Das Timing war nicht geplant, wirkt aber wie bestellt: Am 15. Juli 2026 ging NIWIS an den Start, das neue Niedrigwasser-Informationssystem des Bundes. Ausgerechnet in einem Sommer, in dem Deutschlands Flüsse, allen voran Rhein, Donau und Elbe, ungewöhnlich früh extrem wenig Wasser führen, liefert die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) erstmals ein bundesweit einheitliches digitales Lagebild.In NIWIS laufen Daten von mehr als 350 Messstellen an Oberflächengewässern, rund 200 Grundwassermessstellen und des Deutschen Wetterdienstes zusammen. Interaktive Karten und historische Vergleiche zeigen, wo das Wasser knapp wird.Foto: WirtschaftsWocheAn der kritischen Engstelle bei Kaub nördlich von Bingen soll der Pegel laut Vorhersagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) bis Ende der Woche auf 18 bis 19 Zentimeter fallen. Der bisherige Tiefstwert von 25 Zentimetern wurde im Oktober 2018 gemessen.Auch am wichtigen Umschlagplatz Duisburg-Ruhrort ist der Wasserstand auf einen historischen Tiefststand gefallen. Eine nachhaltige Entspannung ist nach der aktuellen BfG-Prognose zunächst nicht in Sicht.Die Länder sehen den Bund in der PflichtBei der Bonner Beratung soll es um kurz- und langfristige Maßnahmen gehen: um die Priorisierung besonders dringlicher Frachten, zusätzliche Hafenlagerflächen und den Ausbau der Fahrrinnen. „Die außergewöhnliche Niedrigwasserphase auf dem Rhein, aber auch auf vielen weiteren Wasserstraßen, stellt das Binnenschifffahrtsgewerbe und die verladenden Industrieunternehmen vor erhebliche Herausforderungen“, schrieb das Ministerium im Vorfeld des Treffens. Konkreter wurde Bilger bislang nicht.Ein Ministeriumssprecher nannte außerdem die Umrüstung von Güterschiffen für geringere Wassertiefen, die Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen und Logistikbranche sowie eine mögliche Priorisierung dringlicher Transporte. Das lässt wenig Neues erwarten, wenn sich Vertreter von Bund, Ländern, Transport- und Industrieverbänden sowie Fachleute der Gewässerkunde am Donnerstag in Sichtweite des trockengefallenen Bonner Rheinufers versammeln. Umso weniger, als das Treffen gerade einmal eineinhalb Stunden dauern soll.Zumal auch die im Vorfeld durchgesickerten Forderungen der Länder ähnlich allgemein klingen. Sie wollen den Bund zu einem Sofortprogramm gegen die Folgen des Niedrigwassers verpflichten: Eine Taskforce mit Ländern und Wirtschaft soll kurzfristige Engpässe bewältigen, bestehende Niedrigwasser- und Schifffahrtspläne wie der „Aktionsplan Niedrigwasser“ von 2019 sollen aktualisiert werden, der Ausbau kritischer Rhein- und Wasserstraßenprojekte soll beschleunigt und eine Förderung für niedrigwassergeeignete Binnenschiffe aufgelegt werden. „Der Bund, der für die Bundeswasserstraßen zuständig ist“, heißt es aus einem Landesministerium, „muss seiner Verantwortung endlich nachkommen und längst gefasste Beschlüsse auch umsetzen.“
Niedrigwasser im Rhein: Warum der Ausbau nicht vorankommt
Der Rhein trocknet aus, Schiffe fahren mit einem Bruchteil der Ladung, die Industrie improvisiert. Es drohen neue Schäden in Milliardenhöhe. Warum kommt der Ausbau der Fahrrinne kaum voran?












