PfadnavigationHomeRegionalesHamburgKreuzfahrtenViel Luft nach obenStand: 15:01 UhrLesedauer: 3 MinutenEin Kreuzfahrtschiff liegt am Terminal Steinwerder in HamburgQuelle: Christian Charisius/dpaDie Kreuzfahrtbranche verbessert nach Einschätzung des Naturschutzbundes ihre Energieeffizienz und investiert in Landstrom. Doch Schweröl dominiert weiterhin. Der Umweltverband fordert einen schnelleren Wandel.Kreuzfahrtschiffe werden offenbar klimafreundlicher – doch es besteht weiterhin erheblicher Verbesserungsbedarf. Das stellt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in seinem aktuellen Kreuzfahrtranking fest, in dem die Klima- und Umweltbilanz der Kreuzfahrtbranche untersucht wurde. Dabei bewertete die Organisation anhand eines Fragebogens die Klimafreundlichkeit von zwölf Reedereien international. Drei weitere Kandidaten nahmen an der Umfrage nicht teil.Laut Ranking hat die Kreuzfahrtbranche ihre Energieeffizienz verbessert und investiert verstärkt in Landstromanschlüsse. Während der Hafenliegezeiten können Kreuzfahrtschiffe demnach Emissionen senken, weil die Nutzung von Landstrom es ermöglicht, Schiffe im Hafen mit Strom zu versorgen, anstatt die Bordenergie über laufende Motoren zu erzeugen.Lesen Sie auchAllerdings dominiere weiterhin Schweröl als Kraftstoff. Nur vier der zwölf untersuchten Reedereien schließen nach Erkenntnis der Naturschutzorganisation dessen Einsatz vollständig aus. Die Schadstoffe lasse sich nur durch sogenannte Scrubber beseitigen: Diese Reinigungssysteme waschen Schadstoffe aus und leiten sie danach entweder ins Meer oder entsorgen sie an Land. Ein Ausstieg sei „längst möglich“, mahnte Raija Koch, Nabu-Referentin für Schifffahrt: „Es fehlt nicht an technischen Lösungen, sondern am Willen zur Umsetzung“.Der Verein fordert daher die Nutzung klimafreundlicher Kraftstoffe wie etwa E-Fuels. „Die Kreuzfahrtbranche erwirtschaftet hohe Gewinne und trägt damit eine besondere Verantwortung, beim Klima- und Umweltschutz voranzugehen“, sagt Sönke Diesener, Schifffahrtsexperte beim Nabu.Der Nabu veröffentlicht seit 16 Jahren sein Kreuzfahrt-Ranking. Zu den Kriterien zählten 2026 unter anderem der Stopp von Schweröl, Luftreinhaltung und Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Effizienz. Der Kauf von Klimazertifikaten fließt in das Ranking mit ein.Am besten schnitt im aktuellen Ranking die Reederei Havila ab: mit 7,5 von 17 möglichen Punkten. Von deutschen Reisenden häufig genutzte Reedereien wie Hapag-Lloyd Cruises und Aida Cruises landeten mit 4,75 Prozent beziehungsweise 6 Prozent im Mittelfeld.Lesen Sie auchDer Kreuzfahrtverband CLIA Deutschland reagierte am Donnerstag auf das neue Ranking des Nabu: „Die Investitionen und Bemühungen unserer Mitgliedsunternehmen zahlen sich aus. Knapp zwei Drittel der Schiffe unserer Mitgliedsreedereien können bereits Landstrom nutzen, bei Neubauten liegt der Anteil noch höher“, heißt es in einer Erklärung des Verbandes. „Rund 15 Prozent der neuen Schiffe haben zusätzliche Batteriespeicher an Bord. Europaweit sind bis 2036 Investitionen von über 70 Milliarden Euro geplant, der Großteil davon für die Dekarbonisierung der Flotte: unter anderem für Schiffe, die mit erneuerbaren Kraftstoffen fahren können, und für den weiteren Ausbau von Landstromtechnologie.“ Damit zähle die Kreuzfahrtindustrie „zu den Vorreitern im maritimen Sektor“. Aus Sicht von CLIA Deutschland findet die zunehmende Ausstattung von Kreuzfahrtschiffen mit Landstromanschlüssen bislang allerdings keine Entsprechung in den meisten europäischen Häfen: „Zwei Dinge bremsen das Tempo. Zum einen die Infrastruktur an Land. Bislang bieten nur knapp vier Prozent der Liegeplätze Landstrom an“, heißt es in der Erklärung. „Zum anderen die mangelnde Verfügbarkeit erneuerbarer Kraftstoffe. Was jetzt zählt, ist eine verlässliche, ambitionierte Regulierung, die Produzenten anreizt, in den Ausbau zu investieren.“KNA/op