Startseite
Finanzen
Steuern + Recht
Indexfonds vs. Fondsmanager: Aktiv oder passiv investieren - was bringt langfristig mehr? Wer mehr aus seinem Geld machen will, kann unter anderem in Wertpapiere investieren. Anleger können dabei selbst aktiv selektieren oder sich für passive Investments entscheiden. Was taugt mehr?
30.06.2026 - 04:17 Uhr Quelle: dpa Artikel anhörenDen breiten Markt mit aktiven Aktieninvestments schlagen? Das ist ein schwieriges Unterfangen. Foto: Christin Klose/dpa-tmnFrankfurt/Main. Aktiv oder passiv investieren? Diese Frage beschäftigt Millionen Anleger. Während die einen auf Fondsmanager setzen, die mit gezielten Entscheidungen den Markt schlagen wollen, vertrauen die anderen auf kostengünstige Indexfonds, die einfach den Markt abbilden. Doch welche Strategie bietet langfristig die besseren Chancen? Zwischen Renditeversprechen, Gebühren und wissenschaftlichen Erkenntnissen lohnt sich ein genauer Blick auf die Vor- und Nachteile beider Ansätze. Denn die Wahl der Anlagestrategie kann entscheidend dafür sein, wie erfolgreich Vermögen aufgebaut wird. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen. Aktiv oder passiv investieren: Was ist der Unterschied?Als aktiver Investor stellen Sie Ihr Portfolio selbst zusammen. Sie entscheiden, welche Aktien zu welchem Zeitpunkt ins Depot kommen. Auswahlkriterien können zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Börsenindex wie dem Dax sein, bestimmte Branchen oder Regionen. Sie bestimmen auch, wann welches Wertpapier wieder verkauft wird. Wer die einzelnen Titel nicht selbst auswählen will, kann das einem professionellen Fondsmanager anvertrauen. Dieser wird gegen Honorar tätig.Als passiver Investor stecken Sie Ihr Geld üblicherweise in breit gestreute ETFs. Diese bilden Indizes wie den Dax oder den MSCI World nach. Die meisten ETFs kaufen die einzelnen Aktien einfach in dem Verhältnis, in dem sie in dem jeweiligen Index vertreten sind. So replizieren sie die Indizes, ohne sich - im Unterschied zur aktiven Anlage - mit den Einzelaktien intensiv zu beschäftigen. Das ist für Anlegerinnen und Anleger bequem.Welche Chancen und Risiken stecken in den unterschiedlichen Ansätzen?Ein Vorteil der aktiven Strategie besteht in der Aussicht auf höhere Renditen. Börsenexperte und Buchautor Andreas Lipkow nennt das die „potenzielle Outperformance“. Gemeint ist die Möglichkeit, durch eine gezielte Auswahl von Titeln und ein optimales Timing, den Markt zu schlagen. Diese Chance steht Fondsmanagern wie privaten Investoren offen. Lipkow benennt allerdings einen dicken Haken an der Sache: die Ungewissheit. Denn für den Erfolg gibt es keinerlei Garantie.Je nach Kursentwicklung kaufen oder verkaufen viele aktive Anleger Teile ihres Depots trotzdem zügig – mit der Absicht, ihre Rendite zu optimieren. Häufiges, kurzfristiges Trading kann aber auch genau das Gegenteil bewirken. Denn bei jeder Transaktion fallen Gebühren an, die den erhofften Ertrag schmälern. „Hin und her macht Taschen leer“, lautet nicht umsonst ein alter Börsenspruch. Auch Andreas Lipkow rät aktiven Investoren, den Faktor der höheren Kosten auf dem Schirm zu haben.Passive Anleger haben praktisch keine Chance, mehr Gewinn zu erzielen als der Markt, weil ihr Investment diesen lediglich nachvollzieht – nicht mehr und nicht weniger. Dieser Effekt reduziert jedoch gleichzeitig die Kosten und das Risiko von Fehlgriffen. ETFs können aufgrund ihrer breiten Streuung in der Regel auf lange Sicht Gewinne und Verluste ausbalancieren.Welcher Aufwand kommt auf aktive Anleger zu?Vor allem brauchen Sie Wissen und Zeit. Wenn Sie den Ehrgeiz haben, den Markt zu schlagen, ist es unerlässlich, detaillierte Informationen zu Märkten und einzelnen Produkten zu sammeln und zu analysieren, um im richtigen Moment richtig zu handeln. Profis betrachten zum Beispiel vor einem Investment sehr genau das Geschäftsmodell eines Unternehmens, dessen Profitabilität, Gewinnwachstum sowie Verschuldungsgrad und wägen ab, ob eine Aktie angemessen bewertet ist. Das beansprucht Zeit. Privatanleger „sollten sich zumindest ein- bis zweimal pro Woche mit den Aktivitäten an den