Die „Soko Tierschutz“ hat die Tierquälereien auf Bayerns größtem Milchviehhof in Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) und eine Reihe andere Tierschutzskandale in der Nutztierbranche im Freistaat aufgedeckt. Das Markenzeichen der Organisation dabei sind verdeckte Recherchen nach den Prinzipien von Günter Wallraff. Von dem inzwischen 84-jährigen Journalisten und Autor, der bekannt ist für seine investigativen Reportagen über die Bild-Zeitung und andere deutsche Unternehmen, hat die Soko Tierschutz ihre Arbeitsweise übernommen.Die Soko Tierschutz schleust unerkannt Mitarbeiter auf Bauernhöfe ein, bei denen sie Hinweise auf tierquälerische Praktiken hat, veröffentlicht Bilder und Filmmaterial von den Betrieben und zeigt die Landwirte und ihre Mitarbeiter an. Bei denen Landwirten und beim Bayerischen Bauernverband (BBV) ist sie deshalb seit Langem höchst umstritten.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Jetzt hat der BBV Strafanzeige gegen drei Vorstandsmitglieder der Soko Tierschutz gestellt. Es geht dabei um den Verdacht der Untreue, wie der BBV-Generalsekretär Carl von Butler der Augsburger Allgemeinen bestätigt hat. „Konkret geht es um die Frage, ob Spendengelder des gemeinnützigen Vereins ordnungsgemäß verwendet wurden und werden“, sagt Butler. Weitere Details zu der Anzeige und den Vorwürfen nennt er nicht.Die Augsburger Allgemeine hat als erstes Medium über die Anzeige berichtet. Inzwischen haben auch das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt und andere Agrarmedien berichtet. Den Artikeln zufolge geht es um den Kauf und die Nutzung eines Wohn- und Geschäftshauses durch die Soko Tierschutz in Oberbayern.Schockierende Aufnahmen aus Milchviehbetrieb:„Rohe Gewalt gegenüber hilflosen Tieren“Ein Tierschutzaktivist filmt mit versteckter Kamera, wie Arbeiter Kälbern und Kühen gegen den Kopf treten und sie schlagen, bis der Stock bricht – ausgerechnet auf dem Hof, der bereits 2019 im Fokus des Allgäuer Tierschutzskandals stand. Experten sprechen von „krassen Bildern“.Der Vorsitzende der Soko Tierschutz, Friedrich Mülln, weist die Vorwürfe strikt zurück. Er spricht von einer „Schmutzkampagne des bayerischen Bauernverbands“. Mit der Strafanzeige versuche der BBV, „die Soko Tierschutz nach einer nicht endenden Aufdeckung schrecklicher und illegaler Zustände in Bayerns Ställen und Schlachthöfen einzuschüchtern“. Der Anwalt der Soko Tierschutz teilt Müllns Einschätzung und vertritt sie in einer Stellungnahme an das Oberlandesgericht München. Der Kauf der Immobilie sei „den Behörden in allen Details offengelegt und von diesen geprüft worden“, sagt Mülln. Die Soko Tierschutz habe seither erneut die Gemeinnützigkeit zugesprochen bekommen. Seine Organisation gehe rechtlich gegen die Berichterstattung vor.Die Staatsanwaltschaft München I bestätigt, dass sie aufgrund der Anzeige ein Ermittlungsverfahren gegen „Verantwortliche der Soko Tierschutz“ eingeleitet hat. Es sei bisher nicht abgeschlossen worden, sagt eine Sprecherin. Sie nennt ebenfalls keine Details. Dazu muss man wissen, dass die Staatsanwaltschaft bei jeder Strafanzeige, die bei ihr eingeht, Ermittlungen aufnehmen muss. Ein solches Verfahren sagt nichts aus über die Stichhaltigkeit der Vorwürfe, während des Ermittlungsverfahrens gilt die Unschuldsvermutung gegen die Beschuldigten.BBV-Generalsekretär Butler verwahrt sich gegen den Vorwurf einer „Schmutzkampagne“. Die Anzeige sei „genau der Weg, der in unserem Rechtsstaat vorgesehen ist“ für den Verdacht des BBV. In Anspielung auf deren investigative Recherchen wirft Butler der Soko Tierschutz vor, „zum Teil selbst Straftaten zu begehen und Menschen öffentlich, ohne vorherige und rechtzeitige Einbeziehung der zuständigen Behörden, mit Vorwürfen und Anschuldigungen zu konfrontieren“.
Bayerischer Bauernverband stellt Strafanzeige gegen Soko Tierschutz
Die Staatsanwaltschaft München bestätigt, dass sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Es geht um den Verdacht der Untreue, sagt der Bauernverband, der die Anzeige gestellt hat. Die Soko Tierschutz spricht von einer Schmutzkampagne.






