Am Mittwoch versuchte Gianni Infantino noch einmal zu beschwichtigen. Es sei nur ein Vorschlag, sagte er über seine Pläne, Anteile an der Fußball-WM zu verkaufen; ein „Teil eines demokratischen Prozesses“. Aber gerade, weil nichts demokratisch ist an seinem Vorgehen, war es zu spät. Tags darauf kündigten Europas Fußballverbände an, alle Turniere des Fußball-Weltverbandes FIFA zu boykottieren, solange der Plan nicht aus der Welt ist. Wer will eine WM ohne die besten Teams Europas sehen?Es ist der offene Bruch im langen Konflikt zwischen Europas Fußball-Union (UEFA) und der FIFA. In den Stunden danach verweigerten zwei weitere Kontinentalverbände die Unterstützung für den Deal, die Mehrheit war dahin. Noch ist nicht klar, was für den Fußball, für Infantinos Zukunft daraus folgt. Klar ist aber, dass Infantino auch den Letzten gezeigt hat, worum es ihm als FIFA-Präsident geht in dem System, das er Demokratie nennt: nicht um das Spiel. Nicht um die Entwicklung des Fußballs, nicht mal um die höchsten Einnahmen für die FIFA. Sondern um ihn selbst.

Die Idee, die den Fußball erschüttert, dreht sich um ein Tochterunternehmen der FIFA, das Infantino gern gründen will. Ein Unternehmen, das künftig alle FIFA-Turniere vermarkten und organisieren sollte. Rund ein Fünftel der Anteile, schlug die FIFA vor, würde sie an Investoren verkaufen. Eine Milliardenspritze für den Weltfußball.Infantino verkaufte das als Segen für die FIFA-Mitgliedsverbände – für diejenigen also, die über die Idee abstimmen und ihn im März 2027 wieder zum Präsidenten wählen sollen. Er rechnete ihnen genau vor, wie viel mehr Geld er künftig unter ihnen verteilen könnte. Aber erstens lasen sich die Zahlen seiner Rechnung, als würde er das beliebteste Spiel der Welt unter Wert verkaufen. Zweitens braucht die FIFA, die ständig neue Rekordeinnahmen verkündet, nicht noch mehr Geld. Und drittens müssten die Verbände auf Geld, das sie jetzt bekommen, in Zukunft wohl verzichten – weil dann die Investoren mitverdienen würden.Trumps Verwandte und BekannteWenn also jemand profitieren würde von Infantinos Geschäft, dann die Männer, die es abschließen.Für Infantino sieht der Vorsitz dieses Unternehmens aus wie der perfekte Chefsessel für die Zeit nach seiner laut FIFA-Regeln letzten Amtszeit, nach 2031. Ein Sessel, in dem er deutlich mehr verdienen könnte als jetzt. Und mit ihm verdienen soll das Umfeld des amerikanischen Präsidenten. Führender Investor in der neuen Firma der FIFA soll ein Unternehmen von Joshua Kushner werden – dem Bruder von Jared Kushner, Donald Trumps Schwiegersohn.Überraschen kann das nicht, so wie Infantino sich zuletzt an Trump gekettet hat. In diesen Ketten, in dieser Verbindung, hat er sich nun verheddert. Er hat so viel Zeit in Trumps Nähe, im Kosmos der Regellosigkeit verbracht, dass er sich inzwischen alles herausnimmt. Er, der längst Teil dieser Blase ist, der über politische Bühnen schritt, auf denen er nichts zu suchen hatte, der in Trumps Friedensrat saß und im Weißen Haus ein und aus ging, hat dabei den Kontakt zum Großteil der Fußballwelt lange verloren.Nur wer sich in der Welt des Fußballs unangreifbar wähnt, macht ohne Not den Fehler, einen großen Plan zum Umbau der Weltorganisation zu schmieden, ohne sich mit den mächtigen Verbänden abzustimmen. Und nur wer sich für größer hält als das Spiel, kommt auf die Idee, es für den eigenen Vorteil zu verkaufen.