Super League: Der FC Thun verliert in Basel 2:4 und hilft dem Trainer Stephan Lichtsteiner im Ringen um WohlwollenDer Meister aus dem Berner Oberland hat den Kopf derzeit anderswo und erhält in zwei Spielen gegen YB und Basel zehn Gegentore. Das wirft Fragen auf, wird aber zur willkommenen Einladung für die Stabilität suchende Konkurrenz.09.08.2026, 19.58 Uhr5 LeseminutenAm Ende darf auch noch der eingewechselte Xherdan Shaqiri einen Treffer bejubeln.Georgios Kefalas / KeystoneWer es gut meint mit Stephan Lichtsteiner, sagt, der Trainer sei im St.-Jakob-Park vor dem Match gegen den FC Thun vom Publikum indifferent empfangen worden. Wer es schlecht meint mit ihm, berichtet von einzelnen Pfiffen. Auf jeden Fall liegt kein Wohlwollen im Stadion, als über die Lautsprecher der Name des Trainers des FC Basel genannt wird. Es ist und bleibt eine zähe Beziehung zwischen Lichtsteiner und Basel.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Da bietet sich der Gegner aus Thun als Aufmunterung geradezu an. Der Meister kämpft nach dem 3:0-Heimsieg gegen Vikingur Reykjavik in der nächsten Woche in Island um den Einzug in eine europäische Gruppenphase, die ein paar Millionen Euro zur Folge haben wird. Setzen sich die Thuner durch, ist ihnen zumindest die Conference League sicher. Das führt dazu, dass sie sich derzeit in einem Labor wiederfinden: Wie stark und wie oft kann ein Team zwecks Schonung von Protagonisten verändert werden? Fast unbeschränkt, wenn man einzelne Spiele geradezu abschreibt.Die Berner lassen wie aus dem Nichts den noch nicht 20-jährigen Stürmer Simon Lengen debütieren. Sie wechseln wieder das halbe Team. Das führt dazu, dass der FC Basel in der ersten Halbzeit nicht nur zwei Tore durch Asane Sow erzielt, sondern auch mehr Schüsse aufs Tor bringt als in den ersten zwei Spielen zusammen. Am Schluss freut sich die gebeutelte Basler Seele am 4:2-Sieg.Als Lichtsteiner in der Medienkonferenz zu seiner Befindlichkeit befragt wird, ist schnell klar, wie sehr er unter Druck steht. Er fordert «Respekt» ein und wendet sich in der Folge gezielt an einen Medienvertreter. Vor allem die jungen Spieler hätten mehr Respekt verdient, meint er, die Stimmungslage rund um den Klub ignorierend. Und über sich sagt er den seltsamen Satz: «Ich war das ganze Leben lang unter Druck.»Lichtsteiner zehrt noch immer von Juventus TurinWie ein Fluch lastet auf diesem Trainer, dass seine Karriere gross gedacht wird, weil sein Weg als Spieler aussergewöhnlich gross war. Zumal für einen Defensiv-Schweizer, dem das Talent nicht in die Wiege gelegt worden ist wie Xherdan Shaqiri. 108 Länderspiele, Endrunden, Serienmeister mit Juventus Turin. Das prägt. Doch das Dekor Juventus und sieben Serie-A-Titel ändern nichts daran, dass auf dem beruflichen Werdegang Stephan Lichtsteiners seit Anfang 2026 so irdische Dinge wie die Super League und der FC Basel verhandelt werden.Er sagt noch heute, dass er als Trainer-Novize die Situation in Basel «überhaupt nicht unterschätzt» habe. Und dies, obschon viel darauf hindeutet, dass für ihn alles etwas schnell gegangen ist. Jugend- und Amateurfussball – und sofort hinein in den Schweizer Spitzenfussball. Nicht in Thun oder Winterthur, sondern in Basel, wo seit dem Einstieg des Klubchefs David Degen viel zu orten ist, aber nicht Ruhe und Geduld.Das weiss Lichtsteiner. Ihm ist bewusst, dass es nichts heissen muss, wenn ihm Degen vor der Saison im klubeigenen Podcast den Rücken stärkt, weil im Umfeld des Klubs seit Wochen gemault wird. Daran ändern auch vier Tore in einem Spiel nichts. Degen sagte: «Lichtsteiner wird Trainer