Kein Feuerwerk am 1. August 2026 – bald könnte schweizweit definitiv Schluss sein mit RaketenNeben der Trockenheit könnte auch das Stimmvolk dafür sorgen, dass lautes Feuerwerk der Vergangenheit angehört. Während die Befürworter der Feuerwerksinitiative aufrüsten, suchen die Gegner verzweifelt nach Verbündeten.28.07.2026, 05.29 Uhr4 LeseminutenWegen der Trockenheit haben fast alle Kantone Feuerwerksverbote erlassen.Jean-Christophe Bott / KeystoneEs sind schwierige Tage für Daniel Bussmann. «Es läuft ganz schlecht. Da immer mehr Kantone wegen der Trockenheit das Abbrennen von Feuerwerk am 1. August verbieten, verkaufen wir momentan gar nichts», sagt der Geschäftsführer der Feuerwerksfabrik Bugano im luzernischen Neudorf. Damit brechen rund zwei Drittel des Jahresumsatzes von Bussmann und den anderen Feuerwerksherstellern weg. Noch vor Silvester ist der Nationalfeiertag nämlich der Tag, an dem die Schweizerinnen und Schweizer in normalen Jahren am meisten Raketen und Vulkane.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ganz anders sieht die Gemütslage bei Roman Huber aus. «Am diesjährigen 1. August wird sich zeigen, wie gemütlich es ist, wenn es für einmal nicht dauernd knallt», sagt er. «Vor allem Tierbesitzer werden aufatmen.» Der Hundetrainer und Ex-Journalist hofft, dass der ruhige Nationalfeiertag beste Werbung für seine Initiative «für eine Einschränkung von Feuerwerk» ist. «Die Leute werden feststellen, dass man das Fest viel mehr geniessen kann, wenn Menschen und Tiere nicht ständig Angst haben müssen.» Das nationale Volksbegehren kommt am 29. November zur Abstimmung.Bei einem Ja wären Verkauf und Nutzung von Feuerwerk, das Lärm erzeugt (Raketen, Töpfe, Batterien), verboten – mit einer Ausnahme: Die Kantone könnten weiterhin Bewilligungen für Anlässe von überregionaler Bedeutung erteilen. Grosse öffentliche Feuerwerke sind also nach wie vor möglich. Vulkane, bengalische Zündhölzer und Wunderkerzen wären für Private weiterhin erlaubt. Die massiven Einschränkungen würden gemäss dem Initiativtext spätestens Ende November 2028 in Kraft treten.Kampagne nutzt 1. AugustFür die Gegner der Initiative würde sich der 1. August bestens eignen, um für Feuerwerk zu werben. Doch vier Monate vor dem Abstimmungstermin beschränkt sich ihre Präsenz auf eine Website. Darauf werben die Vertreter der Branche wie Bussmann «für Freiheit und Tradition» sowie «für verantwortungsvolles Feuerwerk». Weitere Unterstützer sucht man bei der Allianz «Pro Feuerwerk» momentan vergeblich.Die Initianten hingegen nutzen den 1. August gezielt für einen frühen Kampagnenstart. Rund um den Nationalfeiertag lanciert der Verein «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» eine professionell aufgemachte, schweizweite Kampagne. Seit diesem Montag werden in Städten und in öffentlichen Verkehrsmitteln auf digitalen Screens kurze Clips ausgestrahlt. Ausserdem läuft auf Instagram und Facebook eine Kampagne mit verschiedenen Motiven.Die Schweizerinnen und Schweizer sollen auf diese Weise für die Schattenseiten von Feuerwerk sensibilisiert werden. Rund um den 1. August sprechen sich auf den sozialen Netzwerken vielfältige Stimmen für eine Einschränkung von Feuerwerk aus: Neben einer Tierärztin, einer Landwirtin und mehreren Wildbiologen kommen auch Betroffene zu Wort, die psychisch und physisch unter dem Lärm leiden, ebenso wie Fachkräfte aus dem Pflegebereich.Die Initiative kann ausserdem auf Unterstützung durch mitgliederstarke Tier- und Landschaftsschutzorganisationen wie den Schweizerischen Tierschutz, Vier Pfoten, die Fondation Franz Weber und die Lärmliga Schweiz zählen. Die Befürworter starten mit einer komfortablen Ausgangslage, wie auch eine Befragung zeigt: In einer Umfrage des Forschungsinstituts GfS vom November 2024 erklärten 68 Prozent der Personen, die an der Abstimmung teilnehmen wollen, dass sie für die Initiative stimmen würden. 