Nagelneue Bahnen, aber im Sommer kaum auszuhalten: Die Stadtbahn ohne Klimaanlage in Dortmund bringt an Hitzetagen viele Fahrgäste an ihre Grenzen. Bei rund 30 Grad wird die Luft stickig, das Einsteigen fühlt sich an wie das Öffnen einer Ofentür. Der Grund ist kein Versehen: Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 haben ihre teuren neuen Fahrzeuge ganz bewusst ohne Kühlung des Fahrgastraums bestellt. Das berichtete der WDR nach Interviews mit Fahrgästen.

Für Pendler, Familien und ältere Menschen stellt sich damit eine unbequeme Frage: Warum leistet sich ein Unternehmen, das die Verkehrswende voranbringen will, ausgerechnet in immer heißeren Sommern Waggons ohne Klimaanlage? Die Begründungen des Unternehmens klingen technisch – halten einer genauen Prüfung aber nicht überall stand.

Millionen gespart – auf Kosten des Komforts

Die Entscheidung gegen eine Klimaanlage ist keine Panne, sondern gewollter Sparkurs. Nach Angaben der DSW21 hätte die Aufrüstung der Flotte rund 70 Millionen Euro gekostet. Statt das Geld in den Komfort der Fahrgäste zu stecken, floss es in zusätzliche Fahrzeuge.

Als zweites Argument nennt das Unternehmen den Energieverbrauch: Klimaanlagen würden angeblich jährlich rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom schlucken. Doch hier ist Vorsicht geboten. Diese Zahlen stammen ausschließlich von DSW21 selbst und sind nicht unabhängig geprüft. Eine öffentlich nachvollziehbare Berechnung, wie sich die 70 Millionen Euro oder die sieben Millionen Kilowattstunden zusammensetzen, liegt bislang nicht vor.