Gerade als David Ellison sein Plädoyer in eigener Sache an prominenter Stelle platziert hatte, kam die schlechte Nachricht für den Chef von Paramount Skydance. Stunden nachdem er einen Essay „Zur Verteidigung des Paramount-Warner-Deals“ in der „New York Times“ veröffentlicht hatte, setzte eine Bundesrichterin den Termin für den Prozess gegen diesen Deal für März 2027 an. Das ist deutlich später, als man bei Paramount gehofft hatte.Zwölf Bundesstaaten und die „Writers Guild of America“ bekämpfen die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery mit einer kartellrechtlichen Klage. „Die eine Person, von der Sie bisher dazu nichts gehört haben, bin ich“, schreibt Ellison in der „Times“. Er habe bislang bewusst geschwiegen. Andere hätten inzwischen jedoch „meine Geschichte für mich geschrieben“, so Ellison, und: „No more“, damit sei jetzt Schluss. Der so im Opferduktus eröffnete Text ist Teil der Kampagne von Vater Larry und Sohn David Ellison, den Deal, der 110 Milliarden Dollar kosten soll, doch noch zu retten.Den Ellisons droht eine teure BlamageDenn der könnte zu einer teuren Blamage werden, nun umso mehr durch die Terminierung des Prozesses. Von Oktober an muss Paramount Skydance sogenannte „ticking fees“ von rund sieben Millionen Dollar am Tag zahlen, solange die Übernahme nicht abgeschlossen ist. Das werden bis zum Prozessbeginn 1,7 Milliarden Dollar sein. Scheitert die Übernahme, droht eine Vertragsstrafe von sieben Milliarden Dollar.In der „New York Times“ preist Ellison die Fusion nun als eine Art Korrektiv auf einem von Giganten dominierten Markt. Letztlich werde Paramount dadurch gar nicht so dominant, wie viele Kritiker sagten. Die Kläger beschrieben „ein Hollywood, das es längst nicht mehr gibt“. Ein gemeinsamer Paramount-Warner-Konzern müsse sich schließlich gegen Netflix, Amazon, Apple und Youtube behaupten und werde dann überhaupt erst angemessen groß sein, um konkurrieren zu können, meint Ellison.Journalismus aus der Mitte?Vor allem will er mit dem Text aber die politische Kritik der letzten Monate kontern. Schließlich geht es nicht allein um Filmproduktionen, sondern um den Einfluss der Ellisons auf das Nachrichtengeschäft. Nach einer Übernahme von Warner würde neben CBS auch CNN zu ihrem Medienkonglomerat gehören. Er glaube, dass es bei diesem Streit „in Wirklichkeit nicht um Marktanteile geht“, schreibt Ellison. Hinter den Vorwürfen der Gegner stecke die Sorge, ob er CNN verantwortungsvoll führen könne. Er hebt zur Klage an: „Es wurde über meine Politik, meine Loyalitäten und meine Absichten spekuliert.“Die „Late Show“ mit Stephen Colbert wurde im Mai zum letzten Mal aus New York bei CBS gesendet.dpaDabei liege es ihm fern, CNN politisch zu beeinflussen. Er habe schließlich selbst „regelmäßig Kandidaten beider Parteien gewählt“, vertrete konservative wie liberale Ansichten und wolle Nachrichtensender nicht politisch ausrichten. CNN und CBS News sollten „geradlinig aus der Mitte heraus berichten“, meint der Manager. Journalisten seien „den Fakten verpflichtet, und keiner Partei oder Sache“.Dabei hatte Ellison CBS nach der Übernahme von Paramount durch Skydance politisch deutlich neu ausgerichtet. Er machte im vergangenen Jahr Bari Weiss zur Chefredakteurin von CBS News und erwarb zugleich ihr Magazin „The Free Press“. Weiss war schon lange eine bekannte konservative Kommentatorin gewesen, argumentierte gegen eine vermeintliche Linksdrift etablierter Journalisten. Unter Weiss erlebt CBS News nach Ansicht vieler Beobachter eine Trump-freundliche Neuorientierung unter dem Etikett der vermeintlichen Ausgewogenheit. Seit ihrer Ernennung berichten Mitarbeiter von vielfältigen Formen redaktioneller Einflussnahme. So ließ Weiss eine Trump-kritische Dokumentation zeitweise zurückhalten.Immer wieder gibt es auch Berichte über enge persönliche Kontakte der Ellisons zu Donald Trump. Das „Wall Street Journal“ etwa recherchierte, dass Larry Ellison dem Präsidenten mit der Aussicht auf politische Änderungen bei CNN den Deal mit Warner habe schmackhaft machen wollen. Und im Frühsommer trennte sich CBS von dem Trump-kritischen Late-Night-Star Stephen Colbert. David Ellisons Lob vermeintlicher „Objektivität“ wird auch von manchen Journalisten bei CNN daher mehr als Chiffre für eine Kurskorrektur im Sinne von Trump verstanden. Ein anonymer Mitarbeiter sagte dem Medien-Newsletter „Status“: „Wir haben alle Augen und Ohren und sehen, was bei CBS passiert. Man kann nicht einfach einen Gastbeitrag schreiben und so tun, als wäre das alles nicht passiert.“