Saudiarabien interveniert: Donald Trump sagt den geplanten Grossangriff auf Iran abNach einem Gespräch mit Mohammed bin Salman verspricht Trump, dass die «Grundzüge» eines Abkommens mit Teheran vereinbart seien – Iran dementiert. Wie nah ist eine Übereinkunft zwischen den Kriegsparteien tatsächlich?02.08.2026, 16.11 Uhr4 LeseminutenRauch steigt über einer Ölanlage im Osten Saudiarabiens auf: Riad ist besorgt, dass die Wirtschaft des Landes noch weiteren Schaden nimmt.Copernicus Sentinel-2 / EU via ReutersAm Wochenende hatte sich der Nahe Osten auf das Schlimmste vorbereitet – und hat am Sonntagmorgen vorerst aufgeatmet. Laut Berichten hatten die USA gemeinsam mit Israel eine massive Bombenkampagne gegen Irans Energieinfrastruktur geplant. Amerikanische Botschaften von Kairo bis Bagdad warnten ihre Staatsbürger vor Reisen in die Region, die israelische Armee befand sich in höchster Alarmbereitschaft. Doch dann sagte Donald Trump die Eskalation in letzter Sekunde ab.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am frühen Sonntagmorgen gab der amerikanische Präsident bekannt, dass die USA von den geplanten Angriffen auf Iran vorerst absähen. Dies geschehe auf Wunsch Teherans und anderer Länder im Nahen Osten, «da die Grundzüge eines Abkommens vereinbart wurden», schrieb Trump auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. Diese Vereinbarung umfasse die vollständige Öffnung der Strasse von Hormuz sowie ein Ende der «nuklearen Bedrohung» durch Iran.Hinter den Kulissen liefen die diplomatischen Bemühungen über das Wochenende auf Hochtouren, um die amerikanischen Kampfjets am Boden zu halten. So berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Saudiarabiens am Sonntag, Kronprinz Mohammed bin Salman habe in einem Telefonat gegenüber Trump die Notwendigkeit betont, «dem Dialog Vorrang einzuräumen, um eine Eskalation zu verhindern». Vor allem der Druck der Golfstaaten dürfte Trump zu einem Umdenken bewogen haben.Saudiarabiens Wirtschaft stürzt abKeine Petromonarchie am Golf will eine weitere Eskalation des Kriegs. Denn die Golfaraber wissen, dass die iranische Vergeltung vor allem sie treffen würde. Irans Aussenminister Abbas Araghchi hatte am Samstag in separaten Gesprächen mit Pakistans Armeechef, dem türkischen sowie dem saudischen Aussenminister angekündigt, Teheran werde auf amerikanische Attacken entschieden und verhältnismässig antworten. Mit anderen Worten: Angriffe auf Irans Energieinfrastruktur würden mit Beschuss auf Raffinerien oder Kraftwerke in den Golfstaaten vergolten werden.Ali Abdollahi, ein hochrangiger iranischer General, drohte noch unverblümter. «Jedes Land, das sich dafür entscheidet, als Schutzschild für die kriminellen und aggressiven USA zu dienen, wird von den Flammen des Krieges verschlungen werden», sagte Abdollahi laut iranischen Staatsmedien.Um den Worten Teherans Nachdruck zu verleihen, hatte Iran am Samstag das Golfemirat Kuwait mit Drohnen angegriffen. Laut kuwaitischen Angaben wurde die Attacke abgewehrt, die Drohnen sollen kritische Infrastruktur im Norden des Landes anvisiert haben.Der mächtige saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte bei Donald Trump interveniert, damit die geplanten Angriffe auf Iran gestoppt werden.Mark Schiefelbein / APVor allem Saudiarabien strebt nach einer Détente mit Iran. Der grösste und mächtigste Golfstaat hatte bereits eine Delegation zur Beerdigung von Ayatollah Ali Khamenei geschickt – obwohl Iran während des Kriegs die saudische Hauptstadt und die Ölanlagen