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KI-Vorarbeit von Kollegen kostet oft Zeit statt sie zu sparen. Foto: Marcel Reyle, Getty Images Konflikte: Wie umgehen mit dem KI-Müll der Kollegen? Von KI schnell, aber stümperhaft produzierte Vorarbeit kann die Beziehung zwischen Kollegen schädigen. Warum uns das so ärgert und wie sich der Frust verhindern lässt.
Schon kurz nach dem Öffnen der Präsentation war Katharina Koch klar: Das bedeutet Arbeit – und zwar für sie.Die promovierte Neurowissenschaftlerin arbeitet bei Nilo Health, einem Anbieter für mentale Gesundheit, und sollte am nächsten Tag eine Präsentation bei einem Kunden halten. Eine Kollegin bot ihre Hilfe an, weil es schnell gehen musste. „Die Texte waren als Arbeitsgrundlage okay, aber die Schriftarten, Farbcodes und Bilder waren nicht zu gebrauchen“, sagt Koch. „Die Kollegin hatte KI verwendet, ohne noch einmal zu prüfen, ob das Ergebnis unseren Standards entspricht.“ Koch war sauer.Eine Reaktion, die viele Menschen kennen – und auch Koch als Psychologin sofort einordnen konnte. „Ärger ist in einem solchen Fall völlig normal, denn das Nachbessern einer solchen Vorarbeit macht oft mehr Mühe, als wenn man es von Anfang an selbst gemacht hätte.“ Eine Befragung der Universität Stanford unter 1150 Büroarbeitern hat im vergangenen Jahr ergeben, dass 40 Prozent von ihnen im zurückliegenden Monat mit ähnlich stümperhaft von der KI zusammengestelltem Kram bei der Arbeit konfrontiert wurden. Sie gaben an, jeder Vorfall hätte sie durchschnittlich fast zwei Stunden Zeit gekostet.Warum KI-Fehler anders ärgern als menschliche Fehler„Natürlich ärgert uns schlechte Arbeit auch, wenn sie von Menschen gemacht ist“, gibt Hans Rusinek zu bedenken. Der Arbeitsforscher von der Universität St. Gallen sieht aber auch die „Vertrauensfähigkeit“ erschüttert, sobald KI im Spiel ist. „Es ist ein Unterschied, ob jemand einfach nicht in der Lage ist, bessere Arbeit abzugeben, oder ob er sich mit dem erstbesten KI-Ergebnis zufriedengegeben hat.“ Das wirkt sich negativ auf das Verhältnis zwischen den Kollegen aus, vor allem „wenn jemand verschleiert, dass er die KI genutzt hat, und eine Mail etwa absichtlich eineinhalb Stunden zurückhält“.Das bestätigt auch die Stanford-Studie: 53 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen ärgerten sich über den KI-Müll. 38 Prozent reagierten irritiert und 22 Prozent fühlten sich gekränkt.Doch damit nicht genug. Auch das Bild, das die Befragten von dem Kollegen hatten, der die KI für sich hatte arbeiten lassen, verschlechterte sich oft: Er wurde als weniger kreativ und kompetent wahrgenommen. Auch seine Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit litten.Den Ärger eindämmenRusinek hält es für wichtig, sich zunächst vor Augen zu führen, warum der Kollege oder die Kollegin eine KI-Antwort „hingerotzt“ hat, wie er es ausdrückt. Das habe oft mit „Gehetztheit“ zu tun. „Wirklich Verantwortung für ein Ergebnis zu übernehmen, ist sehr zeitintensiv“, betont der Forscher. Und genau diese Zeit haben viele Mitarbeiter nicht. Oder meinen, sie nicht zu haben. „Fehlt es am Arbeitsplatz an psychologischer Sicherheit, erzählen Mitarbeiter vielleicht nicht, dass sie KI nutzen, sondern bewältigen die steigende Arbeit damit stillschweigend.“ Und ziehen so mitunter den Frust der anderen auf sich. Ein transparenter Umgang mit der Verwendung von KI-Tools sei deshalb empfehlenswert.Auf der anderen Seite, so Rusinek, sind es vor allem Berufseinsteiger, die nicht immer so ganz genau wissen, was KI-Müll ist – und was nicht. Nur wenn ihnen Vorgesetzte genau erklären würden, was an ihrer Arbeit mangelhaft ist und was sie künftig anders machen sollten, könnten die Neulinge verstehen, „was wirklich gut genug ist“. Und wie sie den ersten Aufschlag der KI weiterbearbeiten müssen, um daraus ein vernünftiges Ergebnis zu machen.KI im Management Wozu brauchen wir noch Chefs? von Nico MaturoDazu müsse sich die Führungskraft aber Zeit nehmen. Aus seiner eigenen Zeit bei einer Unternehmensberatung weiß Rusinek, dass Chefs häufig einem Trugschluss erliegen. „Vielleicht brauche ich nur eine halbe Stunde, um den KI-Müll des Kollegen zu verbessern“, erläutert er. „Deshalb mache ich es selbst, statt eineinhalb Stunden zu investieren, um zu erklären, was gute Arbeit ist.“ Ein Fehler, da die eineinhalb Stunden langfristig gut investierte Zeit gewesen wären.Katharina Koch plädiert für klare Regeln, die die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern an die Hand geben sollten. „Sie sollten klar kommunizieren, für welche Aufgaben KI genutzt werden kann und soll, und welche Erwartung an das Ergebnis gestellt wird“, erläutert die Expertin. Etwa, dass KI-Ergebnisse nie ungeprüft weitergegeben werden, weil sonst der Nächste damit mehr Arbeit hat. Da genau diese Überprüfung vielen noch schwerfällt, braucht es laut Koch auch hier Weiterbildungsangebote von den Arbeitgebern.Hier finden Sie eine Auswahl der Summer-School-Artikel:Die Expertin Susanne Reinker warnt Chefs: Beschäftigte üben häufiger Rache, als sie denken – mit teils fatalen KonsequenzenDiese 31 Faktoren entscheiden über die Veränderungsfähigkeit in UnternehmenWie Toyota das Lean Management prägteWenn sie selbst mit KI-Müll konfrontiert wird, sucht sie das Gespräch. „Andernfalls bleibt der Frust bei mir, und die Beziehung leidet“, sagt Koch. Dabei sei es wichtig, den ersten Ärger beiseite zu lassen und mit Ich-Botschaften zu beginnen: „Die Powerpoint-Präsentation war für mich aus folgenden Gründen nicht hilfreich. Damit hatte ich mehr Arbeit als nötig. Ich fände es besser, wenn du mir beim nächsten Mal nur die Bulletpoints schickst.“ Auch Rusinek würde die Frage, ob der Kollege nun KI genutzt hat oder nicht, gar nicht ansprechen, sondern einzig die Qualität des Ergebnisses. „Es geht nicht um den Weg, sondern um das Ziel“, betont der Forscher.Nur dass es angesprochen wird, sei unverhandelbar. Denn sonst drohe Sicht eine fatale Kettenreaktion. „Wenn alle denken, der KI-Müll ist gut genug, bleiben wir im Mittelmaß“, sagt Rusinek. Und die Kollegen sauer.In der WiWo Summer School liefern wir Ihnen Inspiration, die Ihren Managementalltag verändert. Hier finden Sie alle Lektionen Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick









