Die massiven ukrainischen Drohnenangriffe auf Lager- und Logistikzentren von Wildberries bedeuten eine neue Phase des Wirtschaftskrieges gegen Russland. Erstmals steht nicht primär militärische Infrastruktur im Fokus, sondern der größte Online-Marktplatz des Landes. Das Unternehmen ist eine russische Version von Amazon, Zalando und Ebay und gehört für Millionen Russen zum Alltag.

Die Strategie der Ukrainer: Wer die Logistik eines Marktführers trifft, beeinträchtigt Lieferketten und macht die Folgen des Krieges für die russische Bevölkerung unmittelbar spürbar. Gleichzeitig könnte sich Kasachstan als Gewinner dieser Entwicklung erweisen.

Mitte Juli griffen ukrainische Drohnen mehrere Logistikzentren von Wildberries an, darunter die Standorte in Elektrostal und Kotowsk. Es entstanden erhebliche Schäden, zudem kamen bei den Angriffen mehrere Menschen ums Leben. Allein der Wiederaufbau könnte rund 35,8 Milliarden Rubel (ca. 390 Millionen Euro) kosten. Weitaus schwerer wiegen jedoch die langfristigen Folgen für die russische Wirtschaft und die Versorgung der Verbraucher.

Warum wurde Wildberries zum Ziel?

Präsident Wolodymyr Selenskyj begründete die Angriffe damit, dass über Wildberries sanktionierte Komponenten für Drohnen und Navigationssysteme transportiert worden seien. Das Unternehmen weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Wildberries-Gründerin Tatjana Kim bezeichnete die Anschuldigungen als „jeglicher Logik und des gesunden Menschenverstands entbehrend“. Wildberries verkaufe „dieselben Waren wie die großen internationalen Marktplätze“ und sei eine zivile Handelsplattform.