Trotz grosser Waldbrandgefahr will das Seenachtfest Rapperswil-Jona am Feuerwerk festhalten. Das sorgt für KritikDie Organisatoren erklären, sie hätten die Sicherheitsmassnahmen verschärft. Doch in der Debatte geht es um mehr als das Einhalten von Auflagen.03.08.2026, 15.01 Uhr3 LeseminutenAm Freitag und Samstag soll in Rapperswil-Jona ein grosses Feuerwerk gezündet werden.Marius Eckert / CH MediaEs war ein aussergewöhnlicher 1. August – aussergewöhnlich ruhig: Wegen der grossen Waldbrandgefahr hatten die meisten Kantone Feuerwerk und Feuer verboten. Die Knallerei blieb weitgehend aus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie prekär die momentane Situation ist, lässt sich von blossem Auge erkennen: Die Wasserpegel in Seen und Flüssen sind tief, die Böden ausgetrocknet, an Bäumen färben sich die verdorrten Blätter braun. Experten erklären, dass bereits kleine Funken ein Feuer auslösen können.Zur Situation am Üetliberg etwa sagt der oberste Zürcher Forstingenieur Kurt Hollenstein in der NZZ: «Landet hier ein glühender Zigarettenstummel, gerät der Brand wohl innert weniger als einer Minute ausser Kontrolle.»Dennoch soll nun am anderen Ende des Zürichsees am Wochenende gleich zweimal ein grosses Feuerwerk gezündet werden, und zwar am Seenachtfest in Rapperswil-Jona.Dies, obwohl die Behörden ebenfalls vor der grossen Trockenheit warnen. Der Kanton St. Gallen weist auf seiner Webseite besorgt darauf hin, dass sich wegen des ausbleibenden Regens die Gefahr von Flur- und Waldbränden verschärft habe. Böller und Raketen waren am 1. August verboten.«Erweiterte Brandwache» auf dem SeeSchlechte Voraussetzungen für Raketen über dem Zürichsee, könnte man meinen. Doch der Kanton will die Feuerwerke am Freitag- und Samstagabend erlauben. Voraussetzung dafür ist, dass sie mindestens 350 Meter vom Ufer entfernt auf dem Wasser abgebrannt werden. Diese Vorgabe sei erfüllt, weshalb man die Feuerwerke bewilligt habe, schrieb die kantonale Kommunikationsstelle der «Linth Zeitung».Die Organisatoren selbst verteidigen das Feuerwerk, das auf drei Ledischiffen abgebrannt wird, als «emotionalen Höhepunkt» des Seenachtfests. Wegen der anhaltenden Trockenheit habe man die Sicherheitsmassnahmen verschärft: Das Feuerwerk werde von einer «erweiterten Brandwache» begleitet, und der Abstand der Abschussplattformen zum Ufer sei vergrössert worden.Alles in Ordnung also? Nicht ganz. Denn bei der Frage, ob ein öffentliches Feuerwerk trotz Waldbrandgefahr genehmigt werden soll, geht es um mehr als das Einhalten von Auflagen. Es geht um die Signalwirkung: Ist ein öffentliches Feuerwerk legitim, wenn Privaten beim Abbrennen von Raketen Bussen drohen?Nein, befanden drei Bodenseegemeinden in Bezug auf ihr Feuerwerk zum 1. August. Goldach, Rorschach und Rorschacherberg sagten ihr traditionelles Feuerwerk ab und erklärten, man zeige sich wegen des kantonsübergreifenden Verbots solidarisch. «Die Solidarität ist auch vor dem Hintergrund der verheerenden Waldbrände in Frankreich und in Spanien zu verstehen», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung.Stadtrat unterstützt OrganisatorenDerweil macht sich in Rapperswil-Jona Unmut breit über das Feuerwerk am Seenachtfest. Die Stadt jedenfalls sah sich genötigt, in einer eigenen Medienmitteilung Stellung zu nehmen: Sowohl gegenüber der Verwaltung als auch gegenüber dem Stadtrat direkt seien «zahlreiche kritische Meinungen» geäussert worden.Man könne die Reaktionen nachvollziehen und nehme die Bedenken ernst. Die Stadt sei jedoch nicht Veranstalterin des Anlasses. Das Seenachtfest werde von einem eigenständigen, externen Organisationskomitee durchgeführt und finanziert.Gleichzeitig hält die Stadt fest, dass es einen Unterschied gebe zwischen privaten und professionell organisierten Feuerwerken. Private Feuerwerke würden häufig in unmittelbarer Nähe zu Gebäuden, Vegetation oder Waldflächen gezündet. «Die Feuerwerke am Seenachtfest finden dagegen auf dem offenen See, mit grossem Abstand zum Ufer, unter strengen Auflagen und mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen statt.»Auf Basis der geltenden rechtlichen Grundlagen, der kantonalen Bewilligung und der vorgesehenen Sicherheitsmassnahmen trage der Stadtrat die Durchführung der Feuerwerke derzeit mit. Sollten sich die Wetterlage, die Brandgefahr oder «andere relevante Voraussetzungen» verändern, werde die Situation umgehend neu beurteilt.Momentan sieht es also danach aus, als würden die Raketen gezündet. Doch wie schnell sich die Lage ändern kann, mussten letzte Woche vier Gemeinden im Kanton Zürich erfahren. Meilen, Stäfa, Richterswil und Horgen hatten ihr Feuerwerk über dem See abbrennen wollen. Doch die Kantonspolizei entzog ihnen kurzfristig die entsprechende Ausnahmebewilligung wegen «unvorhersehbarer, heisser Windböen am Wochenende».Durchaus möglich, dass es sich auch die Behörden in St. Gallen noch anders überlegen.Passend zum Artikel