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Streit im VW-Konzern: Volkswagens Ärger und Porsches Beitrag Porsche verlängert die Beschäftigungs- und Standortsicherung bis 2035, während der VW-Konzern ein historisches Sparprogramm auflegt. Der Ärger im Konzernvorstand ist groß.

Porsches Gewinn ist im ersten Halbjahr wieder gestiegen. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht. Foto: Christoph Schmidt/dpaAls Wolfgang Porsche vergangene Woche die Aufsichtsratssitzung der Porsche AG eröffnet, hat sich bereits gehörig Ärger bei Vertretern der Konzernmutter Volkswagen angestaut. Vorstand und Arbeitnehmer des Sportwagenbauers haben ein Zukunftspaket verhandelt, in dem eine Beschäftigungs- und Standortsicherung bis 2035 gewährt werden soll. Eine kostspielige, mitarbeiterfreundliche Regelung für einen Zeitraum von fast zehn Jahren – in der kriselnden Autoindustrie eine Ewigkeit. In Wolfsburg muss zeitgleich das wohl härteste Sparprogramm der Konzerngeschichte durchgefochten werden.Die VW-Konzernchefs in Wolfsburg erwarten deshalb, dass Wolfgang Porsche, der zugleich Aufsichtsratschef bei Porsche und einer der wichtigsten VW-Aktionäre ist, den Stuttgarter Plänen in der Sitzung Einhalt gebietet. Schließlich, so heißt es bei Volkswagen, seien es die Eignerfamilien Porsche und Piëch, die im Hintergrund seit Jahren auf harte Sparmaßnahmen im Konzern drängen.Doch ihr Kalkül geht nicht auf. Der Familiensprecher wirkt auf einige Teilnehmende passiv. Porsche soll zugehört, moderiert haben, wirklichen Widerstand aber habe man nicht wahrgenommen. Der kommt von anderen Stellen, etwa von VW-Konzernvorständen, die Mitglieder des Aufsichtsrates sind. Oder von übrigen Familienmitgliedern – im Gremium sitzen unter anderem Hans Michel Piëch und Oliver Porsche.Arbeitsmarkt 200.000 Jobs weniger pro Jahr, aber nicht durch Entlassungen Immer mehr Industrieunternehmen kündigen Entlassungen an. Der wahre Arbeitsplatzverlust aber findet im Hintergrund statt. von Henrike AdamsenVertreter beider Fraktionen sollen davor gewarnt haben, dass zehn Jahre für die Beschäftigungssicherung eine arg lange Zeit seien. Und sollen anschließend darauf gedrängt haben, eine „Schlechtwetterklausel“ zu ergänzen. Falls das Geschäft von Porsche in dem Zeitraum einbrechen und die Geschäftszahlen unter eine bestimmte Schwelle fallen sollten, müsse es eine Option geben, die Vereinbarung aufzuschnüren.Der Druck half. Der Aufsichtsrat beschloss das Zukunftspaket tatsächlich mit einer Klausel für schlechte Zeiten, zeigen Recherchen der WirtschaftsWoche. Die Beschäftigungssicherung ist also an Bedingungen geknüpft, sie ist nicht garantiert. Sprecher der Unternehmen wollten die Vorgänge nicht kommentieren.„Schonwaschgang bei Porsche“Und dennoch: In Wolfsburg reagiert man weiterhin mit Unverständnis auf das Programm in Zuffenhausen. Der Konzernvorstand will womöglich bis zu vier Werke schließen, mehr als 100.000 Stellen abbauen und Milliarden sparen. Die Zugeständnisse an die Porsche-Belegschaft senden aus Sicht von VW-Vorständen ein fatales Signal in den Konzern. Nun könnten, so fürchten sie, andere Marken dem Porsche-Beispiel folgen – und ebenfalls weitgehende Zugeständnisse an die Arbeitnehmer machen.Die Konzernvorstände ärgern sich aber auch über Wolfgang Porsche. „Bei Porsche stimmt er einem Schonwaschgang zu“, heißt es aus Vorstandskreisen. „Da ist er von seiner Linie abgerückt“, sagt ein hochrangiger VW-Manager. Es ist kein Geheimnis, dass ausgerechnet Eignerfamilien Druck gemacht haben, dass das von VW geplante, drastische Sparprogramm in Wolfsburg durchkommt: Werksschließungen, Stellenabbau in großem Stil, höhere Rendite. Und nun, ausgerechnet bei Porsche, wo die Familien viel leichter durchregieren können: Kuschelkurs.Zuffenhausen verteidigt sichIm Porsche-Vorstand registriert man die Wut aus Wolfsburg. Die Stuttgarter bekommen sehr genau mit, wie kritisch man in Wolfsburg gerade über sie spricht, nach innen wie nach außen. Und ärgern sich darüber.Es sei ja nicht nur die Beschäftigungssicherung beschlossen worden, es würden auch 9000 Stellen sozialverträglich abgebaut, sagen Porsche-Manager. Insgesamt rechnet Porsche-CEO Michael Leiters mit Sparpotentialen in Milliardenhöhe durch das beschlossene Zukunftspaket. Außerdem gelte im Konzern, dass jede Marke ihren eigenen Weg finden müsse – weil sie alle unterschiedlich seien.Porsche produziert vorwiegend in Deutschland, die Marge für die Fahrzeuge kann groß sein. Ob ein Porsche-Kunde ein in China produziertes Fahrzeug bei dem Preispunkt akzeptieren würde? Fraglich. Porsche-Manager weisen auch darauf hin, dass VW-Chef Oliver Blume selbst vor wenigen Wochen öffentlich eingeräumt habe, dass Porsche seinen eigenen Weg finden müsse. Eine Sicht, die übrigens einige Mitglieder der Eignerfamilien teilen, erfuhr die WirtschaftsWoche.Das Verhältnis zwischen der Sportwagen-Tochter und der Konzernmutter ist belastet. Und in Wolfsburg wie in Stuttgart fragt sich das Top-Management: Wo steht eigentlich Wolfgang Porsche? Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick