Affen, die Straßenhunden das Fell pflegen, sind nicht bloß kuriose Begebenheiten, die sich im Südostasienurlaub für Schnappschüsse anbieten. Offenbar steckt mehr als ein Zufall dahinter: Ähnlich wie Menschen, die sich Haustiere halten, suchen laut einer neuen Studie auch Primaten immer wieder Kontakt zu anderen Gattungen. Insgesamt 427 solcher Begegnungen werteten die Wissenschaftler aus Oxford für die Publikation aus, die kürzlich im Journal „Primates“ erschienen ist. In diese Auswertung flossen nicht nur wissenschaftliche Berichte ein, sondern auch Bilder aus Google-Suchen und Youtube-Videos – sofern die Arten genau zuzuordnen waren.Vor allem bei Meerkatzen, Menschenaffen und Kapuzineraffen beobachteten die Forscher solches Verhalten. Als Gefährten suchten sich die Affen meist andere Affen, aber auch andere Säugetiere: Straßenhunde, Katzen, Nagetiere, Rehe oder Hausschweine schienen beliebt zu sein. Auch Interaktionen mit Vögeln beschrieben die Forscher. Begegnungen mit Reptilien oder Insekten kamen hingegen weniger vor. Insgesamt seien die Präferenzen ähnlich wie bei Menschen, schreiben die Forscher.6 Bilder HaustiereTierische BegegnungenDie Begegnungen waren durchaus intensiv. Die Affen grüßten und berührten die anderen Tiere, kletterten auf sie oder ritten auf ihren außergewöhnlichen Bekannten. Auch ihr Futter teilten die Affen bereitwillig. Am häufigsten beobachteten die Forscher, wie Affenweibchen das Fell anderer Tiere, vorrangig anderer Affenarten, pflegten und wie die Tiere miteinander spielten. Besonders Jungtiere schienen Interesse am gemeinsamen Spiel zu haben. Die Initiative ging dabei oft von den Affen aus, in 48 Prozent der Fälle konnten die Forscher die Kontaktaufnahme aber nicht eindeutig zuordnen.Doch die Affen gingen nicht nur freundlich mit ihren Spielpartnern um, sondern missbrauchten sie auch manchmal: So zerrten die Affen an den Tieren oder legten sich auf sie, auch wenn die Spielgefährten dabei klagende Laute von sich gaben. Teilweise starben die Tiere dadurch sogar. Solch aggressives Verhalten wurde vermehrt bei Männchen beobachtet, Weibchen zeigten mehr Interesse an Fellpflege oder kümmerten sich um die Tiere, als seien es Junge. Oft aber profitierten die „Freunde“ von den Beziehungen. Sie schnappten sich fallen gelassenes Obst oder Fleisch oder konnten sich dank der Warnrufe der Affen rechtzeitig vor Räubern in Sicherheit bringen.Dass Affen sich aber wie Menschen Haustiere halten, sei eine Überinterpretation der Beobachtung, so die Forscher. Denn dazu gehöre, dass die Beziehungen über einen längeren Zeitraum gepflegt würden. Das komme in der Natur zwar vor, sei aber eher selten. Ein Beispiel floss dennoch in die Studie ein: Eine Gruppe Kapuzineraffen in Brasilien kümmerte sich demnach über mindestens zehn Monate hinweg um ein Weißbüschelaffenjunges. Zwei Weibchen versorgten es mit Nahrung, und es war auch ins soziale Gefüge der Gruppe eingebunden. Solches Verhalten sei nicht ausschließlich in der Natur zu beobachten, sondern komme auch in Zoos vor, heißt es in der Studie. Die Autoren beschreiben Fälle, in denen sich Affen um Hühner oder Kätzchen kümmern, die zufällig in ihr Gehege gelangt waren. Der Antrieb, so schreiben die Forscher, könnte in diesen Fällen der Mangel an eigenen Nachkommen gewesen sein.Das Verhalten der Primaten könnte möglicherweise erklären helfen, wie die enge Beziehung von Menschen und ihren Haustieren in der Evolution entstanden ist. Offensichtlich ist die artübergreifende Fürsorge etwas, das alle Primaten teilen. Die Wissenschaftler geben allerdings zu bedenken, dass ihre Studie auf gesammelte Berichte zurückgeht, die keinen einheitlichen wissenschaftlichen Standards unterlagen. Einzelne Spezies könnten deshalb überrepräsentiert sein, genauso wie Beobachtungen von gemeinsamem Spiel – welches den beobachtenden Menschen häufig gefällt und was deshalb oft gefilmt wird.Zukünftig solle untersucht werden, ob solche Beziehungen eher entstünden, wenn Nahrung reichlich vorhanden sei oder die „befreundeten“ Tierarten generell nicht um die gleichen Futterquellen konkurrieren. Es gäbe auch erste Hinweise darauf, dass Affen solche Beziehungen auch mit Tieren pflegten, die auch als Beute dienten.
Merkwürdiges Verhalten: Halten Affen sich Haustiere?
Warum halten sich Menschen gern Hunde oder Katzen? Dabei könnte es sich um eine archaische Veranlagung handeln, die wir mit Primaten gemeinsam haben.