bleiben, aber auch er kennt das Geschäft.» Degen fordert, dass das Team eine «andere Mentalität auf den Platz» bringe, und schliesst mit einer Frage, die eine Mahnung in sich trägt: «Wer kämpft gegen Widerstände?»Basel wechselte den Trainer – und es wurde schlechterDer FC Basel hat die letzte Saison duldsam über sich ergehen lassen. Nach dem Doublegewinn 2025 wurde der neue Trainer Ludovic Magnin nach etwas mehr als einem halben Jahr entlassen. Mit dessen Nachfolger Lichtsteiner wurden die Leistungen schlechter und gipfelten im monumentalen Eigentor, dass die Basler sogar den Europacup verpassten.Balsam für die Seele: Der FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner darf vier Basler Tore gegen das B-Team des FC Thun zur Kenntnis nehmen.Grant Hubbs / ImagoFür Lichtsteiner bleibt die Lage wackelig, weil nicht nur er weiss, dass David Degen über den heissen Sommer 2026 nicht plötzlich ein anderer Entscheidungsträger geworden ist. Nach drei Spielen stimmt zumindest die Summe der Resultate. 1:0 in Genf gegen den Servette FC, die 0:1-Niederlage gegen Lausanne und jetzt der 4:2-Erfolg gegen die B-Ausgabe des FC Thun.Man darf sich von Momentaufnahmen nicht blenden lassen. Lichtsteiner hat vor dem Thun-Spiel bereits wieder eine «negative Stimmung» ausgemacht. Gefordert wird Besserung, nicht schnell und kurz, sondern nachhaltig. Mehr von der Double-Saison, mehr Shaqiri-Glanz, weniger Verteidigungsreden und weniger Medienschelte. Lichtsteiner ist ein international gestählter Fussballer, aber ein nationaler Trainer-Debütant. Und dies erst noch in einem Klub, den der Trainer als «Durchgangsstation» oder als «Sprungbrett» betitelt.Spieler kommen, Spieler gehen. Der Transferbatzen rollt zwar nicht mehr so üppig wie auch schon, aber er rollt. Und der Super-League-Trainer, ob er nun den bekannten Namen Lichtsteiner trägt oder Gian-Luca Privitelli heisst, muss sich damit arrangieren. Hopp, hopp, schnell muss ein Team her. Besser heute als morgen. Das fährt Lichtsteiner vor dem Saisonbeginn durch den Kopf, als er Juventus Turin im Kontrast zum FC Basel als «Endstation» bezeichnet.Die Gedanken schweifen nach TurinFertige Spieler, grosse Namen, ultraschnelle Adaption von Spielsystemen. «Wir haben damals alles gespielt», sagt der frühere Rechtsverteidiger über seine Jahre bei Juventus Turin, «wir haben während der Spiele das System gewechselt, ohne dass es jemand merkte.» Dazu erwähnt er die Nachnamen früherer Turiner Abwehrsäulen wie Bonucci, Chiellini und Barzagli, wobei anzufügen ist, dass Lichtsteiner auch immer wieder explizit nach seiner Zeit in Italien gefragt wird. Als würde Basel seine Sehnsucht mit dem früheren Juventus Turin stillen.Turin war für Lichtsteiner schön und erfolgreich. Nur: Jetzt dürstet Basel, immer noch, auch nach den vier Toren gegen Thun. Als Lichtsteiner vor der Saison gefragt wird, ob er gewillt sei, von seinem Verhalten als Rumpelstilzchen an der Seitenlinie abzurücken, entgegnet er ohne Denkpause: «Man hat während der WM Charakteristiken von Trainern gesehen. Ich bin, wie ich bin. So war ich schon als Spieler, so bin ich auch als Trainer. Sonst hemmt es mich.» Also keine Änderung.Im Match gegen den inferioren Meister muss er sich kaum einmal aufregen. Alles gut, so weit. Nächste Stationen der möglichen Beruhigung: am Samstag die Cup-Partie beim Erstligaklub aus Courtételle, am Sonntag das Testspiel gegen den FC Barcelona. Der FC Basel denkt nicht klein.Passend zum Artikel
Meister Thun hat den Kopf anderswo und baut die Konkurrenz aus Basel und Bern auf
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