des Landes attackiert hatte. Die Aussenminister Irans und Saudiarabiens stehen in stetem Kontakt miteinander.Riad ist wegen der desolaten Wirtschaftslage besorgt. Das saudische Bruttoinlandprodukt ist laut jüngsten Zahlen im zweiten Quartal 2026 um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Der Grund für den Rückgang sind die immens gefallenen Erlöse aus dem Ölsektor: Riad rapportierte vor wenigen Tagen eine Verminderung der Erlöse aus dem Ölgeschäft um 24,7 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2025.Hinzu kommt, dass seit rund zwei Wochen neben der Strasse von Hormuz auch die wichtigste Alternativroute für saudisches Erdöl in Gefahr ist: Die Huthi-Miliz hatte erklärt, die Meerenge von Bab al-Mandab im Roten Meer für saudische Tanker zu sperren. Die jemenitischen Stammeskrieger hatten kurz darauf zwei Schiffe attackiert.Mohammed bin Salman plant mit seiner Vision 2030 einen radikalen Umbau des Königreichs und benötigt hohe Wachstumsraten, um die Wirtschaft seines Landes auf eine neue Grundlage zu stellen. Weitere Angriffe auf saudisches Territorium kämen daher zur Unzeit für den ambitionierten Kronprinzen.Iran dementiert Berichte über EinigungEbenso hat das kleine Erdgas-Emirat Katar wohl zwischen den USA und Iran vermittelt. Am Sonntag forderte der katarische Aussenminister, dass die vage Absichtserklärung für einen Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran umgesetzt werde.Der israelische Fernsehsender Kanal 12 berichtete gleichzeitig unter Berufung auf anonyme diplomatische Quellen, Katar habe eine Kompromisslösung für die Strasse von Hormuz verhandelt. Gemäss ihr sollen Schiffe auf der von Iran kontrollierten Seite der Meerenge in den Persischen Golf einlaufen und das maritime Nadelöhr über die Route in der Nähe der omanischen Küste wieder verlassen. Eine solche Einigung würde Teheran eine langfristige Kontrolle über den strategisch wichtigen Wasserweg ermöglichen.Noch fährt kein Schiff durch die Strasse von Hormuz: Frachter vor der Meerenge in der Nähe der omanischen Küste.ReutersDie iranische Nachrichtenagentur Fars dementierte wenige Stunden später Medienberichte über eine Übereinkunft. Laut Fars hat Teheran keiner Öffnung der Strasse von Hormuz zugestimmt. Allerdings verneinte die Nachrichtenagentur nicht, dass Diskussionen mit Vermittlern stattfinden.In den vergangenen Tagen hatten die Verhandlungen zwischen Oman und Iran über eine mögliche gemeinsame Verwaltung des Wasserwegs wieder Fahrt aufgenommen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hatte Oman Teheran vergangene Woche einen von den Golfstaaten unterstützten Plan vorgelegt, der die Möglichkeit von «freiwilligen Gebühren» für die Nutzung der Meerenge vorsieht.Die USA hatten in der Vergangenheit jedoch einen Kompromiss abgelehnt, mit welchem Iran die Möglichkeit erhielte, Gebühren für die Durchfahrt zu erheben. Die Positionen der Kriegsparteien liegen also noch weit auseinander.Ausserdem hatte sich der Krieg jüngst regional ausgeweitet. Nicht nur die Huthi eröffneten eine neue Front, auch zwei Flüssiggastanker im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta fingen am Donnerstag nach einem Drohnenangriff Feuer. Für die Attacke übernahm bisher niemand die Verantwortung. Saudiarabien bombardierte darüber hinaus vor wenigen Tagen gemeinsam mit den USA erstmals Stellungen von Iran-treuen Milizen im Irak. Auch wenn die grosse Eskalation am Sonntag vorerst ausblieb: Von Stabilität bleibt der Nahe Osten noch weit entfernt.Passend zum Artikel