Die Staatsanwaltschaft München I hat ihr Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen die Soko Tierschutz knapp vier Wochen nach ihrem Bekanntwerden eingestellt. Das hat eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag erklärt. Nähere Angaben zu den Gründen, warum die Vorwürfe nicht weiter verfolgt werden, machte sie nicht. Außerdem hat das Finanzamt München dem Verein nach Worten von Soko-Tierschutz-Chef Friedrich Mülln erst kürzlich für die Jahre 2023 bis 2025 die Gemeinnützigkeit ausdrücklich bestätigt.Mülln, der sämtliche Vorwürfe gegen seine Person und zwei weitere Soko-Tierschutz-Vorstandsmitglieder von Anbeginn an vehement bestritten hatte, reagierte mit Genugtuung auf die Einstellung der Ermittlungen. Die Anzeige nannte er „eine niederträchtige Schmutzkampagne“, deren Ziel es gewesen sei, „Menschen die unter großen persönlichen Gefahren seit Jahrzehnten unfassbare Tierquälereien in Bayern aufdecken, durch frei erfundene Vorwürfe großen Schaden zuzufügen“. Dieser Versuch sei nun „kläglich gescheitert“.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Der Bayerische Bauernverband (BBV), der die Anzeige im Frühjahr 2026 erstattet hatte, äußerte sich nicht. Man könne im Moment „nicht wirklich etwas dazu sagen, da uns keinerlei offizielle Info und damit auch kein neuer Sachstand vorliegt“, erklärte ein Sprecher. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Finanzverwaltung hätten dem BBV bis dato etwas mitgeteilt. In der Anzeige selbst ging es Medienberichten zufolge um den Kauf eines Wohn- und Geschäftshauses der Soko Tierschutz in Oberbayern und die Nutzung der Immobilie. BBV-Generalsekretär Carl von Butler hatte auf Nachfragen einzig erklärt, dass es „konkret um die Frage geht, ob Spendengelder des gemeinnützigen Vereins ordnungsgemäß verwendet werden.“Die Soko Tierschutz ist beim BBV und vielen Landwirten sehr umstritten. Das hat mit ihrer Arbeitsweise zu tun. Sie betreibt verdeckte Recherchen nach den Prinzipien des Journalisten und Autors Günter Wallraff, der mit seinen investigativen Reportagen bekannt geworden ist. Wie Wallraff schleusen Mülln und seine Kollegen unerkannt Mitarbeiter auf Bauernhöfen ein, bei denen sie Hinweise auf tierquälerische Praktiken haben. Später veröffentlichen sie Bilder von den Betrieben und zeigen die Landwirte und deren Mitarbeiter an.Auf diese Weise haben Mülln und die Soko Tierschutz in den vergangenen Jahren eine Reihe Tierschutz-Skandale in der Nutztierhaltung aufgedeckt. Einer der spektakulärsten dürften die Tierquälereien auf dem wohl größten Milchviehbetrieb im Freistaat im schwäbischen Bad Grönenbach sein. Auf ihm war die Soko Tierschutz zweimal zugange, einmal 2019, das andere Mal 2024. Beide Male dokumentierte sie, wie Rinder getreten, mit Elektroschockern traktiert oder, wenn sie zu schwach waren zum Aufstehen, mit Traktoren durch den Stall geschleift wurden. Wegen der Vorwürfe von 2019 läuft derzeit der Prozess vor dem Landgericht Memmingen.
Bayern: Ermittlungen wegen Untreue-Verdachts gegen Soko Tierschutz eingestellt
Die Staatsanwaltschaft München stellt Ermittlungen zur Untreue gegen Soko Tierschutz ein. Die Organisation deckt Tierquälerei in Bayern auf.






