Die Wohnungspolitik frustriert Millionen Vermieter. Vor allem der Mietzins sorgt für Verärgerung. Dabei geht es nicht allein um die Miethöhe. Viel kritischer sehen Eigentümer gesetzliche Einschränkungen, die es ihnen erschwerten, Forderungen einzutreiben und säumigen Mietern zu kündigen.Das geht aus der Sonderauswertung einer Umfrage bei 26.000 Privatvermietern im Auftrag des Eigentümerverbandes Haus & Grund für die WirtschaftsWoche hervor. Großen Frust verursachen demnach auch die Nebenkosten, deren Abrechnung extrem kompliziert geworden sei. Mehr als die Hälfte der Befragten kritisiert zudem Einschränkungen bei Modernisierungen und verschärfte Anforderungen bei Eigenbedarfskündigungen.Die Stimmung ist bei Privatvermietern so schlecht, dass 60 Prozent der Befragten daran denken, nicht mehr zu vermieten. „Wer Vermieten immer schwieriger, bürokratischer und unwirtschaftlicher macht, darf sich über den Wohnungsmangel nicht wundern“, sagt Verbandspräsident Kai Warnecke.Wohnungsmarkt Vermieten lohnt sich für viele Privateigentümer nicht mehr Auf dem Wohnungsmarkt braut sich neues Unheil zusammen, warnt die Wirtschaftsprüfgesellschaft PwC. Hohe Kosten und Regulierung machen Privatvermietern das Leben schwer. von Christian RamthunZahlen oder nicht zahlen – ein Vabanque-SpielFür Annita Heydtmann zum Beispiel ist das Vermieten zum „Vabanque-Spiel“ geworden. Man könne potenziellen Mietern trotz aller Bonitätsprüfungen nicht ansehen, ob diese später tatsächlich die Miete zahlen oder ständig Gründe für das Mindern suchten. Die Pensionärin, die ihren richtigen Namen hier nicht lesen möchte, besitzt ein Wohn- und Geschäftshaus mit drei Wohnungen plus Ladenlokal sowie einen vermieteten Bungalow im Norden von Hamburg.Heydtmann nervt vor allem das, was sie „Spielchen mit dem Mietrecht“ nennt. Einige Mieter meinten wohl, so erlebt sie es, dass nur noch Dumme ihre vertraglich vereinbarte Miete zahlen. Eine Kündigung sei zwar nach zwei Ausfällen theoretisch möglich, faktisch aber nicht. Sie berichtet von Tricks, von sporadischen Mietnachzahlungen bis zur Bescheinigung einer Depression oder Suizidgefahr, die eine Kündigung auch bei Eigenbedarf unmöglich mache.60Prozentder befragten Privatvermieter denkt daran, nicht mehr zu vermieten.Erst mal nein, dann 5000 Euro aufs KontoEin Beispiel: Einer ihrer Mieter stellte sich mit einem nagelneuen AMG-Mercedes vor. Nach drei Monaten wollte er nur noch verspätet zahlen. Nach einer schriftlichen Abmahnung mit Hinweis auf die Rechtsprechung des örtlichen Amtsgerichtes gingen die Mieten sofort wieder regelmäßig ein. Ein einfacher Fall, sagt Heydtmann, wenn auch lästig.In die gleiche Kategorie sortiert sie den Imbissbetreiber, der die Pacht nicht mehr zahlen wollte. Auch er habe offenbar geglaubt, sie könne ihn nicht rausschmeißen. Nach Aufklärung, dass dies nicht für Gewerbe gelte, und einem sofortigen Inserat zur Neuvermietung in der Lokalzeitung wurden der resoluten Pensionärin nach eigenen Angaben unverzüglich 5000 Euro Nachzahlung aufs Konto überwiesen.Heydtmann berichtet von einem weiteren Vermietererlebnis: Am 30. Dezember kam über WhatsApp eine Nachricht mit Fotos über Schimmelbefall. Die am Silvestertag herbeigeeilte Vermieterin stellte in der Wohnung eine Luftfeuchtigkeit von 66 Prozent bei einer Temperatur von 19 Grad fest. Bei solchen Werten steigt das Schimmelrisiko. Ein Sachverständiger verwies auf haushaltsmäßige Verschmutzungen und schloss bauseits bedingte Ursachen aus. Die Mieterin habe nach diesem Minderungsversuch zwar das Anwaltshonorar der Vermieterin zahlen müssen, sagt Heydtmann. Auf den Kosten des amtlich vereidigten Sachverständigen in Höhe von 2400 Euro sei sie aber sitzen geblieben.Immobilien „Wohnen wird für immer mehr Mieter zu einer finanziellen Zumutung“ Fast jeder achte Mieter lebt laut Umfrage über seine Verhältnisse. Warum der Wunsch nach Wohneigentum groß ist und was viele vom Kauf abhält. Natürlich gebe es auch positive Beispiele, sagt Heydtmann. Etwa den Sozialhilfeempfänger, der pünktlich zahle und regelmäßig die Fenster putze. Oder den netten Hafenarbeiter, der gerne ein paar hübsche Fotos mit Schiffsbildern von seinem Van Carrier aus schicke. „Sie bekommen als Vermieterin das pralle Leben mit.“Wer neu vermiete, glaubt Heydtmann, müsse extrem misstrauisch sein. Am besten sei es, nur Garagen zu vermieten. Wer da nicht zahle, sei seinen Parkplatz sofort los – ohne nervenaufreibende Gespräche, ohne Kosten für Beweissicherung, ohne teure Gutachten und langwierige Gerichtstermine.In zehn Jahren ausgestorbenAndere Region, ähnliche Bilanz: Der Privatvermieter werde in zehn Jahren aussterben, prophezeit Beate Lang aus Altötting. Sie selbst verwaltet 500 Einheiten, die ihre Familie seit den Fünfzigerjahren in Bayern gebaut oder zugekauft und saniert hat. Doch die Zeiten haben sich geändert.„Die Arbeit wird immer anstrengender und anspruchsvoller“, sagt Lang, zum Beispiel die Abrechnung der Nebenkosten. Sie sollten eigentlich für Vermieter ein durchlaufender Posten sein, „aber inzwischen verursachen sie einen riesigen Aufwand“. Während sich die Mieten seit Mitte der Neunzigerjahre verdoppelten, hätten sich die Betriebskosten vervierfacht. Vor allem würden die Abrechnungen immer komplizierter, erklärungsbedürftiger und streitanfälliger.Die Nebenkosten sind nicht mehr zu verstehenViele Mieter verstünden die Abrechnungen nicht mehr, sagt Lang. Das führe oft zu mühseligen Diskussionen. Da sei etwa der Mieter im ersten Stock, der nicht einsehe, weshalb er für den Aufzug mitbezahlen müsse. Den Anspruch der Mieter auf eine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten findet Lang zwar richtig. Dass sie jedoch beispielsweise die Hausmeisterkosten auf jede Viertelstunde genau dokumentieren und nachweisen müsse, empfinde sie als Schikane.