Iran und die USA verhandeln laut Trump «ernsthaft». Teheran festigt unterdessen seine Kontrolle über die Strasse von HormuzDer amerikanische Präsident hat laut eigenen Angaben einen geplanten Angriff auf Iran abgesagt. Das Regime soll offenbar zu kleinen Zugeständnissen im Nukleardossier bereit sein. Aus der Strasse von Hormuz will Teheran jedoch langfristig Profit schlagen.19.05.2026, 15.49 Uhr4 LeseminutenHat Iran wirklich Konzessionen gemacht – oder will das Regime nur weiter auf Zeit spielen? Im Bild: Irans Präsident Masud Pezeshkian vergangene Woche in Teheran.Iranian Presidency / ImagoDie USA haben laut eigenen Angaben im letzten Moment von einem Angriff auf Iran abgesehen. Am späten Montagabend schrieb der amerikanische Präsident Donald Trump auf seinem Netzwerk Truth Social, er habe einen für Dienstag geplanten Militärschlag ausgesetzt. Der Grund: Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien hätten ihn darum gebeten. Ausserdem fänden nun «ernsthafte Verhandlungen» über ein Abkommen statt, an dessen Ende Iran keine Atomwaffen mehr besitzen werde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Regime in Teheran hatte die Bevölkerung bereits auf einen neuen Krieg vorbereitet: Seit Tagen zeigen sich iranische Nachrichtensprecher im Staatsfernsehen mit Sturmgewehren und beschwören den Abwehrkampf im Fall eines neuen amerikanisch-israelischen Angriffs auf die Islamische Republik. Ein Moderator feuerte eine Kalaschnikow im Studio ab.Tatsächlich hatte Iran am Montag einen überarbeiteten 14-Punkte-Plan für ein Kriegsende an den Vermittler Pakistan gesendet, nachdem Trump einen ersten Vorschlag Teherans «inakzeptabel» genannt hatte. Laut Berichten soll Iran jetzt zu kleineren Zugeständnissen beim Nukleardossier bereit sein. Doch gleichzeitig enthüllte Teheran einen offiziellen Mechanismus, um die Schifffahrt durch die Strasse von Hormuz langfristig zu kontrollieren.Kommt Irans angereichertes Uran nach Russland?Laut dem saudischen Staatsfernsehen soll sich Iran in dem überarbeiteten Dokument dazu bereit erklären, die rund 400 Kilogramm hoch angereichertes Uran abzugeben, die sich noch im Land befinden. Das Uran soll gemäss dem Fernsehsender al-Hadath nach Russland gebracht werden. Donald Trump hatte zuvor gefordert, dass Iran das Material den USA übergibt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll Washington derweil dazu bereit sein, schrittweise 25 Prozent der in den USA eingefrorenen iranischen Vermögenswerte freizugeben. Darüber hinaus soll über die Lockerung von Sanktionen verhandelt werden.Iran werde jedoch nicht auf sein Recht auf Anreicherung verzichten, sagte der iranische Vizeaussenminister Kazem Gharibabadi kürzlich. Die USA beharren laut Trump auf einem Moratorium der Urananreicherung für die nächsten zwanzig Jahre.Ein weiterer Knackpunkt ist laut Berichten die Reihenfolge einer möglichen Übereinkunft. Iran fordert ein definitives Kriegsende in der gesamten Region, inklusive eines Stopps der israelischen Angriffe in Libanon, und will erst danach über ein Nuklearabkommen verhandeln. Die USA wollen laut der «Washington Post» einem Kriegsende jedoch nur zustimmen, wenn Iran zuvor Zugeständnisse bei der Nuklearfrage macht.Es ist davon auszugehen, dass Trump vor allem der Druck der Golfstaaten zu einem Aufschub der Angriffe bewogen hat – weniger Irans Flexibilität bei den Verhandlungen. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass Iran im Fall neuer amerikanisch-israelischer Attacken mit Raketen- und Drohnenangriffen auf die Energieinfrastruktur in den Petrostaaten antwortet.Iran festigt Kontrolle über die Strasse von HormuzNoch bleibt darüber hinaus unklar, wie genau eine freie Schifffahrt durch die Strasse von Hormuz ermöglicht werden soll. Seit Wochen blockiert Iran Tanker und Frachtschiffe, die das Nadelöhr am Persischen Golf durchqueren wollen. Die USA haben als Reaktion iranische Häfen blockiert. Laut Berichten soll Teheran horrende Zahlungen von den wenigen Schiffen verlangt haben, die den Wasserweg passiert haben.Eine iranische Fähre verkehrt noch in der Nähe der Strasse von Hormuz, während die Frachter im Hintergrund weiterhin ankern.Majid Saeedi / GettyEin solches Mautsystem will die Islamische Republik jetzt offenbar institutionalisieren. Am Montag teilte Irans Rat für nationale Sicherheit mit, dass die Behörde für die Meerenge des Persischen Golfes offiziell ihren Betrieb aufnehme. Sie wird laut dem Sicherheitsrat Neuigkeiten in Echtzeit über die Strasse von Hormuz übermitteln – und Gebühren für den Transit eintreiben.Zuvor hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, dass Iran in Zukunft für Schiffe, die die Meerenge passieren wollten, eine Versicherung anbiete. Die Prämie müsse in Bitcoin bezahlt werden. Auf X schrieb Ebrahim Azizi, dass «nur Handelsschiffe, die mit Iran kooperieren», von dem neuen Mechanismus «profitieren» könnten. Alle Schiffe hingegen, die mit der amerikanischen Blockade kollaborierten, könnten die von Iran vorgesehene Route nicht verwenden, verkündete der Vorsitzende des Ausschusses für nationale Sicherheit und Aussenpolitik im iranischen Parlament.In der Teheraner Metro wurden in den vergangenen Tagen Plakate gesichtet, auf denen ein kniender Trump mit einem Bündel Geldscheine abgebildet ist. Darüber steht die Behauptung geschrieben, Iran könne 100 Milliarden Dollar im Jahr mit den Transitgebühren für die Strasse von Hormuz verdienen.Nicht nur die USA, auch die Golfstaaten und Europa lehnen eine mögliche iranische Kontrolle des Wasserwegs ab, durch den in Friedenszeiten 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasexporte verschifft wurden. Sollte Teheran seinen Plan umsetzen, dürfte die internationale Isolation des Regimes zunehmen. Doch offenbar breitet sich in Teilen des Regimes eine neue Denkweise aus: Wenn die marode Wirtschaft des Landes nicht durch Sanktionsaufhebungen in Verhandlungen gerettet werden kann, könnte das maritime Schutzgeld eine Alternative sein.Passend zum Artikel