Kerosin ist für Swiss und Lufthansa teuer geworden – viel geflogen wird trotzdemDie Swiss hat im ersten Halbjahr trotz widrigem Umfeld einen soliden Gewinn erwirtschaftet. Um die Lufthansa-Gruppe vor einem Verlust zu bewahren, reicht das aber nicht aus.04.08.2026, 13.08 Uhr4 LeseminutenSwiss und Lufthansa, hier jeweils mit einem Airbus 320, rücken immer näher aneinander.ImagoDer Iran-Krieg hat die Fluggesellschaften im zweiten Quartal 2026 vor ausserordentlich grosse Herausforderungen gestellt. Vor allem Kerosin ist deutlich teurer geworden. In den Monaten April bis Juni stiegen ihre Kosten für Treibstoffe um rund 50 Prozent, wie die Swiss am Dienstag mitteilte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Reiselust der Menschen tut dies allerdings keinen Abbruch, geflogen wird weiter, und zwar kräftig. Bei der Lufthansa-Gruppe und ihrer Tochter Swiss waren nicht nur die Ferienflüge, sondern insbesondere auch die Premiumangebote weiter gefragt.Die Swiss erzielte in diesem Umfeld im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis (adjusted Ebit) von 189,3 Millionen Franken. 8,5 Millionen Passagiere wurden befördert; das sind 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.Hohe Kerosinpreise schlagen auf den GewinnWeniger gut sieht es bei der Muttergesellschaft aus. Die Lufthansa Group profitierte zwar ebenfalls von einer starken Nachfrage nach Flugreisen. Insgesamt entstanden der Gruppe jedoch durch die gestiegenen Treibstoffpreise allein im zweiten Quartal Mehrkosten von rund 750 Millionen Franken. Der operative Gewinn sank dadurch auf 383 Millionen Euro. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 56 Prozent.Für das erste Halbjahr ergab sich damit auf Gruppenebene ein operatives Minus von 229 Millionen Euro. Insgesamt resultierte ein Verlust von 542 Millionen Euro.Damit setzt sich ein Trend fort, der sich bereits seit längerem zeigt: Die Swiss ist und bleibt die «Cash-Cow» der Gruppe, das Zugpferd. Im zweiten Quartal hat sie mit einem operativen Gewinn von knapp 160 Millionen Franken zwar knapp die Hälfte des operativen Gewinns der gesamten Gruppe eingefahren. Das ist fast die Hälfte des gesamten Quartalsgewinns. Für das Halbjahr konnte sie aber ein Abgleiten der Gruppe in die Verlustzone nicht mehr auffangen.Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa, erklärte, dass das zweite Quartal von Krisen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt gewesen sei. Man habe zwar die Auslastung verbessert und die Durchschnittserlöse gesteigert. Die deutlich gestiegenen Treibstoffkosten konnten damit aber nicht abgefangen werden.Gegensteuern will die Lufthansa-Gruppe nun mit Kostendisziplin und Netzwerkoptimierungen. Für das Gesamtjahr erwartet sie einen operativen Gewinn zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro.Wegen des Iran-Kriegs wichen Passagiere kurzfristig auf die Swiss ausBei der Swiss wies der Finanzchef Dennis Weber darauf hin, dass die Treibstoffkosten trotz bestehenden Absicherungen das Ergebnis belastet hätten. Hinzu kamen hohe Wartungskosten für die Flugzeuge. Gerade bei Teilen der Kurzstreckenflotte der Swiss mussten Triebwerkprobleme behoben werden. Ein Sondereffekt des Iran-Kriegs war nur von kurzer Dauer: Einzelne Golf-Fluggesellschaften hatten ihr Angebot zu Beginn des zweiten Quartals reduziert. Reisende wichen deshalb auf andere Verbindungen aus.Kurzfristig entstand dadurch auch für die Swiss mehr Nachfrage, vor allem auf den Strecken nach Asien. Inzwischen haben die Golf-Fluggesellschaften ihre Kapazitäten aber wieder hochgefahren, so dass dieser Effekt im Verlauf des Quartals wieder abnahm.Mit Blick auf das Gesamtjahr bleibt die Lage anspruchsvoll. Es gibt viel Unsicherheit darüber, wie sich die Treibstoffkosten entwickeln. Nicht zuletzt weil die Welt unsicher bleibt, buchen die Menschen ihre Reisen weiterhin sehr kurzfristig. Für die Fluggesellschaften bedeutet das viel Volatilität, Unvorhersehbarkeit und flexible Planung.Kürzere Leine für die Swiss könnte ihre Gewinne schmälernFür den Aviatik-Experten Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen sind die grossen Unterschiede innerhalb der Gruppe keine Überraschung. «Die Swiss ist die einzige Passagier-Airline in der Gruppe, die gute Margen verdient und eine schwierige Zeit überbrücken kann».Damit die Lufthansa ihren prognostizierten Jahresgewinn von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro erreicht, muss das zweite Halbjahr trotz der enormen geopolitischen Unsicherheiten geschäftlich extrem erfolgreich verlaufen. Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen hält die Gewinnprognose daher für «sehr ambitioniert».Gerade deshalb findet es Wittmer problematisch, dass der Lufthansa-Konzern künftig noch stärker auf sogenannte Netzwerk-Optimierungen setzen will. Gemeint ist damit, dass die Maschinen unter anderem über Zubringerflüge effizienter eingesetzt werden. «Mit der Optimierung des Netzwerkes kann man zwar Kosten sparen.» Die geringeren Freiheiten für die Swiss könnten langfristig aber zu tieferen Gewinnen führen, sagt er.Wenn es beispielsweise zwecks Netzwerk-Optimierung zu gewissen Destinationen keine Direktflüge mehr aus Zürich gibt und die Kunden in Frankfurt oder München umsteigen müssen, könnte ihre Loyalität aufweichen und die Zahlungsbereitschaft sinken. Sie könnten dann verstärkt das Angebot der Lufthansa-Gruppe mit anderen Fluggesellschaften wie beispielsweise der Air France oder asiatischen oder amerikanischen Fluggesellschaften vergleichen, bei denen sie ebenfalls umsteigen müssen. «Die Swiss könnte so Schweizer Kunden an die Konkurrenz verlieren und damit Umsatzeinbussen erleiden», sagt Wittmer.An der Medienkonferenz versicherte Finanzchef Dennis Weber allerdings auf Nachfrage, dass Swiss zwar auf der Kurzstrecke schaue, ob man sich an Flughäfen wie Stuttgart oder Mailand Malpensa gegenseitig auf die Füsse trete. Hingegen habe man keine Pläne, das Streckennetz bei Langstreckenflügen zu verändern. «Wir sind sehr happy damit.»Doch auch wenn die Swiss «happy» ist, könnte es im Prinzip Druck aus Frankfurt geben, etwa um die Hubs in Frankfurt oder München besser auszulasten. «Unser Ergebnis spricht eine klare Sprache», kommentierte Weber dazu. «Also hat auch die die Lufthansa keine anderen Pläne.»Passend zum Artikel
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Die Swiss hat im ersten Halbjahr trotz widrigem Umfeld einen soliden Gewinn erwirtschaftet. Um die Lufthansa-Gruppe vor einem Verlust zu bewahren, reicht das aber nicht aus.











