Die Zeit steht still, die Natur ist unberührt, die Touristen benehmen sich und es gibt wenig AfD. Eine Ode an Hiddensee.
A m Ortsanfang hat man Mühe, seinen Augen zu trauen: Das mit Betonsteinen gepflasterte Sträßchen geht nun in einen zehn Meter breiten Sandweg über – nirgendwo Autos, Parkplätze, Bürgersteige und doch die Hauptstraße der Siedlung. Zuerst kommt uns eine junge Frau im Wickelrock entgegengeschlendert, selbstvergessen und barfuß. Dann ein Radfahrer, der einen verbeulten Blechanhänger hinter sich herzieht und einigen Staub aufwirbelt. Es riecht nach den Pferdeäpfeln, die hie und da im Sand liegen. Die aus der Zeit gefallene Dorfstraße findet sich in Kloster, dem schönsten Ort der Ostseeinsel Hiddensee, der zur frühen Stunde noch ganz in sich ruht.
Lauter wird es hier erst gegen Mittag, wenn die Linienschiffe aus Stralsund und Schaprode die Tagesausflügler ausspucken. Von Overtourism kann aber auch dann keine Rede sein – der seit 1991 bestehende Nationalparkstatus erlaubt so gut wie keine Bautätigkeiten. So können sich selbst in der Hauptsaison gerade einmal 3.000 Gäste auf dem schmalen, aber 17 Kilometer langen Eiland einquartieren. Auf vielen Abschnitten des endlos wirkenden Sandstrands liegt man nahezu allein in der Sonne.








