PfadnavigationHomeSportFußballWMFall InfantinoDas brisante sechsseitige Anwaltsschreiben der Uefa an die Fifa-FunktionäreStand: 12:50 UhrLesedauer: 3 MinutenNach dem gescheiterten Investorenplan verliert Fifa-Präsident Gianni Infantino Rückhalt in Europa. England und Wales wenden sich ab. Ein Bericht über angebliche Hilfe aus Washington bleibt unbestätigt.Der krachend gescheiterte Infantino-Plan zum Ausverkauf der WM hat ein juristisches Nachspiel. In einem sechsseitigen Schreiben einer Anwaltskanzlei werden der Fifa-Boss und andere Funktionäre dazu aufgefordert, sämtliche Informationen rund um den Deal aufzubahren.Der offenbar im stillen Kämmerlein ausgebrütete Plan wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch ein juristisches Nachspiel haben. Der Fifa-Clan um Präsident Gianni Infantino jedenfalls bekam am vergangenen Freitag ein Schreiben, das es in sich hat. Darin werden Infantino und andere hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbandes aufgefordert, alle Informationen rund um den geplanten Investorendeal um einen Teilverkauf der Weltmeisterschaft aufzubewahren. Absender: die multinationale amerikanische Anwaltskanzlei Dechert LLP.Das Unternehmen, das mehr als 900 Juristen weltweit beschäftigt, spricht darin im Auftrag der Europäischen Fußball-Union Uefa eine massive Klageandrohung aus. Laut der „Süddeutschen Zeitung“, die aus dem Schreiben zitiert, komme nun zur sportpolitischen Schlacht auch eine juristische. „Auf sechs Seiten legt die renommierte Kanzlei dar, welchen Aufbewahrungspflichten Infantino und die Mitarbeiter in den diversen Weltverbandsquartieren von Zürich über Miami bis New York unterliegen. Die Botschaft ist überdeutlich: Keine Bewegung mehr Richtung Aktenschrank, keine Computerdatei antasten, wir wollen alles anschauen können“, heißt es.Insbesondere die FFE – das von Infantino geplante Tochterunternehmen des Weltverbands mit dem Namen Fifa Forward Enterprise – rückt dabei in den Fokus. Infantino wollte Anteile an den Premiumprodukten des Weltverbands an private Investoren verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war.In dem Anwaltsschreiben vom vergangenen Freitag teilte Dechert Infantino namens und im Auftrag der Uefa mit, dass diese ‚aktiv rechtliche Schritte, Schiedsverfahren und/oder Beschwerden bei Aufsichtsbehörden in Erwägung zieht, die sich aus dem von der Fifa vorgeschlagenen FFE-Plan und allen damit zusammenhängenden Angelegenheiten‘ ergäben. Und dann werde der Fifa-Boss explizit davor gewarnt, jegliches Material zu seinem gerade gescheiterten Investment-Vorhaben mit den Fifa-Rechten zu zerstören: „Da mit einem Verfahren zu rechnen ist, sind Sie verpflichtet, alle relevanten Unterlagen mit sofortiger Wirkung aufzubewahren.‘‘Die Anwälte fordern, die gesamte interne und externe Kommunikation sicherstellen, „inklusive E-Mail, Sofortnachrichten (WhatsApp, Signal, Teams, Slack oder jede andere Plattform), SMS, schriftlicher Korrespondenz und Sitzungsprotokolle“.Widerstand wächstMit dem Vorgehen weitet die Uefa den Widerstand gegen den schlecht beleumundeten Fifa-Präsidenten aus. Das Ziel ist klar: Infantino soll aus seinem mächtigen Amt verschwinden und seine für den März 2027 geplante Wiederwahl scheitern. Lesen Sie auchAls erster Nationalverband entzog Wales öffentlich seine Unterstützung für die vom Fifa-Boss beabsichtigte Wiederwahl. Andere wie Serbien und Schweden folgten, denn zu groß ist der Skandal um Infantino und seine Allmachtsfantasien. „Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen“, zitierte Sky News in England den walisischen Fußball-Verband FAW.Derweil versucht Infantino, seinen ramponierten Ruf aufzupolieren. Der Weltverband wies am Dienstag Berichte über Anrufe von Infantino bei Donald Trump und dessen Kabinett zurück. „Der Fifa-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den Präsidenten der Vereinigten Staaten noch ein Mitglied seiner Regierung angerufen. Das ist frei erfunden“, schrieb die Medienabteilung der Fifa im Kurznachrichtendienst X und bezog sich dabei auf einen Bericht der englischen „Times“. Die britische Tageszeitung hatte geschrieben, dass Infantino nach dem Scheitern seiner Investorenpläne und der wachsenden Kritik an seiner Amtsführung angeblich Hilfe bei Trump gesucht habe.jb mit dpa
Fall Infantino: Das brisante sechsseitige Anwaltsschreiben der Uefa an die Fifa-Funktionäre - WELT
Der krachend gescheiterte Infantino-Plan zum Ausverkauf der WM hat ein juristisches Nachspiel. In einem sechsseitigen Schreiben einer Anwaltskanzlei werden der Fifa-Boss und andere Funktionäre dazu aufgefordert, sämtliche Informationen rund um den Deal aufzubahren.














