In Kyjiw und Charkiw protestieren Tausende gegen Entscheidungen von Präsident Selenskyj. Sie hoffen, dass er auf den wachsenden Unmut reagiert.

Über Kyjiw hallen Explosionen wider. Gerade hat die ukrainische Luftabwehr eine russische Shahed-Drohne abgeschossen. Doch auf dem Chreschtschatyk-Boulevard, im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt, sind die Detonationen an diesem Freitagabend kaum zu hören. Tausende von Menschen übertönen den Lärm mit Rufen wie „Es ist uns nicht egal“, „Ihr habt etwas kaputt gemacht – repariert es“ und „Schande!“.

Die Menschen halten eine riesige gelb-blaue Flagge und Pappschilder in die Höhe. An diesem Abend findet ein Marsch „Für Reformen“ zur Unterstützung des ehemaligen ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow statt.

Dieser Marsch ist der Höhepunkt einer Reihe von Protesten, die seit nunmehr zwei Wochen in zahlreichen ukrainischen Städten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Ausgelöst wurden die Demonstrationen, weil Präsident Wolodymyr Selenskyj Mitte Juli, Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entließ.

Fedorow war erst seit vergangenem Januar auf diesem Posten. Dank seiner Erfolge bei der Massenproduktion und dem Einsatz von Drohnen avancierte er zu einer der populärsten Persönlichkeiten der Regierung. In seine Amtszeit fallen zudem die erfolgreiche Unterbindung der Nutzung von Starlink-Terminals durch das russische Militär sowie die Entwicklung von Langstreckenwaffen für Angriffe auf militärische Ziele auf russischem Staatsgebiet.