Die Debatte über die Risiken früher Smartphone- und Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen erhält neue empirische Nahrung. In einer Längsschnittstudie, die am Montag in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour erschienen ist, weisen Forscher der Universitäten Milano-Bicocca und Brescia nach, dass die frühe Erstellung eigener Social-Media-Profile zu messbaren und dauerhaften Leistungseinbußen in der Schule führt.
Die Ergebnisse zeigen nach Angaben der Studienmacher einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Alter beim Einstieg in soziale Netzwerke und der kognitiven Entwicklung im Jugendalter auf, was vor allem besorgten Eltern und Bildungspolitikern zu denken geben dürfte.
Bisherige Untersuchungen zum Einfluss digitaler Medien auf Minderjährige litten häufig unter methodischen Schwächen, da sie meist auf Befragungen zu einem einzelnen Zeitpunkt basierten und Ursache und Wirkung nicht klar unterscheiden konnten. Das Forschungsteam um den Soziologen Marco Gui analysierte dagegen die Bildungshistorie von 5227 Schülerinnen und Schülern aus Norditalien über einen Zeitraum von mehreren Jahren.
Dazu verknüpften die Wissenschaftler detaillierte Befragungsdaten zu den digitalen Gewohnheiten der Kinder mit den anonymisierten Testergebnissen der standardisierten nationalen Schulleistungstests aus den Klassenstufen zwei, fünf, acht und zehn. Mithilfe statistischer Differenz-von-Differenzen-Modellen und Matching-Verfahren verglichen sie Jugendliche, die bereits in der sechsten, siebten oder achten Klasse eigene Accounts auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat anlegten, mit einer Kontrollgruppe. Diese sogenannten Spät-Adopter erhielten ihren ersten Social-Media-Zugang erst ab der neunten Klasse, also im Alter von etwa 14 Jahren.








