Morgen kracht eine SpaceX-Rakete in den Mond. Mit einem Teleskop kann man von der Erde aus zuschauenAm Mittwochmorgen um 8 Uhr 35 wird eine zurückgelassene Falcon-9-Rakete dem Mond einen neuen Krater verschaffen. Geplant war das nicht.04.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDie Rakete wird am oberen linken Rand des Mondes auftreffen.Wolfgang Maria Weber / ImagoEs ist ein ungewöhnliches astronomisches Ereignis, das da bevorsteht: Am Mittwochmorgen gegen 8 Uhr 35 wird die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete auf dem Mond einschlagen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die zwölf Meter lange Rakete knallt dabei ungebremst auf die Mondoberfläche, schlägt einen Krater von 20 bis 30 Metern Durchmesser und wirbelt eine kilometerhohe Wolke aus Mondstaub auf. Und das alles an einer Stelle, auf die man von der Erde aus ein Teleskop richten kann, auf der erdzugewandten Seite des Mondes.Für Forscher und Hobby-Astronomen ist es ein spannender Moment. Denn es ist das erste Mal, dass sie einen Raketeneinschlag dieses Ausmasses auf dem Mond live beobachten können. 2022 war zwar die Oberstufe einer chinesischen Chang’e-Rakete auf dem Mond abgestürzt. Aber der Absturz auf der erdabgewandten Seite war von hier aus nicht zu beobachten.Der Absturz war nicht geplantDass die Rakete auf den Mond abstürzen würde, hatte SpaceX so nicht geplant. «Diese Raketenstufen, die zum Mond fliegen, fliegen im Normalfall irgendwann in den Weltraum weg und werden nicht mehr wiedergesehen», sagt Detlef Koschny. Er forscht an der Technischen Universität München zu Meteoriteneinschlägen.Seit Januar 2025 taumelt die Oberstufe der Falcon-9-Rakete von SpaceX schon unkontrolliert im All. Sie hatte erfolgreich zwei Sonden in Richtung Mond geschossen und wurde dann, mit leeren Treibstofftanks, ganz den Anziehungskräften der Himmelskörper überlassen. Seither hat sie einige Male die Erde umkreist, in einer grossen, elliptischen Bahn, und wurde dabei ab und zu von Astronomen beobachtet.Dass die Rakete auf dem Mond einschlagen wird, hat nicht SpaceX selbst berechnet, auch keine astronomische Gesellschaft oder ein wissenschaftliches Institut. Es war der Amerikaner Bill Gray – eigentlich ein Hobby-Astronom, sagt Koschny, der aber mit dem Verkauf von Software für Teleskope sein Geld verdient. Er hatte im April auf dem Blog seiner Software-Firma einen Beitrag veröffentlicht, in dem er auf den bevorstehenden Einschlag hinwies.«Irgendetwas werden wir sehen»Koschny wünscht sich, dass auch Amateur-Astronomen mit eigenem Teleskop versuchen, den Raketeneinschlag zu beobachten. Was genau man davon aus der Entfernung erkennen kann, ist zwar unsicher. Schliesslich hat man keine Erfahrungswerte von auf den Mond stürzenden Raketen. «Aber irgendwas werden wir sehen», sagt Detlef Koschny. Er hat an einer Studie mitgearbeitet, die vorherzusagen versucht, was beim Raketeneinschlag passieren wird und was man davon auf der Erde sieht.Wenn natürliche Meteoriten auf dem Mond eintreffen, sieht man in Teleskopen von der Erde aus manchmal hell leuchtende Blitze. Sie entstehen, weil das Material an der Einschlagstelle so heiss wird, dass es zu leuchten beginnt wie schmelzender Stahl.Einen solchen Einschlagsblitz könnte auch die Rakete auslösen. Mit ihren vier Tonnen Gewicht und einer Geschwindigkeit von 8700 Kilometern pro Stunde setzt sie bei ihrem Einschlag schliesslich einiges an Energie frei. «Aber im Vergleich zu Meteoriten ist die Rakete langsam», sagt Koschny. Das spreche für ein eher schwaches Leuchten. Da die Stelle des Einschlags von der Sonne beschienen wird, dürfte sich der Lichtblitz kaum von der hellen Mondoberfläche abheben.Bessere Aussichten bietet die Staubwolke. Mehr als 1000 Tonnen Mondstaub könnten beim Einschlag hochgeschleudert werden, und zwar mehrere Kilometer hoch. Da der Einschlag dicht am Rand der Mondscheibe stattfindet, könnte sich die Staubwolke am Horizont gegen den dunklen Himmel abzeichnen und so minutenlang sichtbar bleiben. Der Mond bekommt quasi für kurze Zeit eine winzige Nase.Allerdings: In Europa wird der Himmel zum Zeitpunkt des Einschlags bereits hell sein. Für eine Beobachtung der Staubwolke sind die Bedingungen in den USA und Kanada sehr viel besser als hier.Es könnten Trümmerteile übrig bleibenAuf dem Mond wird vom Einschlag ein Krater zurückbleiben. Er ist zu klein, als dass man ihn mit einem Teleskop von der Erde aus sehen könnte. Doch Satelliten, die den Mond umkreisen, werden Vorher- und Nachher-Aufnahmen der Einschlagstelle liefern.Diese können womöglich auch die Frage beantworten, ob Trümmerteile von der Rakete übrig geblieben sind. Da der Mond keine Atmosphäre besitzt, wird die Rakete vor ihrem Auftreffen auf die Oberfläche nicht verglühen. Sie trifft also vollständig intakt auf. Beim Einschlag selbst werden so hohe Energien frei, dass das Material einfach verdampfen könnte. Doch laut Koschny könnte die Rakete auch beim Einschlag im Mondstaub versinken und dann wieder herausgeschleudert werden. Es könnten so durchaus sichtbare Bruchstücke an der Oberfläche übrig bleiben.Die Beobachtungen des Einschlags könnten Forschern dabei helfen, ganz grundlegende Fragen über den Mond zu beantworten. Wie hoch der Staub fliegt, wie lange die Staubwolke besteht, wie gross der entstehende Krater ist: All das gibt Auskunft über die Beschaffenheit der Mondoberfläche, wie porös oder hart das Gestein ist, wie fein die Staubkörner sind.Ausserdem helfen die Beobachtungen den Forschern, ihre Vorhersagemodelle zu verbessern. Schliesslich sollen bald wieder Astronauten den Mond betreten und dort sogar eine permanente Basis aufbauen. Sollte es je zu einem Absturz eines Raketenteils in der Nähe einer solchen Mondbasis kommen, müssen Forscher genau vorhersagen können, in welchem Umkreis es zu Gefahren für die Astronauten kommen kann.Und Koschny sieht noch eine weitere Chance für die Forschung: Er hofft, dass der Einschlag viele Hobby-Astronomen dazu motiviert, Aufnahmen vom Mond zu machen – und dass sich möglichst viele von ihnen daraufhin dafür begeistern lassen, auch natürliche Meteoriteneinschläge auf dem Mond durch ihre Teleskope zu beobachten. Solche Beobachtungen können sie in einer Datenbank hochladen.Mithilfe solcher Amateur-Beobachtungen erforscht Koschny unter anderem, wie häufig Meteoriten auf dem Mond einschlagen und wie gross diese sind. Für zukünftige Mondmissionen sind solche Informationen enorm relevant. Denn natürliche Meteoriten sind für Astronauten auf dem Mond die grösste Gefahr. Ein Einschlag einer Rakete wie der am Mittwoch bleibt hoffentlich auch in Zukunft ein ungewöhnliches astronomisches Ereignis.Passend zum Artikel
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