Die Europäische Fußball-Union Uefa hat nach dem vorläufigen Ende der Fifa-Investorenpläne mit erstaunlich deutlichen Worten einen Kulturwechsel im Weltverband gefordert. Dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino warf die Uefa vor, einen „schäbigen und undurchsichtigen Deal“ eingefädelt zu haben.„Die aktuelle Fifa-Führung hat nicht nur das Vertrauen der Uefa, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie verloren“, hieß es in einer Uefa-Stellungnahme am Samstagmittag: „Wir können nicht länger so weitermachen mit geheimen, in Windeseile durchgepeitschten Plänen, die von anonymen Akteuren ausgeheckt werden und dem Fußball nur zweifelhaften Nutzen bringen. Wir müssen die Verantwortlichen ermitteln und zur Rechenschaft ziehen.“Der Fifa-Entscheidung waren massive Proteste vor allem aus Europa vorausgegangen – aber auch die Kontinentalverbände in Asien sowie Nord- und Mittelamerika lehnten Infantinos Pläne ab. Der Schweizer steht heftig unter Druck, viele in der Fußball-Welt und selbst der Politik fordern seinen Rücktritt.Fifa:Infantino stoppt Investorenpläne für WeltmeisterschaftenDer massive Widerstand aus Europa und anderen Kontinenten zeigt Wirkung: Man werde die Idee nicht weiter verfolgen, erklärt der Fifa-Boss.Die Uefa dankte all jenen, „die dem Fifa-Präsidenten deutlich gemacht haben, dass Fußball nicht käuflich ist“. Es sei „ein Sieg für den gesamten Fußball. Doch das darf nicht das Ende der Geschichte sein.“ Infantino hatte vorgeschlagen, einen Teil der WM-Rechte in ein Tochterunternehmen auszulagern und durch den Verkauf an Investoren hohe Summen einzunehmen. Der Weltverband setzte den Verbänden für die Zustimmung zu den Plänen eine Frist bis zum 19. September und stellte im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht. In der Nacht zum Samstag verkündete Infantino dann, dass die Idee nicht weiterverfolgt werde.Die Uefa wirft Infantino zudem vor, gegen zwei seiner Wahlversprechen eklatant verstoßen zu haben: Der Schweizer hatte 2015 Transparenz angekündigt sowie die Verwendung der Fifa-Gelder zum Wohle sowie zur Entwicklung des Fußballs.„Beide Versprechen hat er nicht eingehalten. Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er durchzusetzen versuchte, war alles andere als transparent. Und trotz Reserven von über fünf Milliarden Dollar hat er es auch versäumt, das Geld der Verbände zum Wohle des Fußballs einzusetzen“, hieß es in dem Statement.Deshalb werde die Uefa „unverzüglich mit Partnern und Interessengruppen weltweit und aus allen Bereichen des Fußballs zusammenarbeiten, um einen neuen Weg für die Verteilung der Ressourcen im Rahmen des bestehenden Fifa Forward-Programms vorzuschlagen“.