Julien Harneis hat eine Mammutaufgabe vor sich. Für das komplexe Netzwerk der Vereinten Nationen (UN) koordiniert Harneis seit einem Monat die Hilfsleistungen im Kampf gegen das Ebolavirus. Dafür ist der gebürtige Brite seit Wochen in Bunia, dem Epizentrum des jüngsten Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo.Erst diese Woche bezeichneten die UN den Ausbruch im Osten des Landes als die am schnellsten eskalierende Ebolakrise aller Zeiten – die Fälle steigen schneller als bei dem bislang schlimmsten Ausbruch vor zehn Jahren, als sich zwischen 2014 und 2016 in Westafrika knapp 29.000 Menschen mit dem Virus infizierten und mehr als 11.000 von ihnen daran starben. 1521 Menschenleben hat der Ausbruch seit dem offiziellen Beginn im Mai in Ostkongo bereits gekostet, 3442 Personen haben sich infiziert.„Die Fallzahlen steigen exponentiell, sie verdoppeln sich alle 20 Tage“, warnte Harneis diese Woche auf einer Pressekonferenz. Die Zahl der Infektionen wachse viel schneller als die Mittel für die Reaktion darauf: „Wir tun nicht genug.“ Noch nicht einmal die Hälfte der nötigen Finanzmittel sei dafür aktuell vorhanden, so Harneis.Wie humanitäre Einsätze gelingen sollenDass das internationale Gesundheitssystem unter den weltweiten Einsparungen bei Entwicklungsgeldern stark gelitten hat, muss man dem UN-Koordinator nicht erklären. Nur wenige kennen sich in dem globalen humanitären System so gut aus wie er. Seit über drei Jahrzehnten arbeitet Harneis als Repräsentant der UN mit Stationen im Jemen, in Pakistan, in Nigeria, in Guinea und vor einigen Jahren schon einmal in Kongo.Im Interview mit der Denkfabrik Chatham House erklärte Harneis, wie humanitäre Einsätze seiner Meinung nach gelingen. Dort beschreibt er „dreiseitige Verhandlungen“ – und verdeutlicht mit seinem theoretischen Ansatz auch seinen eigenen akademischen Hintergrund als Absolvent der Cambridge-Universität in internationalen Beziehungen. Man müsse konstant mit den lokalen Behörden im Kontakt bleiben, Diskussionen mit Geberländern führen, um deren Vertrauen für den Einsatz zu gewinnen, und sich mit der Gesellschaft vor Ort auseinandersetzen, damit die Hilfe auch angenommen wird, erklärt Harneis.Bei seinem aktuellen Einsatz in Kongo dürfte Letzteres am schwersten sein. Menschen vor Ort machen internationale Helfer für den jüngsten Ebolaausbruch verantwortlich. Es gibt zahlreiche Berichte von Angriffen auf Mitarbeiter.Auch Harneis sagte diese Woche, dass das Vertrauen der Bevölkerung eine große Herausforderung sei. „60 Prozent der Todesfälle werden in der Gemeinde erfasst“, berichtet er. Das heißt, dass Personen mit Symptomen eher zu Hause bleiben, als sich in Gesundheitszentren zu melden. Die Epidemie so in den Griff zu bekommen, ist mehr als eine Mammutaufgabe. Es ist so gut wie unmöglich.