Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die unseren Alltag beeinflussen. Gutes Beispiel: die Glühbirne oder – wie es heute meistens heißt – das Leuchtmittel, weil die klassische Birne mit Glühfaden ja weitgehend aus unserem Leben verschwunden ist. Und damit auch das Licht, das in seiner Qualität unerreicht ist. Was uns heute meist als Ersatz angeboten wird – Birnen mit Leuchtdioden –, kann immer noch nicht ganz mit der Glühbirne mithalten. Wer nach guter Beleuchtung sucht, lernt Begriffe kennen wie Farbtemperatur, Farbwiedergabe-Index, Lichtstärke oder Flicker-Rate.Alle anderen geben sich mit dem zufrieden, was Baumarkt oder Onlineshop so anbieten. Doch das wollten Lucas Uhlmann und Patrick Morris nicht. Der Designer und der Architekt hatten schon einige Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Licht und Beleuchtung gesammelt. Und gemerkt, dass die meisten LED-Leuchtmittel ihren Ansprüchen nicht genügten. Aus dem Wunsch heraus, es besser zu machen, gründeten sie 2020 in Lausanne das Unternehmen iiode.Kein Markt für kleine Start-ups„Die Lichtqualität stand am Anfang“, sagt Lucas Uhlmann. Dabei ging es ihnen vor allem um eine gute Farbwiedergabe und eine möglichst niedrige Flicker-Rate, das Licht soll möglichst wenig flimmern. Damit ihr Produkt viele Menschen erreichen kann, setzten sie auf den E 27-Standard, die klassische Birne mit Schraubgewinde, die in viele Leuchten passt.Was so einfach wie logisch klingt, ist in Wahrheit ein ziemlich wagemutiges Vorhaben: Der Markt für Leuchtmittel wird von einigen wenigen großen Marken beherrscht, und in der Regel werden sowohl die Leuchtmittel als auch die Bestandteile wie Dioden, elektronische Steuerung und Kühlkörper in China hergestellt. Für ein kleines Start-up aus der Schweiz scheint da kein Platz zu sein. Lucas Uhlmann und Patrick Morris versuchen es trotzdem, im Herbst startet der Verkauf ihrer Re 27-Birne.Stattliche 140 Euro wird ein Exemplar kosten. Ein vergleichsweise hoher Preis, für den es Gründe gibt: Statt die Komponenten oder gleich das fertige Produkt in China einzukaufen, haben Uhlmann und Morris über viele Jahre alle Elemente neu entworfen und entwickelt. Zum Beispiel die Linse, die das Licht der Dioden ähnlich wie eine klassische Glühbirne streut: Sie besteht aus recyceltem Polycarbonat und wird in Frankreich produziert. Der Kühlkörper aus geschäumtem Aluminium, das markanteste Element des Produkts, kommt aus Deutschland.Während Leuchtmittel in der Regel verklebt sind und am Ende ihres Lebens als Ganzes in den Müll wandern, lässt sich die Re 27 einfach zerlegen. So kann jedes Teil ausgetauscht werden, die Linse, die Fassung, aber auch die Leiterplatte mit den Dioden und die Steuerungseinheit. Dennoch dürften die meisten Menschen nicht bereits sein, so viel für ein Leuchtmittel auszugeben. iiode sieht seine Kundschaft deshalb in erster Linie bei Designern, Architekten, Leuchtenherstellern und all denjenigen, denen Nachhaltigkeit und gute Lichtqualität besonders wichtig sind. Sie werden die Re 27 über den iiode-Webshop und den Leuchtenfachhandel kaufen können.Alleine in Europa gebe es, so erzählt Uhlmann, mehrere Milliarden Leuchten mit E 27-Fassung. Er ist optimistisch, dass in Zukunft zumindest in einigen von ihnen eine Birne von iiode strahlen wird.