Laute Signale, ein 6:0-Sieg und viel Team: Als wäre YB Champion – und nicht ThunDie Young Boys haben in der Sommerpause Millionen investiert, dürsten nach Wiedergutmachung und erzielen in zwei Spielen gleich zehn Tore. Im Gegensatz zum FC Basel lassen sie aufhorchen.02.08.2026, 12.59 Uhr4 Leseminuten1, 2, 3, 4, 5 und 6: Joël Monteiro erzielt in Thun früh das erste YB-Tor.IMAGO/Livio Baeriswyl / SPP / ImagoDas kann sich die YB-Chefetage auf der Zunge zergehen lassen: Die in der letzten Saison schwer enttäuschende Mannschaft der Young Boys beginnt die Saison ohne ihre zuletzt besten Torschützen Chris Bedia (Abgang nach Saudiarabien) und Christian Fassnacht (WM/Ferien), also ohne kumuliert 35 Tore. Das ist viel und mehr als die Hälfte der YB-Ausbeute 2025/26. Zwei Spiele sind durch, und es ist erstaunlicherweise so, als würden Bedia und Fassnacht nicht vermisst.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Young Boys starten furios, dem 4:2-Heimerfolg gegen den FC Sion lassen sie am 1. August in der ausverkauften Arena des Schweizer Meisters aus Thun einen 6:0-Kantersieg folgen. Der Stürmer Samuel Essende erzielt zwei Tore, wie schon gegen den FC Sion. Essende ist jener Angestellte, der Bedia in der letzten Saison vor die Nase gesetzt wurde. Wie ist das möglich? Fragte man damals. Wann wurde jemals in der Super League ein Topskorer degradiert? Fragte man dazu.Darum. Antworten die YB-Verantwortlichen heute. Sie haben für Essende, dem sie in Augsburg nicht nachweinen, ein paar Millionen Schweizerfranken in die Hand genommen. Essende hat bereits vier Tore erzielt, wovon deren zwei per Penalty. Auch Bedia polierte die Bilanz mit Elfmetern auf. Die YB-Rechnung geht vorläufig auf. Und wie. Essende vorne – und Cédric Zesiger hinten im Abwehrzentrum.Zesiger soll der neue YB-Pfeiler seinAuch Zesiger kostete über drei Millionen, kehrte aus Augsburg nach Bern zurück. Er ist Captain geworden und soll die Abwehr stabilisieren, die viel zu viele Gegentore zugelassen hat. YB hat Leihspieler Lewin Blum (Charleroi) und Kastriot Imeri (Thun) zurück und Personal (Zoukrou, Raveloson, Cordova, Colley) in die Türkei abgeschoben, meist leihweise. Loris Benito, der frühere Captain, sitzt auf der Ersatzbank und kümmert sich beim Aufwärmen vor dem Match auch um Spielfeld-Markierungen.Und schon scheint sie präsent zu sein, «die andere Energie», wie sich der YB-Trainer Gerardo Seoane am Samstag spätabends im Kabinengang des Thuner Stadions ausdrückt. Der Rechtsverteidiger und Torschütze Blum wird in Thun bei seiner Auswechslung von der YB-Kurve wie ein Klubheld gefeiert. Heute mutet irritierend an, dass sich YB und Blum zuletzt vorübergehend getrennt haben. Vielleicht hat es im Rückblick auch etwas Gutes, weil Blum mit jeder Grätsche zeigt, dass er auf neue Liebe brennt.Natürlich hat Seoane die allgemeine Besserung kommen sehen, wie er jetzt sagt, schon gegen Ende der letzten Saison, die das Team punkto Resultate deutlich schlechter abschloss als unter dem Seoane-Vorgänger Giorgio Contini. «Manchmal braucht es nicht viel, damit sich in der Kabine die Energie verändert. Das muss nichts heissen gegen jene, die nicht mehr da sind», sagt Seoane.YB soll wieder das YB von früher werdenAuf jeden Fall ist auffällig, wie die YB-Spieler nach ihrem markanten Signal in Thun den Teamgedanken hervorstreichen. «Ich bin dafür geholt worden, damit sich etwas ändert», sagt Zesiger. Oder in der Kurzform: «Andere Mentalität, andere Qualität, anderes YB.» Der junge Traumtänzer Alvyn Sanches hat im Kern auf Französisch zwei Botschaften: «magnifique» und «c’est la même direction». Also «die gleiche Richtung».2 Spiele, 10 Tore. In Thun ist der Match schon etwas mehr als einer halben Stunde (3:0) mehr oder weniger erledigt. Die Stadtberner machen sich zum Saisonbeginn ganz anders bemerkbar als zum Beispiel der FC Basel, der nach dem knappen 1:0-Sieg in Genf gegen den Servette FC das erste Heimspiel gegen Lausanne 0:1 verliert und Pfiffe hört. Sowohl YB wie auch Basel wollen die arge Enttäuschung der letzten Spielzeit vergessen machen.Das 6:0 ist nicht nur der Sieg der Young Boys, sondern auch die 0:6-Niederlage des FC Thun. Wie sich die Bilder ändern können. Der Thun-Verteidiger Jan Bamert steht nach dem Rückschlag vor einem Mikrofon und sagt: «Das war gar nichts, gar nichts, ich weiss auch nicht, wir waren inexistent. Jeder muss sich hinterfragen.» Gar nichts ist wenig für einen Champion, der in der Qualifikation zur Champions League dem kroatischen Meister Dinamo Zagreb in zwei Vergleichen (1:1, 2:3) in erstaunlicher Art und Weise die Stirn bot und nur knapp gescheitert ist.Der Thuner Blackout kommt wie aus dem Nichts, zumal der Saisonstart in Luzern (3:1) geglückt ist. Doch der FC Thun muss erfahren, dass nicht jeder Wechsel ohne Konsequenzen bleiben kann. Der Trainer Gian-Luca Privitelli rotiert im Team weiter und nominiert gegen YB Spieler wie Ashwin Balaruban oder ganz vorne den schwer enttäuschenden Layton Stewart, die in der Meistersaison keine Rolle gespielt haben. Oder im Zentrum des Mittelfelds Fabio Saiz, der aus der Challenge League (Yverdon) ins Berner Oberland gekommen ist und die Super League bis jetzt fast nur vom Hörensagen kennt.Thun übt sich im (Europacup-)SpagatThun muss ökonomisch haushalten. Die Niederlage gegen YB wird auch deshalb so krass, weil der Champions den Match irgendwann abschreibt. Schon am Donnerstag geht’s in der Qualifikation zur Europa League gegen den isländischen Meister Vikingur Reykjavik weiter, ehe am Sonntag das Spiel in Basel ansteht. «Es ist ja nicht so, dass wir judihui sagen und nach Zagreb oder später nach Island reisen – und zwischendurch noch YB und Basel mitnehmen», sagt Privitelli.Das Jonglieren zwischen Europacup und Meisterschaft ist das Los des Kleinklubs, der sich auch nach dem Titel nicht aufblasen will. Im Gegensatz zu YB, dessen Volumen auf den Europacup ausgerichtet ist. Eigentlich. Am 1. August war das (wieder) zu sehen. Zumindest in der Momentaufnahme. Die vermaledeite YB-Saison 2025/26 und das Verpassen des Europacups werden noch ärgerlicher, als sie es ohnehin schon sind.Passend zum Artikel