Ob die Vereinigten Staaten wirklich schon fast achtzig Prozent ihrer Bestände des Raketenabwehrsystems THAAD aufgebraucht haben, werden nur wenige Leute im Pentagon wissen. Dass Verteidigungsminister Hegseth einen entsprechenden Medienbericht dementiert, heißt aber nicht, dass die Weltmacht hier noch aus dem Vollen schöpfen könnte. Hegseth selbst hat in einer Senatsanhörung vor einiger Zeit zugegeben, dass die amerikanischen Munitionsvorräte aufgefüllt werden müssen.Ernste taktische ProblemeWie es bei Trump und seinen Männern üblich ist, machen sie dafür vor allem Biden verantwortlich. Ganz falsch ist das nicht, denn die Vorgängerregierung hat einiges an die Ukraine und Israel abgegeben. Aber Trumps eigene Militärschläge, angefangen bei denen gegen die Huthi, machen sich eben auch bemerkbar.Im Irankrieg könnte der Munitionsmangel nun ernste taktische Probleme aufwerfen. Die Amerikaner müssen abwägen, wie lange sie ihre Stützpunkte in der Region und ihre Verbündeten noch ausreichend schützen können. Trumps Suche nach einer raschen Verhandlungslösung mag auch damit zusammenhängen.All das ist auch ein Problem für Europa. In der Ukraine zeigt sich derzeit Nacht für Nacht, welche Folgen der Mangel an Abwehrwaffen gegen ballistische Raketen hat. Aus Trumps Zusage, dass die Ukrainer die begehrten Patriot-Raketen in Lizenz selbst herstellen können, ist bisher nichts geworden.Auch Deutschland verlässt sich in der Flugabwehr weiterhin auf das Patriot-System, obwohl es Jahre dauern könnte, bis allein Amerika seine Arsenale wieder aufgefüllt hat. Auch hier sollte man sich unabhängiger machen, es gibt europäische Alternativen.