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Investoren: Was der Einstieg von Hedgefonds für Unternehmen bedeutet Aktivistische Investoren drängen Vorstände meist zu Kostensenkungen und Verkäufen. Untersuchungen zeigen: Sie gehen inzwischen subtiler vor – und ihr Wirken hat oft schädliche Langfristfolgen.

Probenentnahme bei Lanxess: Der Kölner Spezialchemie-Konzern zählt aktivistische Investoren zu seinen Aktionären. Foto: Thorsten Martin for LANXESSFrankfurt, Düsseldorf. Nicht jeder Aktionär gibt sich mit Dividenden und der Aussicht auf Kurssteigerungen zufrieden. Als beim Pharmazulieferer Gerresheimer 2024 ein Hedgefonds einstieg, begann kurz darauf der Umbau: Unternehmensanteile wurden verkauft, rund ein Jahr später wechselte der Finanzvorstand – mutmaßlich auf Betreiben des Investors.Solche aktivistischen Investoren, meist Hedgefonds, wollen Einfluss auf die Unternehmensstrategie nehmen und drängen nach dem Einstieg auf Kostensenkungen und Teilverkäufe. Oft machen sie Druck über öffentliche Kampagnen, in denen sie bestimmte Geschäftsprozesse oder auch Führungspersonen kritisieren.Wie eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Alvarez & Marsal (A&M) zeigt, verfolgen aktivistische Investoren ihre Ziele zunehmend hinter den Kulissen – über Gespräche mit dem Management etwa. Die Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Was laute und leise „Aktivisten“ demnach eint: Sie wollen den Aktienkurs des Unternehmens – und damit ihren Profit – schnell steigern.Diese Strategie ist, wie eine andere Studie zeigt, nicht ohne teils gravierende Nebenwirkungen.Eine Untersuchung der Universität Münster belegt: Der Einstieg aktivistischer Investoren kann weitreichende Folgen für das betroffene Unternehmen haben – etwa für die Entwicklung neuer Produkte und Technologien.Die Wissenschaftler am Münsteraner Institut für Entrepreneurship haben dazu rund 300 börsennotierte US-Unternehmen über einen Zeithorizont von mehr als zehn Jahren untersucht.Studie: Aktivistische Strategien bedrohen Innovationskraft von UnternehmenIhr Befund: Nach Attacken aktivistischer Investoren passen betroffene Firmen ihre Innovationsstrategie an. Die Unternehmen setzen weniger auf technologisch bahnbrechende Neuerungen, die weit in der Zukunft liegen und daher noch keine schnelle Wertsteigerung versprechen. Ihr Spielraum für langfristige Investitionen verengt sich. Durch den Druck der Investoren verstärkt sich der Fokus dieser Firmen auf kurzfristige, marktbezogene Innovationen.Geldanlage Bis zu 25 Prozent Kurspotenzial – Auf diese sechs Aktien setzen Hedgefonds Als Beispiele nennen die Wissenschaftler den US-Konzern Baxter. Der Pharma- und Medizintechnikhersteller wurde zum Ziel des Hedgefonds Third Point und straffte anschließend sein Portfolio an Neuentwicklungen kräftig.Ähnlich verhielt sich demnach das US-Softwareunternehmen Citrix nach dem Einstieg des weltgrößten Hedgefonds Elliott im Jahr 2025. Der Aktivist setzte erfolgreich die Fokussierung auf Kernprodukte in der Forschung durch, die aus seiner Sicht den schnellsten Profit erzeugen würden.Darren Novak, Experte für Aktionärsstrategien und Fusionen bei der US-Großbank JP Morgan, sieht das Risiko schwindender Innovationskraft infolge aktivistischer Kampagnen ebenfalls. Viele Unternehmen weiteten nach dem Einstieg von Hedgefonds ihre Aktienrückkaufprogramme aus, um den Forderungen von aktivistischen Aktionären nachzukommen, sagt er.Das könne erhebliche Konsequenzen für Forschung und Entwicklung sowie für Investitionen haben – und weitreichende Folgen für die deutsche Wirtschaft, erklärt er. Denn „der industrielle Wandel ist auf genau jene langfristige Innovation angewiesen, die durch aktivistischen Druck unter Beschuss gerät“, sagt Novak.„In Europa geht es leiser zu als in Amerika“Die Unternehmensberatung A&M stellt in ihrem halbjährlichen „Activism Alert“ eine neue Strategie der Aktivisten fest: Immer mehr dieser Hedgefonds agieren im Verborgenen. Ihre Aktivität gelangt nur selten an die Öffentlichkeit. Der vertrauliche Austausch von Aktivisten und Unternehmen entwickelt sich zunehmend zum bevorzugten Ansatz.A&M hat die Entwicklung von 1589 europäischen börsennotierten Unternehmen untersucht. Bei 413 dieser Unternehmen waren bekannte aktivistische Investoren im Aktionärsregister vertreten, ohne öffentlich in Erscheinung zu treten.KI-Fonds „Wir haben diesen Monat enttäuscht“: Aschenbrenners Hedgefonds verliert im Juli 67 Prozent an Wert Innerhalb der folgenden zwei Jahre erzielten diese Unternehmen eine um 7,3 Prozent höhere Aktionärsrendite als vergleichbare Wettbewerber und wiesen zudem eine höhere Kapitalrendite auf.Die allgemeine Vorstellung von Aktivismus sei nach wie vor von öffentlichen Kampagnen und in Teilen konfrontativen Diskussionen in den Vorstandsetagen geprägt, sagt Patrick Siebert, Managing Director und Co-Head Deutschland bei A&M. „Die wirklich einflussreichen Gespräche finden jedoch immer öfter an anderer Stelle statt“, erklärt er. „Viele Aktivisten treten diskret mit Aufsichtsräten und Vorständen in Dialog.“Früher hätten Aktivisten häufig den Weg über die Öffentlichkeit gewählt, um mit ihren Forderungen Gehör zu finden, erklärt Siebert. Er spricht von einer Professionalisierung dieser Investorengruppe. Lautes öffentliches Auftreten sei nicht mehr erforderlich. In den USA würden aktivistische Strategien aber noch immer mit PR-Kampagnen verknüpft. „In Europa geht es leiser zu als in Amerika“, sagt der Berater.JP-Morgan-Experte Novak bestätigt diesen Trend. Europa biete aktivistischen Investoren eine Fülle attraktiver Zielunternehmen, sagt er. „Ein Großteil der Kampagnen spielt sich hinter den Kulissen ab. In die Öffentlichkeit gelangt nur ein Bruchteil“, erklärt Novak.Europäische Aktionäre erwarteten, dass Aktivisten zunächst ernsthaft mit dem Unternehmen in Dialog träten, bevor sie an die Öffentlichkeit gingen. „Das ist eine notwendige Voraussetzung für jeden, der Gehör finden will“, sagt er. In den USA seien Aktivisten eher bereit, sehr viel schneller an die Öffentlichkeit zu gehen, um maximalen Druck auszuüben, fügt Novak hinzu.Zu den bekanntesten Beispielen öffentlicher Kampagnen in Deutschland zählen der Pharmazulieferer Gerresheimer und der Chemiehändler Brenntag. Beispiele stiller Aktivisten sind dagegen schwieriger zu finden. Finanzkreisen zufolge agieren der US-Hedgefonds Sachem Head Capital Management sowie der schwedische Fonds Cevian Capital zunehmend im Verborgenen.Sachem Head Capital Management ist etwa beim Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 Group und beim Lieferdienst Delivery Hero engagiert, der nun vom US-Konzern Uber übernommen wird.Der US-Hedgefondsmanager David Einhorn ist mit seinem Fonds Greenlight Capital am Kölner Chemiekonzern Lanxess beteiligt. Einhorn gilt als Aktivist, allerdings ist über Forderungen gegenüber dem Management öffentlich nichts bekannt. Der Investor scheint eher auf eine zügige Kurssteigerung bei Lanxess zu setzen. Weitere knapp fünf Prozent an Lanxess gehören dem US-Fonds Causeway, der phasenweise ebenfalls als Aktivist auftritt.Auch die schwedische Investmentgesellschaft Cevian Capital „wird zunehmend leiser“, sagte ein Insider. Der Investor erwarb Ende vergangenen Jahres eine neue Beteiligung in Höhe von rund drei Prozent am Schweizer Verpackungshersteller SIG Group.Mehr Kampagnen in Europa, weniger DeutschlandIm laufenden Jahr hat sich der Aktionärsaktivismus, öffentlich und still, in Europa belebt, zeigt der A&M-Report weiter. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurden europaweit 78 öffentliche Aktivistenkampagnen gestartet – ein Anstieg von elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Verwandte Themen EuropaLanxessDeutschlandUSAGerresheimerBrenntagIn Deutschland hingegen hat sich die Aktivität abgeschwächt. Lediglich zehn Prozent aller europäischen Kampagnen entfielen bislang auf deutsche Unternehmen, verglichen mit 16 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres.A&M-Manager Siebert führt das auch auf die politischen Rahmenbedingungen zurück. „Die Reformagenda der Bundesregierung wirkt zögerlich“, erklärt er. Aktivisten beobachteten das genau. Sie investierten nicht in Momenten der Ungewissheit. Es brauche „ein Geschäftsmodell mit dem Potenzial, wieder in das internationale Spitzenfeld vorzustoßen“, sagt er. „Viele deutsche Unternehmen tun sich genau damit gegenwärtig schwer.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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