurfende Gang unvermeidlich den Blick auf abgewetzte Sneaker oder gar dreckige Hosen lenkt, dann muss das Preis-Leistungs-Verhältnis top und der kulinarische Genuss unverschämt hoch sein, dass ich an diese Adresse als zahlender Gast zurückkehren werde.Text: Kim Dang Klar sichtbar und ansprechend: Ein Pariser Kellner in seiner Uniform. Getty Images Signale sind wichtigEs gibt fast nichts Schlimmeres, als ignoriert zu werden. Ja, ich weiss, man kann sich als Kellner nicht durch zehn teilen. Doch ein kurzes «Ich bin gleich bei Ihnen» oder ein freundliches Zunicken genügt meist, um sich als Gast gesehen zu fühlen.Text: Tania Villiger Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Was löst Frust aus beim Restaurantbesuch?
Aufgefüllte Handseife, Getränke aus der Pet-Flasche, und dafür ein kleines Vermögen bezahlen? Red Flags der Gastronomie, die uns ein Restaurant meiden lassen






