Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas bei einem Termin in Berlin. Foto: IMAGO/Bernd ElmenthalerBärbel Bas ist Bundesarbeitsministerin. Doch ausgerechnet dort, wo gerade die Arbeitsplätze verschwinden, lässt sie sich kaum blicken: in Deutschlands Industrieunternehmen.Vier Firmen hat die Ministerin seit ihrer Vereidigung am 6. Mai 2025 besucht: den Aqua-Campus der Berliner Wasserbetriebe, das Ausbildungszentrum der ABB AG, eine Fachkräftewerkstatt von Rolls-Royce, einen Gerätetechniker in Schwedt – mehr Termine sind zumindest in der Liste des Bundespresseamts nicht zu finden, das alle öffentlichen Auftritte von Kanzler und Kabinettsmitgliedern dokumentiert.Vier Unternehmensbesuche in 15 Monaten Amtszeit? Und das, während Deutschlands Industrie jeden Monat 15.000 Arbeitsplätze verliert? Müsste die Arbeitsministerin in einer solchen Lage nicht viel häufiger mit Beschäftigten und Managern vor Ort sprechen?Bas sieht das offensichtlich anders. Das allein wäre schon fatal genug – doch noch eklatanter ist ein anderer Mangel.Denn Deutschlands Autobauer stecken in ihrer bisher größten Krise. Trotzdem lässt sich die Arbeits- und Sozialministerin in den Werken nicht blicken. Besuche bei Volkswagen, Mercedes, Audi oder BMW? Fehlanzeige. Dabei ist Bas nicht nur die Arbeits- und Sozialministerin, sondern auch SPD-Co-Vorsitzende. Ausgerechnet.Arbeitsmarkt 200.000 Jobs weniger pro Jahr, aber nicht durch Entlassungen Immer mehr Industrieunternehmen kündigen Entlassungen an. Der wahre Arbeitsplatzverlust aber findet im Hintergrund statt. von Henrike AdamsenDie Krise erreicht die Chefetagen100.000 Stellen bei VW, 8000 bei BMW, 5000 weitere Stellen bis 2035 bei Porsche. Das sind nur die jüngsten Ankündigungen aus den vergangenen Wochen. Bis zu 726.000 Jobs könnten in Deutschlands Automobilbranche bis 2040 wegfallen, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall.Schon 2025 arbeiteten in Deutschland 50.000 Menschen weniger in der Autoindustrie als im Vorjahr. Ein Minus von 6,3 Prozent. Deutschlands Schlüsselindustrie beschäftigt damit so wenige Menschen wie zuletzt 2011. Tendenz: rasant schrumpfend – und durch alle Ebenen hinweg.Wie dramatisch die Lage inzwischen ist, zeigt selbst der Managermarkt. Allein Volkswagen suche gerade neue Positionen für 400 bis 500 Führungskräfte. „Ich habe ihnen gesagt: Das können wir nicht leisten“, zitiert die „Financial Times“ am Wochenende den Personalberater eines externen Dienstleisters, der demnach mit der Suche beauftragt werden sollte: „Wir haben schlicht keine 400 Führungspositionen zu besetzen.“Volkswagen Der Kampf zwischen den VW-Marken hat begonnen Der VW-Vorstand hat ein massives Sparprogramm vorgelegt, um die Existenz des Autobauers zu sichern. Nun bricht unter den Marken und im Konzern ein Machtkampf aus. von Philip Kaleta, Martin Seiwert, Annina Reimann und weiterenMagnus Tessner, Automotive-Partner bei der Personalberatung IFP, bestätigt den Trend. Hersteller wie Mercedes-Benz und Volkswagen „bauen Manager ab wie verrückt“, sagte er der Zeitung.Eigene Versäumnisse? Bas warnt vor lieber vor einem „neoliberalen Kurs“In den Werken wachsen die Sorgen so schnell, wie die Produktionen schrumpfen. In Emden oder Rastatt hängt der Wohlstand ganzer Städte an der Autoindustrie. Doch sich die Sorgen vor Ort anzuhören, hat für Bas offensichtlich keine Priorität. Sonst hätte sich in eineinhalb Jahren Regierungszeit wohl ein Termin gefunden.Das Ministerium erklärt, die Termine der Ministerin „nicht nach einer festen Zahl von Unternehmensbesuchen oder Branchenquoten zu planen“, sondern „nach fachpolitischen Themen und konkreten Gesprächsanlässen“. Aber mit Verlaub, sind Rekord-Stellenstreichungen und Warnungen davor, dass „mindestens ein großer deutscher Autohersteller verkauft oder zerschlagen“ wird, nicht Anlass genug?Das Ministerium verweist darauf, dass sich Bas regelmäßig mit Gewerkschaften wie Arbeitgebern austausche. Im November 2025 habe sie etwa VDA-Präsidentin Hildegard Müller und VW-Personalvorstand Arne Meiswinkel getroffen, im Frühjahr sei der neue Bosch-Chef Stefan Grosch zu Gast im Ministerium gewesen.Doch solche Gespräche im Konferenzsaal oder Ministerinnenbüro können den Besuch im Werk freilich nicht ersetzen. Rosiger wird die Lage vom Wegbleiben ganz sicher nicht. Im Gegenteil.
Autoindustrie in der Krise: Ein fatales Signal von Bärbel Bas
VW, Mercedes, Audi: Deutschlands Autoindustrie streicht Jobs im Rekordtempo. Trotzdem hat die SPD-Arbeitsministerin bislang keine einzige Autofabrik besucht. Das ist nicht nachvollziehbar. Ein Kommentar.






