FIFA-Boss Gianni Infantino hat Medienberichten zufolge für diesen Mittwoch zu einer Krisensitzung des Weltverbandes nach Marokko geladen. Die Zeitung „The Times“ sowie der englische Sender Sky meldeten, dass der heftig in der Kritik stehende Weltverbandschef wichtige Mitarbeiter zu einem Treffen in die Hauptstadt Rabat beorderte. Den Meldungen zufolge sei allerdings unklar, was der Schweizer dann genau besprechen wolle.Infantino hatte zuletzt für eine Welle der Empörung in der Fußball-Welt gesorgt, als Pläne zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren bekannt wurden. Der FIFA-Präsident lenkte zwar ein und verwarf die Idee — dennoch aber formiert sich vor allem in Europa heftiger Widerstand gegen ihn. Möglicherweise bedeutet die aktuelle Krise das Ende von Infantinos FIFA-Präsidentschaft.Top-Funktionär wirft FIFA Erpressung vorZudem sieht Infantino sich nun auch Erpressungsvorwürfen ausgesetzt: Der Chef des jordanischen Fußball-Verbandes, Prinz Ali bin al-Hussein, behauptet, dass seinen Auswahlspielern in den vergangenen Monaten von der FIFA Gelder vorenthalten worden seien. „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, schrieb al-Hussein dazu auf der Plattform X.„Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun“, stellte der Prinz klar und ergänzte: „Aber die gesamte Situation läuft auf Erpressung hinaus und wir weigern uns, das zuzulassen.“ Der Weltverband war von dpa für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen angefragt.Wichtige Vertraute wenden sich abIn den vergangenen Tagen hatten selbst enge Mitarbeiter Infantinos Kritik an ihrem Chef geübt. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström beklagte eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ sowie einen „Aufruhr“. Ex-Coach Arsène Wenger, bei der FIFA der Direktor für die globale Fußball-Entwicklung, ging auf Distanz zu Infantino. Dessen enger Vertrauter und Berater Carlos Cordeiro war schon in der vorigen Woche aus Protest zurückgetreten.In Rabat ist der regionale Hauptsitz der FIFA für Afrika; 2027 stehen dort der 77. FIFA-Kongress sowie die nächsten Präsidentenwahlen an. In der Hauptstadt des WM-Co-Gastgebers von 2030 war Infantino in der vorigen Woche als Gast von König Mohammed VI. öffentlich aufgetreten.WM-Städte warten offenbar auf zugesagte MillionenDas Portal The Athletic berichtete außerdem, mehrere US-Städte, die WM-Spiele ausgerichtet haben, warteten noch auf zugesagte Zahlungen der FIFA. Demnach haben vier Vertreter von WM-Gastgeberstädten dem Medium gegenüber anonym erklärt, die FIFA habe ihnen jeweils eine Million Dollar an sogenannten „Legacy“-Geldern versprochen.Diese sollten für den Bau fußballbezogener Infrastruktur sowie zur Unterstützung sozialer Projekte verwendet werden. Laut The Athletic forderten die städtischen Verantwortlichen die Zahlungen ein, nachdem FIFA-Präsident Infantino entsprechende Zuwendungen für die Gastgeberstädte der Klub-WM 2025 in den USA angekündigt hatte.„Die vier Vertreter gaben an, dieses Versprechen sei mündlich von Mitgliedern der FIFA-Spitzenführung gemacht und den Städten in Besprechungen erneut bestätigt worden; eine Auszahlung sei jedoch bislang nicht erfolgt, weshalb sich nun mehrere Städte bei FIFA-Mitarbeitern nach dem Status der Zahlungen erkundigen“, so der Sport-Ableger der New York Times.Zu den US-Gastgeberstädten der Weltmeisterschaft gehörten Seattle, San Francisco, Los Angeles, Dallas, Kansas City, Atlanta, Philadelphia, Miami, Boston sowie New York/New Jersey. Das 39-tägige Turnier im Juni und Juli, bei dem erstmals 48 Mannschaften antraten, trug zu Rekordeinnahmen der FIFA bei, die sich im Finanzzyklus 2023 bis 2026 Medien zufolge auf 15 Milliarden Dollar belaufen sollen.