28 Prozent würden sie ablehnen.Das ist für Initiativen an sich typisch, denn in einer frühen Phase der Meinungsbildung steht eher das angesprochene Problem, also die Lärmbelastung durch Feuerwerk, als die konkret vorgeschlagene Lösung im Vordergrund. Häufig bröckelt die hohe Zustimmung im Abstimmungskampf, wenn die Gegner ihre Argumente auf den Tisch legen.Bei der Feuerwerksinitiative könnte es anders sein. Im Parlament haben sich zwar die SVP, die FDP und die Mitte gegen das Volksbegehren ausgesprochen. Doch das Engagement der bürgerlichen Parteien und der Wirtschaftsverbände im Abstimmungskampf dürfte sich in Grenzen halten. Ende November kommen mit der Finanzierung der 13. AHV-Rente, den Lockerungen des Kriegsmaterialgesetzes und der Abschaffung der Heiratsstrafe drei deutlich gewichtigere Vorlagen zur Abstimmung.Daniel Bussmann befürchtet daher, dass er und die Hersteller von Feuerwerk allein auf weiter Flur bleiben werden. Bisher habe nur der Schweizerische Gewerbeverband angekündigt, dass er sich für ein Nein einsetzen werde. «Im Gespräch hat mir ein nationaler Parlamentarier erklärt, dass er prinzipiell gegen Einschränkungen der Freiheit sei. Doch weil seine Familie einen Hund besitze, werde er wohl ein Ja in die Urne legen», sagt Bussmann. Der Initiant Roman Huber formuliert es so: «Eine Partei, die sich für die Knallerei einsetzt, disqualifiziert sich selbst.»Obwohl er sich selbst nichts aus Feuerwerk macht, bekämpft der SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann die Initiative. «Die Freiheit stirbt auch in der Schweiz scheibchenweise», sagt er und bezieht sich dabei auf Guido Westerwelle, den Parteivorsitzenden der deutschen FDP. Ein nationales Verbot in der Verfassung sei der falsche Weg. «Jede Gemeinde und jeder Kanton soll selbst entscheiden können, ob sie die Freiheit der Bürger auf diese Weise einschränken will.»Verbote häufen sichWyssmann wehrt sich «gegen die schleichende Bevormundung», wie er es nennt. Weitere Verbote in anderen Lebensbereichen drohten. «Häufig handelt es sich dabei um Entscheidungen zu Nischenthemen, die wenige Leute direkt betreffen und deshalb an der Urne gute Chancen haben», sagt der Solothurner Nationalrat. Obwohl Wyssmann im Parlament zu den deutlichsten Kritikern gehörte, will er sich im nationalen Abstimmungskampf noch nicht engagieren. Grund dafür: Für ihn hat derzeit die Neutralitätsinitiative absolute Priorität.Doch selbst wenn die Initiative im November abgelehnt würde, wird das Abbrennen von Feuerwerk unabhängig von den Trockenphasen immer mehr eingeschränkt. In neun der zehn grössten Städte der Schweiz wird die Verwendung von Feuerwerkskörpern bereits jetzt eingeschränkt. Zahlreiche weitere Gemeinden haben aus Lärm-, Umwelt- oder Tierschutzgründen dauerhafte, ganzjährige Verbote beschlossen. Im Kanton Zürich gab es in den letzten Jahren eine regelrechte Welle von Gemeindeinitiativen gegen lärmiges Feuerwerk. In vielen Bündner Tourismus- und Bergregionen gilt schon länger ein striktes Feuerwerksverbot – primär zum Schutz der Natur, der Haus- und Wildtiere sowie der Holzarchitektur.Bei fast allen kommunalen Verboten gilt die Unterscheidung zwischen lärmendem und stillem Feuerwerk. Eine Ausnahme ist Greifensee. In der Zürcher Gemeinde standen im Juni an der Gemeindeversammlung zwei Vorschläge zur Debatte. In der Abstimmung entschieden sich die Einwohner für eine Einzelinitiative, die jegliches Feuerwerk verbieten will. Der Gegenvorschlag des Gemeinderats, künftig nur lärmendes Feuerwerk zu verbieten, war chancenlos.Passend zum Artikel