AnalyseManagementfehler und das weggebrochene Geschäft in China lasten schwer auf den Aktienkurs des Stuttgarter Sportwagenbauers. Die Talsohle dürfte noch nicht erreicht sein. Dennoch gibt es noch Hoffnung – auch weil Porsche kein normaler Autohersteller ist.«Es ist klar: Mit seiner heutigen Aufstellung kann Porsche auf Dauer nicht wettbewerbsfähig bleiben.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diese harten Worte über den deutschen Sportwagenbauer stammen nicht von einem kritischen Branchenexperten. Es sind die Worte des eigenen CEO. Michael Leiters – viele Jahre Entwicklungschef bei Ferrari, zuletzt Chef der britischen Supersportwagenmarke McLaren und seit Anfang Januar CEO von Porsche – mahnte vergangene Woche bei der Präsentation der Halbjahreszahlen eindringlich, Porsche müsse jetzt entschlossen handeln und die Anstrengungen beschleunigen.Michael Leiters, seit 1. Januar CEO von Porsche.In der Tat ist der Handlungsdruck gross. Die Börsengeschichte von Porsche ist bisher alles andere als glorreich. Als das Unternehmen aus Stuttgart-Zuffenhausen im September 2022 an die Börse ging, schien der Investment Case verlockend. Ein Luxus-Sportwagenhersteller mit einer ansehnlichen operativen Marge von 18% und hervorragenden Wachstumsaussichten.Hinzu kamen ein lukrativer chinesischer Markt, auf dem sich die exklusiven Porsche-Modelle bestens verkaufen liessen, sowie die Zuversicht, dass sich die vor allem auf Verbrennern basierende Erfolgsgeschichte mit Elektroautos fortsetzen würde. Immerhin machte der vollelektrische Taycan 2021 bereits rund 8% des Verkaufs aus.Der vollelektrische Porsche Taycan (Black Edition)Bild: PorscheNach dem Börsengang häuften sich die ProblemeDoch was dann folgte, beschreibt Daniel Schwarz, Analyst beim deutschen Bankhaus Metzler, treffend: «2022 trat Porsche als schwäbischer Ferrari an, nur um 2025 wie ein BMW dazustehen.» Während Porsche 2023 noch einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 7,3 Mrd. € erzielte, waren es 2024 nur noch 5,6 Mrd., bevor der Gewinn 2025 auf mickrige 410 Mio. zusammenschmolz.Die Ebit-Marge fiel von über 18% auf noch 2% im Jahr 2025. Der dramatische Gewinnrückgang war zu einem grossen Teil auf ausserordentliche Aufwendungen von 3,9 Mrd. € für die Neuausrichtung des Konzerns zurückzuführen.Warum sich Porsche zu einer strategischen Vollbremsung genötigt sah, erklärt die folgende Grafik. Das einst lukrative Chinageschäft, das zu Spitzenzeiten fast ein Drittel des Umsatzes ausmachte, ist in den vergangenen Jahren dramatisch eingebrochen. 2025 war es nur noch für rund 12% des Umsatzes verantwortlich.Neben der wegbrechenden Nachfrage nach Luxusautos in China zeigte sich, dass der Wertverlust bei den elektrischen Porsche-Modellen deutlich höher ausfällt als bei Verbrennern. Für Hersteller von Luxusgütern ist der Werterhalt ihrer Produkte jedoch zentral, um die Begehrlichkeit zu bewahren. Vor allem Porsches Ikone, der Porsche 911, ist dafür bekannt, mitunter sogar an Wert zu gewinnen.Die schlechte Stimmung spiegelt sich an der Börse. Seit dem Allzeithoch im Frühjahr 2023 haben die Aktien mehr als 60% eingebüsst. Das ist mehr, als andere deutsche Autobauer verloren haben.Auch die Analysten sind negativ gestimmt. Lediglich 25% der von Bloomberg erfassten Analysten sprechen eine Kaufempfehlung für die Aktien aus. Das ist selbst für einen deutschen Autobauer wenig Zuspruch. Während beim Porsche-Mutterkonzern Volkswagen rund 54% zum Kauf raten, sind es bei Mercedes-Benz 45% und bei BMW immerhin noch 40%. Hinzu kommt, dass Porsche seit vielen Monaten Liebling der Leerverkäufer ist.Die Talsohle ist noch nicht erreichtDie Skepsis hat auch damit zu tun, dass Porsche die Talsohle noch nicht erreicht haben dürfte – zumindest was die Auslieferungszahlen betrifft. 