Der Vatikan würdigt auf der diesjährigen Venedig-Kunstbiennale die Mystikerin Hildegard von Bingen. Warum und wie erzählt Starkurator Hans Ulrich Obrist.

Für den Heiligen Stuhl Meredith Monk oder Patti Smith hören im „Giardino Mistico“ des Karmeliterklosters Scalzi in Venedig

Andrea Avezzù, Courtesy La Biennale di Venezia

taz: Herr Obrist, Sie haben für den Pavillon des Vatikans „Holy See“ in Venedig eine Klangausstellung konzipiert, die dem Werk der mittelalterlichen Nonne Hildegard von Bingen gewidmet ist. Sie galt als Heilerin, Mystikerin und Universalgelehrte. Dazu hat sie zahlreiche Kompositionen geschrieben. Wie sind Sie auf sie gekommen?

Hans Ulrich Obrist: Ich bin in der Ostschweiz aufgewachsen und der erste kulturelle Ort, in den mich meine Eltern gebracht haben, war die Klosterbibliothek in St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert. Da konnte man mit Filzschuhen durch diese Hallen gehen und wie in einer Zeitreise diese mittelalterlichen Handschriften einsehen. Später bin ich dort als Student auf ihre Schriften gestoßen. Gemeinsam mit dem Kurator Ben Vickers haben wir festgestellt, dass sich weltweit Künstlerinnen und Künstler auf das Werk von Hildegard von Bingen beziehen und so ist die Idee dieser Ausstellung entstanden.