«Wir haben abgelehnt»: Netanyahu stemmt sich gegen Trumps Gaza-PlanIsrael wird sich laut dem Ministerpräsidenten nicht aus dem Gazastreifen zurückziehen, bevor die Hamas all ihre Waffen abgegeben habe. Netanyahu dürfte mit dem Entscheid vor allem auf den Wahlkampf schielen.05.08.2026, 14.08 Uhr3 LeseminutenEr riskiert, den Zorn des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf sich zu ziehen: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu.Kayla Bartkowski / GettyEin selbstsicheres Schmunzeln umspielt die Lippen von Benjamin Netanyahu, als er am Dienstag zu einem kurzen Video-Statement ansetzt, das enorme politische Sprengkraft trägt. «Wir haben den Entwurf abgelehnt», sagt Israels Ministerpräsident über den Plan des Gaza-«Friedensrates», der eine Entwaffnung der Hamas sowie einen teilweisen israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen vorsieht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Netanyahu begibt sich mit dem Schritt auf Kollisionskurs zu Donald Trump. Der amerikanische Präsident hatte vor wenigen Tagen angekündigt, sein selbst eingesetzter «Friedensrat» habe eine Einigung über die vollständige Entwaffnung der Hamas und aller anderen bewaffneten Gruppen in Gaza erzielt. Das sei ein Meilenstein für die Umsetzung seines Friedensplans für Gaza. Dieser hängt nach der Absage Netanyahus jetzt in der Schwebe.Netanyahu ist zu keinen Konzessionen bereitDer ursprüngliche Plan des «Friedensrates» sah vor, dass die Hamas über einen Zeitraum von acht Monaten ihre Waffen abgibt. Israel soll sich dafür bis an die sogenannte «gelbe Linie» zurückziehen. Diese durchtrennt nach der Waffenruhe im Jahr 2025 den Gazastreifen und markiert die Ausdehnung der israelischen Besetzungszone: Mit den Truppen an der «gelben Linie» kontrolliert Israel 53 Prozent der Fläche des Gazastreifens. Netanyahu hatte seine Soldaten allerdings in den vergangenen Monaten vorrücken lassen, so dass sie sogar über 60 Prozent des Territoriums besetzen.Dem israelischen Ministerpräsidenten geht sogar der begrenzte Rückzug auf die ursprüngliche Linie zu weit. Der jüdische Staat werde sich erst von seinen derzeit gehaltenen Stellungen zurückziehen, sobald die Hamas komplett entwaffnet sei, sagte Netanyahu. Zudem bezeichnete er den Plan des Trumpschen «Friedensrates» als einen «Entwurf». Als die USA das Dokument vergangene Woche enthüllten, tönte es allerdings nicht so, als könne über die Übereinkunft noch verhandelt werden.Vertreter des «Friedensrates» reisten am Montag nach Jerusalem, um mit Netanyahu über die Umsetzung des Plans zu diskutieren. Nach dem Treffen hatte das Gremium sich offenbar israelischen Forderungen angeschlossen. «Entgegen unzutreffenden Medienberichten weisen wir darauf hin, dass der Rückzug der israelischen Streitkräfte hinter die ‹gelbe Linie› erst dann erfolgen wird, wenn die Entwaffnung abgeschlossen ist», teilte der «Friedensrat» mit.Zuvor war vonseiten des Rates von einem «vollständigen Abzug» israelischer Truppen die Rede gewesen. Dies deutete darauf hin, dass es zu einigen Rückzügen der israelischen Soldaten jenseits der «gelben Linie» kommen könnte, bevor der gesamte Entwaffnungsprozess abgeschlossen ist. Der Generaldirektor des «Friedensrates» Nickolay Mladenov hatte vergangene Woche noch angekündigt, dass die Entwaffnung gleichzeitig mit dem Abzug vonstattengehen solle.Mit der Nachjustierung der Bedingungen ist die Zustimmung der Hamas zu dem Dokument fraglich. Die palästinensische Terrorgruppe hatte den ursprünglichen Plan akzeptiert. Jetzt ist unklar, ob sie auch bei den neuen, für sie härteren Bedingungen mitspielt.Trump warnt, Netanyahu kämpftDer amerikanische Präsident hatte die israelische Blockade wohl schon vorausgesehen. Vergangene Woche sagte ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter zu Journalisten, Trump werde «sehr enttäuscht» sein, falls Israel die Umsetzung seines Vorhabens verhindere.Netanyahu riskiert, den wichtigsten israelischen Verbündeten zu verärgern. Der Grund dafür: In zweieinhalb Monaten wird in Israel ein neues Parlament gewählt – und der Ministerpräsident ist schon jetzt im Wahlkampfmodus.Laut den neusten Umfragen liegt Netanyahus Likud-Partei gleichauf mit der neuen Partei des aussichtsreichsten Herausforderers Gadi Eisenkot. Weder die Opposition noch die Regierungskoalition können derzeit mit einer komfortablen Parlamentsmehrheit rechnen. Sollte Netanyahu allerdings auch nur den Anschein erwecken, vor der ersten Wahl seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 Zugeständnisse an die Hamas zu machen, dürfte ihm eine Niederlage sicher sein.Passend zum Artikel
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Israel wird sich laut dem Ministerpräsidenten nicht aus dem Gazastreifen zurückziehen, bevor die Hamas all ihre Waffen abgegeben habe. Netanyahu dürfte mit dem Entscheid vor allem auf den Wahlkampf schielen.