2026 werden die Stuttgarter gemäss Schätzung der Grossbank UBS rund 246’000 Autos verkaufen, was deutlich unter dem Wert vom Rekordjahr 2023 mit 320’000 abgesetzten Fahrzeugen liegt.Die Produktion des Porsche Macan mit Benzinmotor wurde im Juli 2026 endgültig eingestellt.Bild: Porsche2027 dürften es gemäss UBS mit 210’000 Fahrzeugen noch einmal deutlich weniger werden, bevor das Absatzvolumen 2028 anziehen soll. Verantwortlich für den erwarteten erneuten Rücksetzer ist vor allem eine Fehlplanung beim Macan (in der folgenden Grafik gelb dargestellt), derzeit das absatzstärkste Fahrzeug von Porsche. Im Juli 2026 lief die Produktion des Verbrenner-Macan aus.Zwar ist bereits eine elektrische Version des beliebten Mittelklasse-SUV auf dem Markt, ein Nachfolger mit Verbrennungsmotor wird jedoch erst 2028 erwartet. Ursprünglich wollte Porsche die zweite Generation des Macans ausschliesslich elektrisch anbieten. Weil der Hochlauf der Elektromobilität im Luxussegment langsamer verlief als erwartet, vollzog der Sportwagenbauer 2025 jedoch die Kehrtwende und kündigte an, wieder vermehrt auf Verbrennermodelle setzen zu wollen – zu spät allerdings, um die «Macan-Lücke» im Jahr 2027 noch verhindern zu können.Warum der Investment Case dennoch interessant istUnd dennoch: Trotz des massiven Volumenrückgangs, der fehlgeleiteten Produktstrategie und der eingebrochenen Gewinnmarge bleibt Porsche aus Anlegersicht interessant.Der Sportwagenbauer leidet – mit Ausnahme von China – nicht an mangelnder Nachfrage, sondern an den Folgen falscher Managemententscheide. Das drastisch gesunkene Absatzvolumen belastet zwar die Profitabilität, weil die Produktionsstätten nicht ausgelastet sind. Doch Porsche kann in der Krise sein wichtigstes Asset verteidigen: die Marke.In einer vorletzte Woche veröffentlichten Studie, in der er die Porsche-Aktien gleich doppelt von «Sell» auf «Buy» hochstufte, betont Metzler-Analyst Schwarz, dass die Preise von Porsche trotz des überdurchschnittlichen Absatzrückgangs stabil geblieben sind. Das ist ungewöhnlich für einen Autohersteller mit hohen Fixkosten.Autobauer müssen stets zwischen Preis und Absatzvolumen abwägen. Porsche verfolgt seit jeher das Mantra «Value over Volume», das CEO Leiters seit seinem Amtsantritt noch stärker in den Mittelpunkt gerückt hat. Das heisst, Preissetzungsmacht und langfristige Wertstabilität sind wichtiger als hohe Verkaufszahlen. Um dieses Mantra auf den Prüfstein zu stellen, verglich Schwarz die Entwicklung von Absatzvolumen und Umsatz der einzelnen Hersteller vom ersten Quartal 2023 bis zum ersten Quartal 2026 (siehe Tabelle). Das Ergebnis: Angesichts des hohen Rückgangs beim Absatzvolumen verliert Porsche erstaunlich wenig Umsatz.Die Anzahl der verkauften Autos fiel zwar um satte 31%. Der Umsatz sank jedoch lediglich um 17%. Daraus ergibt sich eine positive Differenz von 14 Prozentpunkten, die Schwarz auf den Produktmix, aber auch auf die Preissetzung zurückführt. «Je grösser diese Lücke ist, desto stärker ist aus unserer Sicht die Preissetzungsmacht – beziehungsweise die Bereitschaft und Fähigkeit, zugunsten höherer Preise auf Absatzvolumen zu verzichten.»Bei Premiummarken wie BMW (–9%) und Mercedes (–1%) ist diese Kennzahl negativ. In der Tabelle wird aber auch ersichtlich, wer der Primus in Sachen Preissetzung ist: Obwohl auch bei Ferrari das Absatzvolumen um 4% leicht zurückging, steigerte der italienische Luxuswagenhersteller den Umsatz um 29%.Porsche muss schlanker werdenDoch eine starke Marke allein genügt nicht für eine erfolgreiche Trendwende. Porsche muss auch seine Strukturen, insbesondere die Produktionskapazität, neu ausrichten. Gemäss UBS-Analyst Hummel war die Produktion von Porsche beim Börsengang 2022 auf rund 350’000 Fahrzeuge ausgelegt. Künftig dürfte sie auf etwa 250’000 bis 280’000 Fahrzeuge verschlankt werden, schreibt der Analyst, der die Aktien im Juni von «Neutral» auf «Buy» hochgestuft hat.Während die Bemühungen unter der früheren Führungsmannschaft um Oliver Blume laut Hummel überschaubar geblieben seien, mache der neue CEO Michael Leiters einen deutlich entschlosseneren Eindruck. Der Analyst geht davon aus, dass Porsche bis zum Ende des Jahrzehnts die personenbezogenen Kosten um 10 bis 15% senken könne. Dazu passend