Eine Geige ist zu hören, eine Tuba, dann rumpelt das Schlagzeug los. Viel Energie hat dieses Stück Musik. Und man sieht eine Künstlerin auf dem Trapez. Sie streckt die Arme, die Beine, sie dreht sich in schnellem Tempo. Vorher hat sie dem Publikum noch von ihrer Großmutter erzählt, die 2019 in Kanada gestorben ist. Niemals wollte sie nach Deutschland zurückkehren, in das Land, in dem sie ihre Eltern und ihre Kindheit verloren hat, erinnert sich die Akrobatin. Und stellt dann eine Frage: Was würde ihre Großmutter wohl denken, wenn sie wüsste, dass ihre Enkelin nun ausgerechnet in Deutschland auftritt – und das „in einem jüdischen Zirkus“?Tsirk Dobranotch heißt dieser „jüdische Zirkus“ und bald kann man ihn auch in Frankfurt erleben. Am 22. und 23. August werden die Musiker und Artisten in der Mainmetropole zwei Gastspiele geben. Im Zelt des Jugendkulturprojekts Zirkus Zarakali, Platenstraße 79z, zeigen sie dann ihr Programm „Tshemodan“. Die Auftritte sind Teil der Veranstaltungsreihe „Tage des Exils“, für die die Körber-Stiftung, das Exilarchiv an der Deutschen Nationalbibliothek, das Jüdische Museum und weitere Kulturinitiativen zusammenarbeiten. Um die Themen Fremdheit, Flucht und Ankommen kreist auch das Programm des Tsirk Dobranotch: Das jiddische Wort „Tshemodan“ bedeutet Koffer.Klezmer, jüdischer Humor, AkrobatikKlezmer, Balkanfolklore, jüdischer Humor, Theater und Akrobatik: Bei den Auftritten des Tsirk-Dobranotch-Ensembles kommt Unterschiedliches zusammen – und ergänzt sich hervorragend. Eine melancholisch-verzauberte Atmosphäre entsteht, wenn Musiker, Akrobaten und Pantomime interagieren. Die Klezmerband Dobranotch um den russischen Musiker Mitia Khramtsov gibt es seit den Neunzigerjahren, die Besetzung hat häufig gewechselt. Ihr bekanntestes Stück ist eine Coverversion: Khramtsow und seine Mitstreiter haben eine herrliche schräge Version des Rammstein-Hits „Du hast“ aufgenommen – und singen es auf Jiddisch. Das nimmt dem martialischen Song jede Härte.Am Anfang ihrer Karriere waren die Musiker in Frankreich aktiv, dann zogen sie zurück in ihre russische Heimat, nach Sankt Petersburg. Doch als Putin seinen Krieg gegen die Ukraine begann, hielt sie dort nichts mehr. In einem „Land ohne Freiheit“ wollten die Künstler nicht leben und nicht auftreten. Also packten auch sie ihre Koffer – und brachen nach Deutschland auf. Dort probierten sie bald aus, ob ihre Musik auch zu Zirkusnummern, Klamauk und Akrobatik passen könnte.Ihre Aufführungen dürften Jung und Alt genauso ansprechen. Man sieht dabei klassische Zirkuskunst – und hört zeitgemäß modernisierte Klezmer-Musik. Jeweils um 19.30 Uhr beginnen die Auftritte der Tsirk-Dobranotch-Künstler am 22. und 23. August im Zarakali-Zelt, die Karten dafür können über die Website der Frankfurter Romanfabrik (www.romanfabrik.de) gebucht werden. Darüber hinaus bieten die Artisten im Jüdischen Museum Mitmach-Workshops für Kinder an. Drei Workshops, bei denen man sich zum Beispiel beim Jonglieren ausprobieren kann, laufen am 23. August, sie beginnen um 11, 12 und 13 Uhr. Karten dafür gibt es über die Website des Jüdischen Museums (www.juedischesmuseum.de).