WirtschaftsWoche: Frau Bär, bevor wir über die Zukunft reden, müssen wir erst über die Gegenwart sprechen: Warum macht es die große Koalition den Deutschen zurzeit so schwer, an gutes Regierungshandwerk zu glauben?Dorothee Bär: Wir müssen in der Koalition um das Beste ringen. Nicht jede Auseinandersetzung in der Sache ist gleich fundamentaler Streit, Zoff, Krise, wie wir das häufig lesen. Ich merke das in vielen Gesprächen: Es herrscht insgesamt eine große Unzufriedenheit und Unsicherheit in diesem Land. Aber ich will Ihrer Frage gar nicht ausweichen: Die Politik hat da sicherlich auch ihren Anteil.Der erste Sommer der Regierung Merz wurde durch eine verpatzte Richterwahl ruiniert. Das war 2025. In diesem Jahr wird der Eindruck der Reformwende vom Debakel rund um die Spahn-Personalie zunichte gemacht.Personalentscheidungen sind leider oft aufregender als Sachfragen. Das ist im Kreistag nicht anders als in der Hauptstadt.Glauben Sie wirklich, dass der Kanzler unbeschadet aus seiner Kabinettsumbildung hervorgehen kann?Die Kabinettsumbildung, die der Kanzler vorgenommen hat, ist gut. Thorsten Frei ist darüber hinaus mit einem sehr guten Ergebnis als Fraktionschef gewählt worden. Das zeigt, dass die Fraktion hinter dem gemeinsamen Vorschlag von Friedrich Merz und Markus Söder steht. Und jetzt arbeiten wir konzentriert weiter, um Deutschland wieder an die Spitze zu bringen. Dafür sind wir gewählt, und das ist das Wichtigste. Zur Person regiert seit Mai 2025 als Ministerin im Kabinett von Friedrich Merz. Die 48-jährige Politologin sitzt seit 2002 im Bundestag, war viele Jahre lang Fraktionsvize und gehört außerdem zu den stellvertretenden CSU-Parteivorsitzenden. Unter Angela Merkel arbeitete Bär bereits als Staatsministerin und als Beauftragte für Digitalisierung.Was macht Ihnen denn als Forschungsministerin Hoffnung, wenn Sie auf den lädierten Standort Deutschland blicken?In so gut wie jedem meiner Ministerinnentermine steckt Hoffnung.Bundesregierung Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Friedrich Merz und seine Koalition offenbaren ihr verhängnisvolles Talent, jeden Hauch von Aufbruch zunichtezumachen. Und zwar nach 2025 erneut. Ein Kommentar. Kommentar von Max HaerderDas müssen Sie jetzt sagen.Es ist so. Ich sehe exzellente Unis, großartige Fachhochschulen, hervorragende Forscherinnen, Projekte und Unternehmen. Und der Raumfahrtsektor: plus 17 Prozent Umsatz allein im vergangenen Jahr. Das ist wirklich Grund zur Hoffnung.Wenn man Ihnen zuhört, könnte man meinen, es gäbe gar keine Krise im Land.Tatsächlich erlebe ich dieses angeblich so depressive Land nicht, von dem ich so viel lese. Ich empfehle, mit offenen Augen auf die Tatsachen zu schauen: Wir haben beispielsweise eine hervorragende Grundlagenforschung, um die uns viele in der Welt beneiden. Am allermeisten erfüllen mich übrigens gerade die Fortschritte in der Gesundheitsforschung: Hier machen wir große Fortschritte, die den Menschen zugutekommen – so etwas macht mich wirklich optimistisch.
Dorothee Bär: Woher kommt der neue Wohlstand, Frau Bär?
Mehr Mut zum Risiko, bitte! Die CSU-Forschungsministerin glaubt fest an die Chancen des Standortes. Und sie verspricht: Die Regierung werde das Land mit Hightech fit machen.