kündigte der Sportwagenbauer vergangene Woche den Abbau weiterer 5000 Stellen bis 2035 an. Insgesamt sollen somit knapp 9000 Stellen wegfallen – immerhin ein Fünftel der Belegschaft.Im Rahmen der Präsentation der Zahlen für das zweite Quartal unterstrich das Management, dass die organisatorische Verschlankung «über alle Ebenen hinweg» Priorität habe. Ziel sei es, die Kostenbasis zu reduzieren, die Gewinnschwelle zu senken und die Komplexität zu verringern – etwa durch den Verkauf von Beteiligungen wie Bugatti und Rimac. Mehr Klarheit dürfte hier der Kapitalmarkttag vom 7. Oktober bringen.Zurück zum Verbrenner – und zu einer höheren MargeNeben einer schlankeren Struktur braucht Porsche zudem einen besseren Produktmix, um nicht nur die Verkaufszahlen, sondern vor allem die Marge zu steigern. Auch hier sieht UBS-Analyst Hummel mittelfristig Besserung. Die Produkt-Roadmap für die kommenden Jahre biete eine deutlich ausgewogenere Balance zwischen reinen Elektrofahrzeugen und Modellen mit Verbrennungsmotor.Cayenne Electric, seit 2026 auf dem Markt.Bild: PorscheIm Frühjahr 2026 wurde der elektrische Oberklasse-SUV Cayenne eingeführt. Das Modell verspricht zwar hohe Volumen, dürfte die Profitabilität jedoch kaum stützen. 2027 rechnet UBS mit dem Marktstart der elektrischen 718-Reihe mit Boxster und Cayman. Die beiden Modelle dürften die durch den Macan entstandene Absatzlücke allerdings nur teilweise schliessen. Entscheidend wird deshalb die für 2028 erwartete nächste Generation des Macan mit Verbrennungsmotor. Im selben Jahr sollen neue Versionen der Luxus-Sportlimousine Panamera folgen.Ab 2029 wird zudem ein neues SUV mit Verbrennungsmotor erwartet. Es soll oberhalb des erfolgreichen Cayenne positioniert werden und entsprechend attraktive Bruttomargen erzielen. Gleichzeitig dürfte die nächste Generation des Cayenne mit Verbrennungsmotor auf den Markt kommen. Für 2030 prüft Porsche zudem einen neuen Supersportwagen, der oberhalb des Porsche-Aushängeschilds 911 angesiedelt wäre.Warum die Aktien schon heute kaufen?Warum aber sollten Anleger die Porsche-Aktien schon heute kaufen, wenn das schwierige Übergangsjahr 2027 noch bevorsteht und eine Erholung bei Margen und Absatzvolumen erst ab 2028 zu erwarten ist? UBS-Analyst Hummel glaubt, dass die schlechten Nachrichten im Kurs eingepreist sind und die Anleger ihren Fokus zunehmend auf das mittelfristige Potenzial richten werden. Bis 2030 sieht er die Ebit-Marge auf 13% steigen.Auch Metzler-Analyst Schwarz glaubt, dass die schwächeren Volumen der Jahre 2026 und 2027 bereits eingepreist sind. Für Porsche sei entscheidend, dass die Preise stabil bleiben. Schon in der Vergangenheit habe die Preissetzungsmacht einen Grossteil der negativen Effekte sinkender Absätze aufgefangen. Zwar dürften die Verkaufszahlen erst ab 2028 wieder wachsen. Bis dahin sollte sich der Rückgang aber Schritt für Schritt abschwächen. Das reicht aus, damit sich die Gewinnentwicklung bereits vorher verbessert.Auch für The Market spricht vieles dafür, dass sich Porsche mittelfristig zu einem kleineren, dafür besser aufgestellten Sportwagenhersteller entwickelt. Die Fehler der Vergangenheit kosten das Unternehmen zwar noch in diesem und im nächsten Jahr Volumen. Bewahrheitet sich jedoch, dass das wichtigste Asset von Porsche – die Marke – die Krise unbeschadet übersteht, ist die Grundlage für einen erfolgreichen Turnaround gelegt.Dass der chinesische Markt nur noch 12% des Geschäfts ausmacht, ist dabei sogar ein Vorteil. Porsche ist nun deutlich weniger von China abhängig als andere deutsche Autohersteller.Hinzu kommt, dass die Bewertung wenig anspruchsvoll ist. Das Verhältnis von EV/Ebitda (Unternehmenswert zum operativen Gewinn) auf Basis des für die kommenden zwölf Monate erwarteten Ergebnisses liegt bei Porsche mit etwas mehr als 7 nur knapp über dem Wert von Volkswagen und unter dem von BMW (8) und Mercedes (9).Zu Zeiten des Börsengangs war Porsche hier noch klar vorne, in den kommenden Jahren könnte der Konzern die Führung wieder übernehmen.