Nach Long Covid wird Clara Schmale zum Pflegefall. Erst spät wird ihre ME/CFS erkannt. Heute verlässt sie das Pflegebett wieder auf eigenen Beinen.

L eise öffnet sie die Tür des Zimmers, in dem sie im Pflegebett lag. Im Dunkeln. Tagein tagaus, fast regungslos und voller Schmerzen. Aber jetzt tritt Clara Schmale heraus, steht mit einem sympathisch offenen Lächeln im Flur ihres Elternhauses und sagt „Guten Morgen!“ Sie ist wieder da, kann sprechen, hören und gehen. Mit 39 Jahren erobert sie sich Schritt um Schritt ihr Leben zurück. Das gleicht einem Wunder – einem, für dessen Verwirklichung aufmerksame, liebevolle Menschen viel getan haben.

Als Ingenieurin für Energie- und Umwelttechnik war sie eine erfolgreiche junge Führungskraft, aber dann wurde sie chronisch schwerst krank. Sie engagierte sich politisch für Klima- und Umweltschutz, aber sie verlor jegliche Kraft. Sie liebte das Leben mit ihrer Familie und ihren Freund:innen, aber dann wurde sie zum Pflegefall. Mit 37 Jahren hatte sie Pflegegrad 5, die höchste Pflegestufe, meistens am Ende des Lebens gegeben.

Im Jahr 2022 infizieren sich Clara Schmale, ihr Mann und der zweijährige Sohn mit Covid. Die beiden werden wieder gesund, Clara nicht. Bei ihr häufen sich danach die Infekte und diese dauern länger als üblich. Noch gibt es jedoch gute Phasen. Aber im Herbst 2023 erleidet sie im Badezimmer einen Sturz, fällt mit ihrem Kopf gegen das Waschbecken und bekommt eine Gehirnerschütterung. Es folgt ein hartnäckiger Infekt. An Heiligabend muss sie in die Notaufnahme des Krankenhauses Buchholz, wo sie 40 km südlich von Hamburg lebt. Ihr Herz rast schon im Ruhezustand, sie hat Schmerzen am ganzen Körper und in ihrer Brust fühlt sie einen harten Widerstand, gegen den sie kaum einatmen kann.