internationalen Märkten beschäftigen“, rät Lipkow. Zwei bis fünf Stunden wöchentlich sind für ihn das Minimum.Wer im schnelllebigen Börsenumfeld von Trends und kurzfristigen Entwicklungen profitieren will, wird wahrscheinlich deutlich mehr Zeit aufwenden müssen. „Erfahrene aktive Anleger können durch eine sorgsame fundamentale Auswahl von Einzeltiteln eine Überrendite erzielen“, sagt Jan Viebig, Lehrbeauftragter Finance an der Goethe Universität Frankfurt und Chief Investment Officer einer Privatbank. „Wer aber nicht die Zeit und die Erfahrung für fundamentale Analysen hat, sollte sein Kapital Fondsmanagern anvertrauen.“Alternativ können Sie also einen Fondsmanager suchen, der Ihnen die Arbeit abnimmt und versucht, die Benchmark zu schlagen, „aber ohne zugleich übermäßig hohe Risiken einzugehen“, mahnt Viebig. Wollen oder können Sie weder Zeit noch Kosten noch Mühe aufbringen, um sich intensiv mit Einzeltiteln auseinanderzusetzen, kommt eher eine passive Anlagestrategie infrage. Übergewinne lassen sich beispielsweise mit ETFs jedoch kaum erzielen. „Wer in ein passives Produkt investiert, gibt sich mit der durchschnittlichen Performance eines Indizes, dem Mittelmaß zufrieden“, sagt Viebig.Lohnt es sich, den Aufwand zu betreiben und durch möglichst gewinnbringende Käufe und Verkäufe mehr Rendite zu erzielen?Jein. Denn selbst Profis gelingt es selten, den Markt zu schlagen. Sich selbst Regeln zu geben – etwa eine bestimmte Aktienquote im Depot zu haben – und diese durchzuhalten, sei besser als Trading. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält viel von Kontinuität und passiver Anlagestrategie und wenig davon, mit Trends oder Modeaktien schnelles Geld machen zu wollen. Hinzu kommt der steuerliche Aspekt. „Auf Aktiengewinne fällt 25 Prozent Kapitalertragsteuer und 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Kapitalertragsteuer an“, erläutert Annemarie Reiff vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Zwar gelte für Anleger und Anlegerinnen aktuell ein Freibetrag von 1000 Euro pro Jahr. Aber der sei regelmäßig schnell überschritten, wenn jemand intensiv mit Wertpapieren handele oder zusätzliche Erträge aus anderen Kapitalanlagen generiere.Auch ein Aspekt: Haben Sie den Freibetrag über Freistellungsaufträge auf mehrere Banken verteilt, sollten Sie den Überblick behalten. „Bei Überschreitungen hakt die Finanzverwaltung nach“, so Reiff. Abgesehen von Risiko und Kosten: Welche Rolle spielt meine persönliche Situation bei der Anlagestrategie?Eine ganz entscheidende, finden Andreas Lipkow und auch Jan Viebig. Ihrer Erfahrung nach beeinflussen Beruf, Familie und Rente sowohl das Risiko, das sich Investoren leisten können, als auch den Aufwand, den sie betreiben können. Verwandte Themen DaxAnlagestrategieETFJunge Familien zum Beispiel hätten erst einmal genug mit den Herausforderungen des Alltags zu tun, statt viel Zeit mit Börsengeschäften zu verbringen, so Lipkow. Gleiches gilt seiner Meinung nach für Berufseinsteiger, aber auch für Börsenneulinge. In diesen Phasen bevorzugt er die passive Strategie. Sie bringe bei geringem Aufwand stabile Renditen zu niedrigen Kosten. Und das auf lange Sicht, zum Beispiel mit Blick auf die Altersvorsorge.Im Laufe der Jahre können Anlegende ihre Strategie auf die gewachsene Finanzerfahrung und die Renditeansprüche zuschneiden und aktiver agieren. Das kann heißen, ein anfänglich diversifiziertes ETF-Depot zugunsten von Aktien umzustrukturieren, um höhere Gewinne zu erzielen und öfter zu kaufen oder verkaufen. Vor der Rente sollten Sie Ihre Anlagestrategie erneut überdenken. Hintergrund ist das Verlustrisiko. „Kapital, das zur Sicherung des Lebensunterhalts benötigt wird, sollte nicht in stark schwankende Anlagen gesteckt werden“, erklärt Jan Viebig. Er empfiehlt, den Aktienanteil dann schrittweise zu reduzieren und stärker auf Anleihen zu setzen.Entsprechend flexibel sollten Sie die Anlagestrategie den Lebensphasen anpassen. Heißt im Umkehrschluss: 40 Jahre an einer einmal festgelegten Strategie festzuhalten, bringt nicht unbedingt optimale Ergebnisse. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt







