Die erste Schweizerin im Maillot jaune: Marlen Reusser gewinnt das Zeitfahren der Tour de FranceDie Bernerin wird am vierten Renntag ihrer Favoritenrolle gerecht – doch beinahe hätte der Wind den Triumph verhindert.04.08.2026, 18.15 Uhr3 LeseminutenDie Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser überzeugt auch an der Tour de France.isslerimages / ImagoEs rüttelt, die Zeitfahr-Maschine schlenkert. Marlen Reussers dritter Etappensieg an einer Tour de France und auch die Führung im Gesamtklassement stehen auf einmal auf der Kippe. In der Abfahrt nach Dijon, ins Ziel des vierten Teilstücks der Tour, erreichen die Fahrerinnen Tempi von über 70 Kilometer. Ausgerechnet auf dieser Passage weht ein heftiger Wind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Reusser wirkt plötzlich unsicher auf ihrem Arbeitsgerät, vermeidet das Risiko, so gut es geht. Mehrfach wechselt sie von der Aeroposition zu einer stabileren Fahrweise. Bloss nicht stürzen, denn das grosse Ziel ist für einmal nicht der Etappensieg in diesem Zeitfahren.Reusser, 34 Jahre alt, hat im Hinblick auf ihre dritte Tour de France erstmals den Gesamtsieg als Ziel ausgegeben. Im vergangenen Jahr musste sie die Tour de France wegen einer Erkrankung aufgeben, zuvor waren an der Frankreich-Rundfahrt von ihr vor allem Helferinnen-Dienste für die ehemalige Teamkollegin und Tour-Siegerin von 2023, Demi Vollering, gefragt. 2024 fehlte sie an der wichtigsten Rundfahrt des Jahres wegen einer Long-Covid-Erkrankung, von der sie sich mit viel Aufwand zurückkämpfte.Und auch der Auftakt zur laufenden Tour verlief nicht ohne Probleme, Reusser stürzte bereits auf der Startetappe. In Dijon, in der schwierigen Abfahrt, hält Reusser sich zwar schadlos. Ihr Vorsprung schmilzt aber, Vollering holt auf, doch kommt mit 18 Sekunden Rückstand ins Ziel. Für Reusser bedeutet das ein erwartungsgemässer Triumph. Sie übernimmt dadurch erstmals das Maillot jaune – als erste Schweizerin überhaupt. «Es war kein perfektes Rennen. Ich hatte Probleme mit dem Velo und dem Wind», sagte Reusser.Die Fahrerinnen müssen vor dem Start zur Kleider-KontrolleFür Zündstoff sorgte vor dem Zeitfahren ein Artikel im niederländischen Radsport-Portal «Wieler Flits». Es berichtete über die Vermutung mehrerer Teams, dass sich einige Fahrerinnen mit speziellen Einlagen im Sport-BH einen aerodynamischen Vorteil verschaffen würden und dadurch auf dem 21 Kilometer langen und flachen Parcours einige Sekunden gewinnen würden. Bilder würden belegen, dass einige Athletinnen während des Giro d’Italia und des Olympia-Rennens 2024 in Paris entsprechende Einlagen getragen hätten.Ein Aerodynamik-Professor rechnete vor, dass der Effekt auf der Zeitfahr-Strecke der Tour de France von Gevrey-Chambertin nach Dijon bis zu 17 Sekunden betragen könnte. Der internationale Radsportverband UCI reagierte darauf mit eiligst anberaumten Kontrollen. Alle Fahrerinnen mussten sich zehn Minuten vor ihrem Start in ein Zelt begeben und dort ihre Kleidung überprüfen lassen.Reusser brachte das nicht aus dem Konzept. Um den Traum vom ersten Sieg bei einer Grand Tour zu verwirklichen, hat sie sich in den letzten Jahren von der Zeitfahr-Spezialistin zur Allrounderin entwickelt. Geholfen hat bei diesem Perspektivenwechsel auch, dass sie im vergangenen Jahr in Rwanda erstmals Weltmeisterin im Einzelzeitfahren wurde und die Disziplin an Reiz verloren hat. Reusser konnte es sich deshalb leisten, den Fokus weg von ihrer Paradedisziplin zu verschieben.Die Vorjahressiegerin verliert über zwei Minuten auf ReusserDas heisst jedoch nicht, dass sie im Peloton nicht weiter als stärkste Fahrerin gegen die Uhr gilt. Diese Qualität stellte sie auf der vierten Etappe dieser Tour de France auf eindrückliche Weise unter Beweis. Die Vorjahressiegerin der Tour de France, Pauline Ferrand-Prevot, verlor mehr als zwei Minuten auf Reusser.Für die Schweizerin ist dies ein willkommenes Polster für die kommenden Etappen. Am nächsten Freitag führt der Parcours der Tour zum Beispiel auf den gefürchteten Mont Ventoux, am kommenden Sonntag steht zum Abschluss der Rundfahrt eine schwierige Bergetappe rund um Nizza auf dem Programm. Erste Verfolgerin Reussers im Kampf um den Gesamtsieg ist Vollering mit 14 Sekunden Rückstand.Dank der Leistung im Zeitfahren wird Reusser diese zweite Hälfte der Tour de France aus einer Position der Stärke in Angriff nehmen können. Vielleicht sorgt sie auch in den Bergen für Aufsehen. Ihr Trainer und Partner betont stets, dass sie in den Bergen Wattwerte treten kann, die er «bei wenigen anderen Fahrerinnen» gesehen habe.Passend zum Artikel
Tour de France: Marlen Reusser gewinnt das Zeitfahren
Die Bernerin wird am vierten Renntag ihrer Favoritenrolle gerecht – doch beinahe hätte der Wind den Triumph verhindert.












