In Katharina Zweigs Postfach landen regelmäßig E-Mails mit großen Anhängen: hunderte Seiten dicke Pamphlete mit Diagrammen und Tabellen. Die Autoren – meist Männer – schreiben ihr, sie hätten endlich ein Problem gelöst, das die Informatik seit Jahrzehnten umtreibt, eines der großen offenen Probleme, an denen sich Forscherinnen wie Zweig die Zähne ausbeißen. Die Professorin solle ihre Arbeit bitte prüfen. „Wenn man das anschaut, sieht man schnell, dass zum Beispiel Achsenbeschriftungen von Diagrammen fehlen“, sagt die Informatikerin, die das Algorithm Accountability Lab an der Uni Kaiserslautern leitet und seit Jahren zu Sprachmodellen und ihren gesellschaftlichen Wirkungen forscht. Diese Dokumente seien also eindeutig KI-generiert. Aber die Autoren der E-Mails seien trotzdem überzeugt, etwas Großes herausgefunden zu haben. Weil ihnen ein Chatbot das eingeredet hat.

Dieser Text erscheint in der Ausgabe 6/2026 von MIT Technology Review. Darin beschäftigen wir uns mit der Schnittstelle, die immer mehr Macht in unserem Leben bekommen zu scheint: das Chatfenster. Wie uns das prägt, erfahrt ihr im neuen Heft, das ab 7. August im Zeitschriftenhandel erhältlich und ab 6. August schon im Online-Shop bestellbar ist.