Das Bild vom klimaschädlichen Kreuzfahrturlaub wird sich so schnell wohl nicht ändern. „Kleine Fortschritte“ seien erkennbar, „aber die Branche bleibt auf fossilem Kurs“. Das ist das Fazit, das der Umweltverband NABU aus der Befragung der Kreuzfahrtanbieter zieht. Das daraus erstellte Ranking hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert.Trotzdem beendet Sönke Diesener, Schifffahrtsexperte des NABU, die Pressekonferenz zu diesem Thema mit einer optimistischen Bemerkung: „Die erste komplett klimaneutrale Kreuzfahrt kann schon vor dem Jahr 2030 möglich sein.“ Die Entwicklung könne über hybride Antriebsarten erfolgen – durch Windunterstützung oder den Einsatz von Batterien, wo sich die Technik „extrem positiv“ entwickele.Zudem erwartet man, dass zunehmend E-Methanol zum Einsatz komme, also ein Treibstoff, für dessen Produktion grüner Wasserstoff (hergestellt mit erneuerbaren Energien) eingesetzt wird. Als Beispiel nannte Diesener das vor zwei Jahren in Dienst gestellte „Mein Schiff 7“ von TUI, das kurzfristig den Antrieb auf E-Methanol umstellen könnte.„Hier wird viel Geld verdient“„Die Branche hat eine besondere Verantwortung. Hier wird viel Geld verdient, deswegen erwarte ich von der Kreuzfahrt, dass sie vorangeht“, sagte der Hamburger NABU-Vorsitzende Malte Siegert. Die Bestandsaufnahme zeigt allerdings das Gegenteil. Jedes zweite Kreuzfahrtschiff ist noch mit Schweröl unterwegs, wie die aktuelle Befragung ergeben hat.„Das ist absoluter Dreck, belastet mit allem, was in der Raffinerie übrig geblieben ist. Eine klebrige Masse, die man erst einmal auf hundert Grad erhitzen muss, bevor man sie verwenden kann“, beschreibt Siegert den klebrigen Treibstoff. Der Betrieb sei nur mithilfe von Abgaswäschern (Scrubbern) erlaubt. Große Mengen der aus dem Abgas gefilterten Schadstoffe würden dann wiederum ins Meer eingeleitet.Containerschiffe nutzen seltener SchwerölDer Ausstieg wäre längst möglich, betont NABU-Referentin Raija Koch: „Es fehlt nicht an technischen Lösungen, sondern am Willen zur Umsetzung.“ In der Containerschifffahrt werde schon viel konsequenter auf Schweröl verzichtet.Fortschritte sieht der NABU mit Blick auf die Emissionen während der Hafenliegezeiten. Der Energieverbrauch der Kreuzfahrtschiffe, die in der Regel tausende Menschen an Bord haben, ist enorm, weshalb die Versorgung mit Landstrom (womöglich aus erneuerbarer Energie) eine entsprechend große Wirkung hat.Die Superyacht „Scenic Eclipse II“ fährt in den Hamburger Hafen ein.dpaIn Hamburg, wo jährlich zwischen 220 und 240 Kreuzfahrtschiffe anlegen, sieht man sich als Pionier. Schon im Jahr 2016 wurde das erste Kreuzfahrtterminal mit Landstrom ausgestattet. Ab dem nächsten Jahr soll die Abnahme von Landstrom hier verpflichtend sein, drei Jahre früher als von der EU verlangt. Allerdings sind längst nicht alle Häfen mit Landstrom versorgt: „Am Mittelmeer oder am Atlantik muss man Landstrom noch suchen“, berichtet Diesener.In diesem Punkt stimmt auch die Kreuzfahrtbranche selbst in das Klagelied der Umweltorganisation ein. „Bislang bieten nur knapp vier Prozent der Liegeplätze Landstrom an“, berichtet ein Sprecher der global tätigen Kreuzfahrtorganisation CLIA.Branche plant Milliarden für die DekarbonisierungVon den 70 Milliarden Euro Investitionen, die von den Mitgliedsreedereien bis zum Jahr 2036 geplant seien, werde ein Großteil für die Dekarbonisierung der Flotte aufgewendet, stellt der CLIA-Sprecher in Aussicht – unter anderem für Schiffe, die mit erneuerbaren Kraftstoffen fahren könnten: „Damit gehört die Kreuzfahrtbranche zu den Vorreitern im maritimen Sektor.“ Ausgebremst werde man aber durch die mangelnde Verfügbarkeit entsprechender Kraftstoffe: „Was jetzt zählt, ist eine verlässliche, ambitionierte Regulierung, die anreizt, in den Ausbau zu investieren“, fordert der Vertreter des Branchenverbands.Vision: Rein elektrisches Schiff für 1900 PersonenBeim NABU hofft man, dass von den Plänen der Branche vieles auch umgesetzt wird, zumal die Werftbranche Möglichkeiten aufzeigt. So verweist Raija Koch auf das von der Meyer Werft auf der Kreuzfahrtmesse in Miami vorgestellte Projekt „Vision“. Das 275 Meter lange Schiff für knapp 1900 Passagiere könnte rein batterieelektrisch angetrieben werden – allerdings wäre es wegen der beschränkten Ladekapazität nur auf Routen mit vielen Zwischenstopps einsetzbar.Konkrete Pläne für künftige Investitionen fließen in das Kreuzfahrtranking des NABU zwar auch ein. Sehr viel mehr Gewicht haben aber die konkreten Klima- und Effizienzmaßnahmen, der Einsatz von Landstrom, Maßnahmen zur Luftreinhaltung. Maximal könnten aufgrund des Bewertungsschemas 17 Punkte erreicht werden. Selbst die beiden norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten, die mit 7,5 und 7,25 Punkten am besten abschnitten, hätten damit noch nicht einmal die Hälfte des Ziels erreicht, mahnt man beim NABU. „Mein Schiff“ von TUI sowie AIDA kommen auf sechs Punkte, Hapag-Lloyd Cruises auf 4,75 Punkte.Der NABU erstellt das Ranking seit dem Jahr 2012 jährlich. Ziel ist es, eine Orientierung für Reisende zu bieten, die sich bei der Urlaubssuche auch an Nachhaltigkeitskriterien orientieren wollen. Während in der Anfangszeit die unmittelbare Luftverschmutzung im Vordergrund stand, gilt mittlerweile der Strategie zur Dekarbonisierung das Hauptaugenmerk.Global hat sich die Schifffahrt über den Branchenverband IMO zu Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2050 verpflichtet. Der Anteil der Schifffahrt an den globalen CO₂-Emissionen wird auf 2,5 bis drei Prozent geschätzt. Die Kreuzfahrt trägt wegen der geringen Zahl der Schiffe nur einen Bruchteil dazu bei. Bezogen auf die einzelnen Passagiere, sieht die Bilanz allerdings anders aus, wie man beim NABU bemerkt: Eine einzige Kreuzfahrt mache es unmöglich, das Ziel des Weltklimarats IPCC zu erreichen, wonach jeder Mensch seine Emissionen auf 1000 Kilogramm CO₂ jährlich begrenzen sollte.
NABU-Ranking: Werden Kreuzfahrten bald klimafreundlich?
Längst wäre dreckiges Schweröl verzichtbar. Aber jedes zweite Kreuzfahrtschiff setzt es noch ein. Die Umweltorganisation NABU hofft auf mehr Investitionen in neue Technologien.













