Da treten Füße in Kitten Heels emsig in die Pedale, dort glitzert ein Paillettenrock auf dem Fahrradsattel, an der nächsten Ecke: Ein Mann im Anzug mit einem Lastenrad, in dessen Holzkiste seine erwachsene Begleitung kauert. Über allem liegt eine erstaunliche Stille: Kein Hupen, kein Schimpfen, nur das beinahe meditative Rattern der Reifen.Die Fahrradstadt Kopenhagen funktioniert so selbstverständlich und stilvoll, dass sie fast unwirklich wirkt. Das Rad ist hier Fortbewegungsmittel Nummer eins. In den Öffis sieht man kaum Einheimische. Wozu auch, wenn das Fahrrad schneller, günstiger und geselliger ist?
Handtasche in den Korb, Heels an, rauf aufs Rad: Kopenhagener Streetstyle funktioniert auch ohne unästhetische Fahrradtaschen.
© Copenhagen Fashion Week
Lässigkeit statt Helmfrisur: Die dänische Lösung
Der Kontrast zu Deutschland könnte kaum größer sein. Hierzulande wird kaum ein Kleinkrieg so enthusiastisch geführt wie jener zwischen den Fahrradfahrern und der Automobilfraktion. Jene Vollblut-Spezies Radler, die das Fahrrad regelmäßig nutzt, erkennt man in deutschen Städten sofort an klobigen Radtaschen, sportlicher Funktionskleidung oder alternativ an den Hosenklammern, mit denen die Jeans am Knöchel fixiert wird.Dem stehen die bequemen Fahrrad-Vermeider gegenüber. Die Angst vor der „Helmfrisur“ oder einem Rucksack, der das Outfit zerstört, dient als bequeme Ausrede, das Rad gleich ganz stehenzulassen. Kopenhagen beweist, dass Stil und Sattel zusammenpassen: Mit Rucksäcken sieht man hier kaum jemanden, und von unästhetischen Fahrradtaschen ganz zu schweigen. Stattdessen setzt man auf elegante Umhängetaschen oder klassische Fahrradkörbe.Doch jene Details sind nur die Oberfläche. Der eigentliche Unterschied liegt tiefer – im Bekenntnis einer ganzen Stadt.






