Startseite

Unternehmen

Industrie

Thyssenkrupp: TK Accelis bereitet sich auf Eigenständigkeit vor Thyssenkrupp entscheidet diese Woche über eine Abspaltung seines Materialgeschäfts. Der Schritt würde frisches Kapital bringen. Spartenchefin Henne verrät, wofür das Geld gebraucht wird.

Ilse Henne: Die Managerin will vor allem Nordamerika in den Blick nehmen. Foto: Christophe Gateau/Thyssenkrupp/dBerlin, Düsseldorf. Der Industriekonzern Thyssenkrupp steht kurz davor, den zweiten großen Schritt seiner neuen Strategie zu vollziehen. Am 7. August sollen die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung dem Plan zustimmen, das Materialgeschäft TK Accelis, vormals Thyssenkrupp Materials Services, abzuspalten.Die Spartenchefin Ilse Henne will die Einheit anschließend auf schnelles Wachstum ausrichten. „Unser Ziel ist es, noch 2026 die Börsennotierung zu vollziehen“, sagte Henne dem Handelsblatt. „Wir sind bereits in sehr guten Gesprächen mit verschiedenen Investoren.“Die Börsennotierung ist die Zulassung, am Aktienmarkt gehandelt zu werden. Einen Börsengang plant das Unternehmen aktuell nicht.TK Accelis zählt zu den weltweit größten Werkstoffhändlern und Lieferkettendienstleistern. Das Unternehmen beschafft, lagert, verarbeitet und vertreibt Stahl, Nichteisenmetalle, Kunststoffe sowie weitere Industriematerialien – für Kunden etwa aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau, der Luft- und Raumfahrt sowie der Energiewirtschaft.In den vergangenen Jahren hat sich die frühere Materials-Services-Sparte zunehmend vom klassischen Werkstoffhändler zu einem Anbieter integrierter Lieferketten- und Servicelösungen entwickelt. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte TK Accelis 11,4 Milliarden Euro um und ist nach eigenen Angaben Marktführer in Europa sowie die Nummer drei in Nordamerika.TKMS-Schiffbauhalle in Kiel: 2025 spaltete sich die Marinesparte vom Mutterkonzern ab. Foto: Frank Molter/dpaMit der Abspaltung setzt Thyssenkrupp den Umbau zu einer Beteiligungsgesellschaft konsequent fort. Den Anfang machte 2025 die Verselbstständigung der Marinesparte TKMS. Nun soll auch TK Accelis eigenständig an die Börse gehen. Auf der Liste stehen alle Sparten des Industriekonzerns.Der Mutterkonzern will jeweils die Mehrheit behalten, den Gesellschaften als eigenständigen Unternehmen aber einen direkteren Zugang zum Kapitalmarkt und größere unternehmerische Freiheit verschaffen. Langfristig sollen alle einzelnen Geschäfte unabhängiger agieren, während Thyssenkrupp sie als Holding steuert.Industrie Kompromiss bei Thyssenkrupp: Aufsichtsrat gibt grünes Licht für Abspaltung von Materials Services Henne hält diese Strategie für die einzig richtige. Mit der Börsenpräsenz erweitere das Unternehmen die Zugangsmöglichkeiten zu externem Kapital. „Das schafft die Grundlage, um das eigene Wachstum in margenstarken Feldern konsequent voranzutreiben“, sagte die Managerin, die bereits seit 1999 im Thyssenkrupp-Konzern tätig ist.Henne kündigt an, bei der geplanten Expansion vor allem Nordamerika in den Blick zu nehmen. Dort sieht sie im Materialgeschäft besonders gute Chancen. Zugleich macht sie deutlich, dass TK Accelis nicht nur organisch wachsen will: Auch Zukäufe sollen das Unternehmen vergrößern.Henne warnt vor Lieferketten-ProblemenWährend die deutsche Industrie immer tiefer in die Krise rutscht und auch der Mutterkonzern Thyssenkrupp seit Jahren wirtschaftlich unter Druck steht, läuft es bei TK Accelis.Die geopolitischen Verwerfungen haben mit dem Krieg gegen den Iran und der Sperrung der Straße von Hormus eine neue Dimension erreicht. Viele Unternehmen kämpfen seither mit gestörten Lieferketten: Ersatz ist schwer zu finden – und teuer.Henne sagt, aus ihrer Sicht müssten Unternehmen und Politik einen entscheidenden Punkt stärker in den Blick nehmen, um die Probleme in den Griff zu bekommen: „Mehr Transparenz in den Lieferketten.“ Wenn die deutsche Wirtschaft widerstandsfähiger werden wolle, müsse sie wissen, wo ihre Risiken lägen. „Das ist bislang zu wenig der Fall.“ Verwandte Themen Thyssen-KruppEuropaIndustriepolitikWirtschaftspolitikBörseNötig sei, dass Unternehmen ebenso wie die Bundesregierung besser verstehen, wie ihre Lieferketten aufgebaut sind und wo potenzielle Gefahren liegen – um rechtzeitig vorsorgen zu können.Gerade Deutschland weise dabei Defizite auf: „Das liegt auch daran, dass einige Unternehmen jahrzehntelang mit Intransparenz in Lieferketten Geld verdient haben. Den Preis dafür zahlen wir jetzt.“Allein das Bewusstsein über die Lieferketten reicht aus Hennes Sicht allerdings nicht. Sie plädiert für einen industriepolitischen Kurswechsel: „Wir brauchen wieder eine echte Industriepolitik. Anders können wir die geoökonomischen Gefahren nicht abfangen. Wir brauchen Resilienz, und das ist nicht das Gleiche wie Stabilität.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt